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Rathaussturm

Dieses Dorf hat jetzt 15 Bürgermeister

Weißensberg / Lesedauer: 3 min

Damit soll das leidige Stellvertreter-Problem in Weißensberg geklärt werden. Über den „Kern“-Punkt aller närrischen Forderungen.
Veröffentlicht:11.02.2024, 17:00

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Keine Chance haben Bürgermeister Hans Kern und die Räteschar gehabt - die Übermacht der Narren ist einfach zu groß gewesen. Denn nicht nur Geister und Monster aus dem Dorf hatten am Rußigen Freitag zu nächtlicher Stunde das Rathaus umzingelt. Auch Schönauer Hexen, Hochbucher Obsthexen aus Lindau, Fetzenhexen aus Bösenreutin und nicht zuletzt auch die Weißensberger Weihergeister waren gekommen, um den Weißensberger Narrenverein (WNV) beim Sturm aufs Rathaus zu unterstützen.

Das Kommando hatte WNV-Präsidentin Melanie Flax, welche die Narrenschar und ihre Verbündeten immer wieder aufs Neue mit lauten „Hu-Huii“-Rufen anfeuerte. Doch bevor die Räte ihres Amtes enthoben und aus dem Rathaus geworfen wurden, stellten Weihergeister und Monster den doppelköpfigen Narrenbaum auf - Symbol für den Beginn der närrischen Regierungszeit.

„Jetzt aber los, ihr Monster und Geister, auf geht’s, hinein - stürmt das Rathaus und lasst euch nicht bestechen durch Krapfen und Wein“, rief Flax dem tobenden Narrenvolk zu, während sich die Räte noch hinter den Fenstern des Sitzungssaales verschanzten. Doch der Rathausschlüssel war rasch gefunden.

Somit blieb Bürgermeister und Räten nur noch der Fluchtweg durchs Fenster über eine Rutsche ins Freie. Aber dort wartete bereits die übermächtige Narrenschar auf die Flüchtigen. Und so wurden die einer nach dem andern durch die Röhre ins Netz geschoben und sicherheitshalber erst mal gefangen gehalten.

„Kern“-Punkt aller Forderungen

Nun war es an der Zeit, die Absetzungserklärung zu verlesen. Darin verwies die Narrenpräsidentin zunächst auf den eigentlichen Grund, warum der Gemeinderat seine Sitzungen fortan lieber in der Festhalle abhalten möchte. Neben Beamer, Leinwand und WLAN seien vor allem die neu eingebauten Tischplatten das eigentliche Begehr, da die sich viel besser eignen, um mal wieder ordentlich auf den Tisch zu klopfen.

Die „wichtigste Sache“ jedoch sei der Zugang zur Küche, wo sich Räte und Rätinnen ordentlich mit Getränken und Essen versorgen können. Entsprechend regte Flax „eine Sitzung an, mit Büfett für die Bürger auf dem Speiseplan“.

„Kern“-Punkt aller Forderungen sei jedoch „ein Festplatz in der Dorfmitte“, den sich nicht nur Vereine und Feuerwehr wünschten, so die Narrenpräsidentin weiter. Dass ein solcher bislang nicht gebaut wurde, könne wohl kaum mit einem „Haushaltsloch“ begründet werden, zumal es ein solches „in Weißensberg nun wirklich nicht gibt“. Denn so kämen „auch die Senioren zu ihrem Platz, betreutes Wohnen wird geändert zu betreutem Festen, ein Klacks“.

Der achte Bürgermeister muss einspringen

Zum Schluss der Absetzungserklärung widmete sich Flax auch noch dem Problem des Bürgermeister-Stellvertreters und wie dieses ein für alle Mal gelöst werden könne. Denn Folgendes dürfe nicht noch einmal passieren: Bürgermeister Hans Kern hatte sich für den Weißensberger Fasnetsumzug („Narrensprung“) abgemeldet, weil er zum Skifahren ging. Nachdem dann beim Zunftmeisterempfang auch noch der zweite Bürgermeister (Martin Steur) wegen Krankheit ausfiel, wäre Ingrid Bartl als dritte Bürgermeisterin an der Reihe gewesen.

Doch als diese wegen eines wichtigen Geburtstages auch schon vergeben war, musste als achter Bürgermeister Jugendvertreter Markus Kaeß ran. Und weil dieser die Bürgermeister-Stellvertreter-Aufgabe „hervorragend“ gemeistert habe, so die Narrenpräsidentin, wurde ihm als Akkreditierung ein „Ansteckschildle“ mit Namen, Titel und Nummer überreicht.

Damit aber auch alle anderen Räte, insgesamt 15 an der Zahl (inklusive Bürgermeister Kern), für den Fall einer Stellvertretung gerüstet sind, erhielt jedes Ratsmitglied „ein eigenes Schildle mit der Zahl in der Regierungshierarchie“. Flax abschließend: „Denn wer weiß, vielleicht ist es irgendwann einmal so weit, und der 13. in der Räterunde steht vorn an der Spitze.“