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A&D Verpackungsmaschinenbau

Wie ein Unternehmen in kürzester Zeit zu einem Weltmarktführer wurde

Weißensberg / Lesedauer: 5 min

A&D Verpackungsmaschinenbau ist mit seinen Anlagen Weltmarktführer in Pharmaindustrie. Warum die Zukunft des mittelständischen Unternehmens rosig ist.
Veröffentlicht:12.02.2024, 19:00

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Das Weißensberger Unternehmen A&D Verpackungsmaschinenbau ist vermutlich nicht ganz so bekannt, wie die Produkte, die durch diese Maschinen hergestellt werden. Begonnen hat alles mit Anlagen für Lebensmittelverpackungen. Inzwischen ist das Unternehmen Weltmarktführer mit seinen Maschinen für die Medizin- und Pharmaindustrie. Nun wurde nun A&D Verpackungsmaschinenbau für seine Innovationskraft ausgezeichnet.

Besser verbildlichen kann man die Entwicklung des Unternehmens nicht. Auf einer Länge von etwa fünf Metern sind die Tätigkeiten des Weißensbergers Unternehmens A&D Verpackungsmaschinenbau in einer Vitrine zu sehen.

Anfang mit Maschinen für Lebensmittelverpackungen

Begonnen hat alles mit Lebensmittelverpackungen. Die typischen 20-Gramm-Frühstücksdöschen, gefüllt mit Honig und Marmelade, sind dort genauso ausgestellt, wie die Joghurtschachteln in Fruchtzwerge-Größe. „Da kommen wir her“, sagt Holger Ahr.

Dann geht der Geschäftsführer zwei Meter weiter und zeigt in die nächste Vitrine. „Das war der nächste Schritt“, sagt Ahr. Dort sind beispielsweise abgepackte Zahnarztbohrer zu sehen und Strahlendosimeter. Wieder nur fast daneben, in der dritten Vitrine, liegen Nadeln und Einmalspritzen - ummantelt von Sterilverpackungen.

In Medizin- und Pharmaindustrie tätig

Die Medizin- und Pharmaindustrie ist inzwischen das Hauptgeschäftsfeld von A&D Verpackungsmaschinenbau. Dafür stellt das Weißensberger Unternehmen die Anlagen her, die weltweit verkauft werden. Oder mit den Worten von Ahr: „Von Australien bis Peru sind unsere Maschinen im Einsatz.“

Im Oktober 1994 gründeten Franz Ahr und Franz Dehm die Firma A&D, zunächst unter dem Namen Fillpack GmbH. Aufgrund der Namensgleichheit mit einer bestehenden Firma erfolgte im Oktober 1995 die Umbenennung in A&D Verpackungsmaschinenbau GmbH.

Alles begann auf einer Fläche von rund 1000 Quadratmetern. Inzwischen sind es fünfmal so viel - alleine in der Produktion. Das Grundstück selbst im Weißensberger Teilort Rothkreuz misst 10.000 Quadratmeter.

Noch kommt das Unternehmen mit den etwa 80 Beschäftigten mit der Fläche hin - aber Ahr muss sich trotzdem so langsam Gedanken machen, wie es weitergehen soll. Denn die Auftragsbücher sind voll - und der Sitz des Unternehmens durch Autobahn und See räumlich begrenzt.

Seit Pandemie steigt Umsatz stark an

A&D Verpackungsmaschinenbau ist ein Vorzeigebeispiel, was mittelständische Unternehmen zu leisten imstande sind. Denn insbesondere seit der Corona-Pandemie kennt die Umsatzkurve des Unternehmens nur eine Richtung: nach oben.

Dabei hat Ahr mit seinem Team den Grundstein dafür schon vor zehn Jahren gelegt, als sich das Unternehmen auf die Beratung, Konstruktion und Fertigung von Verpackungsmaschinen für die Medizin- und Pharmaindustrie konzentriert hat.

Laufend Umbauten und Erweiterungen

Wenn Ahr nun durch die Produktionshalle läuft, dann fallen gleich mehrfach Worte wie Umbau, Entwicklung und Erweiterung. Manchmal - so hat man das Gefühl - muss sich der Geschäftsführer noch selbst ab und an zwicken, welche rasante Entwicklung sein Unternehmen genommen hat.

Das Lager wurde beispielsweise im vergangenen Jahr erweitert, 500 Quadratmeter neue Produktionsflächen kamen außerdem hinzu. Auch jetzt ist ein Teil der Produktionshalle wieder eine Baustelle - ein neuer Boden wird verlegt, neue Sanitäranlagen entstehen. A&D Verpackungsmaschinenbau wächst und wächst.

Christian Manz (rechts) und der Auszubildende Julian Reich arbeiten in der Endmontage.
Christian Manz (rechts) und der Auszubildende Julian Reich arbeiten in der Endmontage. (Foto: Timo Schoch)

Weltmarktführer für Maschinen in der Pharmaindustrie

„Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, kann ich mich nicht erinnern, wann wir einmal etwas nicht umgebaut hätten“, sagt Ahr. Inzwischen ist das Weißensberger Unternehmen nach eigenen Angaben Weltmarktführer im ebenso rasant wachsenden Segment der Pharmaindustrie - und profitierte unter anderem auch von der Corona-Pandemie und der erhöhten Nachfrage nach pharmazeutischen Produkten.

In dem Container lagern 100 Kanülen mit Spritzen. Die Maschine fährt mit dem Container unter einer Kamera hindurch. Diese scannt und kontrolliert, ob alles vollständig ist, registriert sogar, ob die Nadeln und die Abdeckung darauf angebracht sind. Die Kamera erkennt keine Unregelmäßigkeit. Nun wird eine Schutzkappe auf den Container gelegt.

Eine Maschine, die Produkte verpackt

Diese wird im nächsten Arbeitsschritt befestigt und beschriftet, dann wird der Container zweimal in einen Beutel gepackt, jeweils vakuumiert und gefaltet. Alles erfolgt in einer Maschine, die sich über mehrere Meter ausgebreitet hat. Holger Ahr ist zufrieden: Alles funktioniert reibungslos.

Je nach Ausstattung kostet eine solche Maschine zwischen 1,8 und 2,3 Millionen Euro. Bis zu 20 Maschinen verlassen pro Jahr die Produktionshalle von A&D Verpackungsmaschinenbau. Es gibt aber zig Varianten, unzählige Modelle. Alles sind Einzelstücke, individuell geplant und gebaut.

Die nächsten zwei bis vier Jahre gibt es bei uns kein dunkles Licht.

Holger Ahr

In der Regel dauert der Prozess von der Bestellung bis zur Fertigstellung zwischen acht und zehn Monate. Allerdings müssen sich die Kunden momentan gedulden. A&D Verpackungsmaschinenbau hat volle Auftragsbücher. Bis 2026 ist die Produktion voll ausgelastet. Erst für 2027 gibt es noch freie Kapazitäten.

„Die nächsten zwei bis vier Jahre gibt es bei uns kein dunkles Licht“, drückt es Ahr aus. „Wir geben immer weiter Vollgas.“ Deshalb plant er auch mit weiterem personellen Wachstum. „Wir gehen davon aus, dass es bald dreistellig sein wird“, sagt er. Momentan arbeiten 80 Mitarbeiter in Weißensberg.

Oliver Kohr, Teamleiter der Pharmamaschinen, testet eine der Anlagen.
Oliver Kohr, Teamleiter der Pharmamaschinen, testet eine der Anlagen. (Foto: Timo Schoch)

Auszeichnung für Innovationskraft

Nun erfolgte eine weitere „Belohnung“ für die Innovationskraft des Unternehmens. A&D Verpackungsmaschinenbau erhielt das Top-100-Siegel. Damit werden besonders innovative mittelständische Unternehmen ausgezeichnet. 388 Mittelständler bewarben sich um die Auszeichnung. 287 waren am Ende erfolgreich.

Das ist ein Preis für die viele gemeinsame Arbeit, unser Wachstum, unsere Innovationskraft und unseren Einsatz.

Holger Ahr

Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar wird den Preis am 28. Juni in Weimar den Unternehmen verleihen. Im Auftrag von compamedia, dem Ausrichter des Wettbewerbs, überprüften der Innovationsforscher Nikolaus Franke von der Wiener Wirtschaftsuniversität und sein Team die Innovationskraft aller Teilnehmer anhand von mehr als 100 Kriterien.

So zählten innovationsförderndes Top-Management, Innovationsklima, innovative Prozesse und Organisation, Außenorientierung/Open Innovation sowie Innovationserfolg als Kategorien. A&D Verpackungsmaschinenbau gehört zum ersten Mal zu den Top-Innovatoren.

Geschäftsführer: Auszeichnung belohnt Einsatz

Für Ahr und sein Team ist das natürlich eine besondere Auszeichnung und Wertschätzung. „Das ist ein Preis für die viele gemeinsame Arbeit, unser Wachstum, unsere Innovationskraft und unseren Einsatz“, sagt Ahr.

Genau deshalb hängt die Auszeichnung mit dem Top-100-Siegel auch nur ein Raum weiter zu den ausgestellten und verbildlichten Tätigkeitsfeldern des Unternehmens.