Neue Mobilität

Aulendorf bekommt Carsharing-Auto mitsamt Ladesäule

Aulendorf / Lesedauer: 4 min

Der Gemeinderat stimmte zu, am e-Carsharing-System der Firma Deer teilzunehmen. Auch andere Kommunen im Kreis Ravensburg machen mit. Das steckt dahinter.
Veröffentlicht:25.01.2023, 16:00
Aktualisiert:24.01.2023, 01:00

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Großstädte und der ländliche Raum unterscheiden sich in vielen Punkten. Besonders augenfällig werden die Kontraste beim Thema Mobilität. Während es sich in Großstädten mit zahlreichen Nahverkehrsangeboten gut auf ein Auto verzichten lässt, sind die vierrädrigen Vehikel in der Provinz noch nahezu unentbehrlich.

Allerdings stehen Autos die meiste Zeit ihres Daseins nur herum. Wer auch in der ländlichen Kleinstadt auf ein eigenes Auto verzichten will, kann vermehrt Carsharing-Angebote nutzen – das gibt es längst nicht mehr nur für Großstadt-Menschen.

Auch Aulendorf soll nun ein solches Elektroauto mitsamt Ladesäule erhalten. Und das ohne großartige Kosten: Einmalig werden nach Angaben der Stadt 5000 Euro fällig.

Auto an einem Standort abholen und an einem anderen Ort abgeben

Carsharing heißt übersetzt „Sich ein Auto teilen“. Solche Systeme werden dann sinnvoll, wenn es im Umkreis verschiedene Abholstellen gibt und genauso auch Stationen, an denen das Fahrzeug wieder abgegeben werden kann.

Ladesäule

Warum braucht die Region ausgerechnet Ihr Carsharing-Angebot, Herr Graef?

qRavensburg

Heißt: Einwegfahrten sind möglich, also die Fahrt kann an einem Standort begonnen werden und das Auto kann an einem anderen Standort zurückgeben werden (Nutzer müssen also nicht zwangsläufig zum Ausgangspunkt zurück kehren).

Ein solches Angebot im Bereich der e-Mobilität plant derzeit die Deer GmbH, eine Tochtergesellschaft der Energie Calw GmbH, im Kreis Ravensburg sowie in verschiedenen Teilen Baden-Württembergs.

Ladesäule und Auto werden zur Verfügung gestellt

Das läuft so: Die Firma Deer installiert in den teilnehmenden Kommunen jeweils eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten sowie integriertem Stromzähler und stellt ein batteriegetriebenes Carsharing-Auto bereit. Die Systemeinbindung, die Wartung und Betrieb der Ladeinfrastruktur mit Störservice sowie die Stromlieferung mit 100 Prozent Ökostrom erfolgt ebenfalls durch Deer.

Es wird attraktiver, je mehr Kommunen in der Region mitmachen.

Das alles erläuterte die Aulendorfer Stadtverwaltung dem Gemeinderat in der jüngsten Sitzung im Ratssaal und schlug dem Gremium vor, sich an diesem e-Carsharing-System zu beteiligen.

Kommune müssen zwei Parkplätze vorhalten

Was sind die Aufgaben der Kommune? Es müssen zwei Parkplätze zur Verfügung gestellt werden sowie die Tiefbauarbeiten und der Netzanschluss übernommen werden. In Baden-Württemberg gibt es nach Angaben der Stadt derzeit 170 vorhandene Deer-Carsharing-Standorte, 35 Standorte sind in der Umsetzung und 50 Standorte in der Planung.

Im Herbst haben sich nach weiteren Angaben der Stadt im Kreis Ravensburg bereits Achberg, Amtzell, Argenbühl, Isny, Kißlegg, Leutkirch und Wangen entschlossen, bei diesem Projekt mitzumachen. „Es wird attraktiver, je mehr Kommunen in der Region mitmachen“, betonte die Verwaltung.

Standort am Bahnhof

Als Standort für die Ladesäule mitsamt den beiden Parkplätzen ist eine Fläche im Bereich der Kurzzeitparkplätze am Bahnhof vorgesehen, erläuterte Bürgermeister Matthias Burth, den dieses Carsharing-Konzept „persönlich sehr angesprochen“ habe. Vor allem durch den Aulendorfer Knotenbahnhof werde das Carsharing-System sehr attraktiv.

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Wie aus den Sitzungsunterlagen, denen eine Erläuterung der Firma Deer beigelegt war, weiter hervor geht, soll die Nutzung eines Carsharing-Wagens pro Stunde 9,90 Euro kosten. Der Tagestarif liegt bei 69,90 Euro und für ein ganzes Wochenende werden 109,90 Euro fällig (Freitag 17 Uhr bis Sonntag 21 Uhr, jeweils freie Kilometer). Abgewickelt wird das Ganze über eine App.

Aulendorfer und Bahnreisende sollen profitieren

Auf die Frage von Matthias Holzapfel (BUS), für welche Zielgruppen das Angebot gedacht sei, erläuterte Burth: Sowohl für Aulendorfer als auch für Menschen, die mit der Bahn ankommen und mit dem Auto weiterfahren wollen. Sollte es eine große Nachfrage geben, habe die Firma in Aussicht gestellt, ein weiteres Auto mitsamt Ladesäule an einem zweiten Standort zur Verfügung zu stellen.

Nachdem eine Weile noch diskutiert wurde, ob der Bahnhof oder ein anderes Areal als Ausgangspunkt am besten geeignet wäre und Burth jeweils auf den Bahnhof zurück verwiesen hatte, war das von der Grundidee überzeugte Gremium einstimmig dafür, am e-Carsharing-System der Firma Deer teilzunehmen.


Nach Angaben der Deer Gmbh steht ein privater Pkw pro Tag im Schnitt rund 23 Stunden ungenutzt herum und die durchschnittliche Fahrzeugbelegung liegt bei nicht einmal 1,5 Personen pro Fahrzeug. Zudem ersetze ein Carsharing-Fahrzeug im Schnitt rund zehn Privatwagen. Jeder fünfte Haushalt verfüge über ein Zweitfahrzeug, das durch Carsharing eingespart werden könne.