Klimademo

230 Demonstranten bei Klimademo in Aulendorf

Aulendorf / Lesedauer: 4 min

Große Resonanz in Aulendorf – Darum gehen viele Jugendliche und Erwachsene auf die Straße
Veröffentlicht:27.09.2019, 17:05
Aktualisiert:27.09.2019, 19:27

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Am letzten Tag der bundesweiten Aktionswoche für den Klimaschutz sind auch in Aulendorf erstmals Schüler und Erwachsene auf die Straße gegangen. Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten „Fridays For Future“, „Parents for Future“, der BUND Aulendorf, die BUND-Jugend und das Bündnis für Umwelt und Soziales. Die Veranstalter hatten ausdrücklich Schüler, Eltern, Großeltern und Lehrer, die Beschäftigten und Betriebsräte der Unternehmen und Kliniken sowie die Mitarbeiter der Stadt hierzu eingeladen. Und tatsächlich war an einer Ladentür in der Hauptstraße zu lesen, dass wegen der Demonstration die Mittagspause vorgezogen wird.

Wenn auch der Großteil der gut 230 Demonstranten jüngeren Alters war, gesellten sich doch viele Erwachsene hinzu. Wilma Hensler und Ilonka Siebert etwa, die mit ihrer Anwesenheit die Zukunftsängste ihrer Kinder ernst nehmen und die Klimadebatte hinsichtlich einer Chance für eine gute Zukunft unterstützen möchten. „Das sind wirklich Ängste um die Zukunft, welche die Kinder beschäftigen, das merken wir zu Hause an den Diskussionen, und es geht ganz sicher nicht darum, die Schule zu schwänzen“, äußerten die beiden Mütter.

Studenten fordern: „Nun müssen aber Taten folgen“

Zur nächsten Generation gehören die beiden Studentinnen Julie Hensler aus Altshausen und Alicia Grüneberg aus Ebersbach. Sie sind extra zur Demo nach Aulendorf gekommen, selbstverständlich mit dem Fahrrad, berichten sie. „So langsam kommt endlich Bewegung in den Klimaschutz, auch wenn das öffentliche Bewusstsein noch lange nicht genügend ausgeprägt ist“, erklärt die 19-jährige Julie und Freundin Alicia ergänzt, dass sie überzeugt davon ist, dass erst die Klimabewegung die allgemeine Debatte so richtig angestoßen hat, wie man nun am Klimapaket der Bundesregierung sehen könne. „Das Reden über den Klimaschutz ist total wichtig, nun müssen aber Taten folgen, sonst bringt das ganze Demonstrieren nichts.“

Den Einstieg in die Veranstaltung und die Übergänge zwischen den Reden gestalteten die Mitorganisatoren Christine und Gunter Vogt, mit live gesungenen Liedern und bewegenden gesprochenen Texten. „Wenn es einen Gott gibt, der vom Himmel herunterschaut, was wird er denken, von dem, was wir der Welt angetan haben, die Er erschaffen hat?“, sangen sie etwa den Song von der Musikgruppe Queen. Großen Mut bewiesen sowohl die elfjährige Jana Hartnagel der Klasse 6a der Schule am Schlosspark als auch die 16-jährige Lara Allgaier, Mitglied der Schülermitverwaltung des hiesigen Gymnasiums. Beide hielten eine beeindruckende Rede. „Aber was können wir tun“, fragte Lara und gab selbst die Antwort: „Auf Taxi Mama und Papa verzichten und Gemüse statt Rindfleisch essen.“ Ehrlich gab sie aber zu, dass sie bei Regenwetter keine Lust hat, neun Kilometer mit dem Fahrrad zum Klavierunterricht zu fahren und auch gerne Bananen esse. „Wir brauchen nicht komplett auf alles zu verzichten, aber wir sollten Abstriche machen – Klimaschutz macht nicht immer Spaß“, sagte sie abschließend und erhielt großen Beifall.

Wiederholung der Aktion ist angedacht

Die Klasse 6a der Schule am Schlosspark war beinahe vollzählig anwesend. Die Schüler hatten Plakate gemalt und vertraten im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ äußerst redegewandt ihre Meinung zum Umweltschutz. Nachfragen bei Schülern des Studienkollegs St. Johann, ob denn ihre Teilnahme unter „Schule schwänzen oder genehmigt“ läuft, beantwortete ein Schüler mit „das wissen wir selbst nicht so genau, es ist etwas schwammig und gilt offiziell als unentschuldigtes Fehlen, wird aber nicht sanktioniert.“

Zum Abschluss der Demo machten sich die Teilnehmer, angeführt von Christine Vogt, spontan auf den Weg durch die Hauptstraße und wieder zurück. Fahnen schwingend und Plakate tragend, sangen sie Lieder oder riefen den Zuschauern zu: „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“ Mitorganisator Bruno Sing war überwältigt von der Resonanz der Veranstaltung und lobte das Entgegenkommen der Stadtverwaltung. Er stellte in Aussicht, dass eine Wiederholung der Aktion angedacht sei.