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Fasching

Narrenkleidle für den Pfarrer: Was er alles geloben muss

Weißensberg / Lesedauer: 2 min

Inn Weißensberg ziehen kleine und große Hemedglonker zum Pfarrhof. Dort muss Pfarrer Anton Latawiec seinen Amtseid erneuern - und allerhand geloben. Was er dafür bekommt.
Veröffentlicht:09.02.2024, 10:23

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Es ist schon seit rund zehn Jahren fester Bestandteil der Weißensberger Fasnet und gleichzeitig auch Auftakt zum Fasnetsfinale im Dorf: Mitglieder der Narrenzunft Weißensberger Weihergeister und anderes närrisches Volk sammeln sich am Gumpigen Donnerstag abends vor der Festhalle, um gemeinsam zum Pfarrhaus zu ziehen und im Pfarrhof den Narrenbaum aufzustellen.

Auch in diesem Jahr waren wieder viele kleine und große Hemedglonker dabei, erkennbar an ihren weißen Nachthemden und den Schlafhauben auf dem Kopf. Begleitet von Fackelträgern in Mönchskutten und einigen Weihergeistern machten sie sich mit dem Narrenbaum im Schlepptau auf den Weg hinunter zum Pfarrhaus.

Spitalmeister Klaus Höhne (Mitte li.) und Pfarrer Anton (im Narrenkleidle/Mitte re.) posieren zum Gruppenbild mit dem Spital-Schreiber (2.v.li.) und dem Gugger vom Loch (re.)
Spitalmeister Klaus Höhne (Mitte li.) und Pfarrer Anton (im Narrenkleidle/Mitte re.) posieren zum Gruppenbild mit dem Spital-Schreiber (2.v.li.) und dem Gugger vom Loch (re.) (Foto: ust)

Dort stand schon Pfarrer Anton Latawiec bereit, um gegenüber seinem Dienstherrn Klaus Höhne, Amann und Spitalmeister des Lindauer Heilig-Geist-Spitals, den Amtseid abzuleisten und für ein weiteres Jahr als „Pfarrherr“ eingesetzt zu werden. Hintergrund dieses Brauchtumsspiels ist, dass das Dorf Weißensberg über Jahrhunderte hinweg zum Spital gehörte und sich sämtliche Bedienstete den „Hospital Lindauischen Ordnungen und Instructiones“ unterordnen mussten.

Was der Pfarrer alles geloben muss

Das gilt selbstverständlich auch für Pfarrer Anton, der vom Amann an eine Reihe von „Hospitalischen Eidespflichten“ erinnert wurde, die es zu erfüllen gilt. So musste dieser unter anderem geloben, seinen Dienst „getreu, hold, gehorsam und gewärtig auszuüben“ sowie „stets vorbildlich zu leben, keine Waffen zu tragen und keine Kirchengeräte zu verpfänden“.

Hemedglonker versuchen den Narrenbaum in die Senkrechte zu bringen.
Hemedglonker versuchen den Narrenbaum in die Senkrechte zu bringen. (Foto: ust)

Ebenso musste sich Pfarrer Anton verpflichten, „an allen Sonn- und Feiertagen die Messfeier nicht länger als anderthalb Stunden hinzuziehen“ und ebenso „die Schulpredigten weiterhin ohne körperlichen Nachdruck und den Kindern wohlgesonnen abzuhalten“.

„Narrenkleidle“ für den Pfarrer

Nach Ableisten des Eides und manchem zögerlichen „Ja“ - denn der Pflichten gab es ja viele - durfte Pfarrer Anton schließlich den Kirchenschlüssel für St. Markus vom Spitalmeister entgegennehmen. Dazu erhielt er noch, wie es der Brauch vorsieht, einen Krug Wein von der Zunftmeisterin (Yvonne Grübel), einen frischen Fisch vom Weihermeister sowie Eier samt Schmalzgebäck vom Gugger vom Loch (Anm. im „Loch“ befindet sich das heutige Rothkreuz). Zum Abschluss der Zeremonie wurde dem Pfarrer vom Spital-Schreiber auch noch das „Narrenkleidle“ der Weihergeister übergestülpt.

Umzug; Begleitet von Fackelträgern zieht das Narrenvolk mit dem Narrenbaum von der bunt beleuchteten Festhalle hinunter zum Pfarrhaus.
Umzug; Begleitet von Fackelträgern zieht das Narrenvolk mit dem Narrenbaum von der bunt beleuchteten Festhalle hinunter zum Pfarrhaus. (Foto: ust)

Nachdem der Narrenbaum vor dem Pfarrhaus gestellt war und ein weiteres Mal der Narrenruf mit einem kräftigen „Weihergeist - Hu Hui“ erschallte, zog das närrische Volk gemeinsam mit Pfarrer Anton hinauf in die Festhalle, um dort gemeinsam zu feiern und auf Geheiß des Amanns „dem Trubel zu frönen“.