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Abschied

In Wasserburg beerdigt: Martin Walser ruht jetzt am geliebten Bodensee

Wasserburg / Lesedauer: 3 min

Der Abschied ist begleitet von Wellenrauschen. Am Montagnachmittag wurde der Schriftsteller in Wasserburger beerdigt. Ganz nah am Wasser, das er so sehr liebte.
Veröffentlicht:31.07.2023, 18:33

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Der Abschied ist begleitet vom Rauschen der Wellen. Als wollte der Bodensee der Familie und den Freunden von Martin Walser Trost spenden. Am Montagnachmittag wurde der Schriftsteller auf der Wasserburger Halbinsel beerdigt. Ganz nah am Wasser, das er so sehr liebte.

Öffentlich angekündigt war die Beisetzung nicht. Walsers Familie wollte sich im kleinen, intimen und würdigen Rahmen von Ehemann, Vater, Großvater und Urgroßvater verabschieden.

Gekommen sind mehr als hundert Menschen. Keine Prominenten, dafür einige Weggefährten aus Wasserburg. Hier wurde Martin Walser vor 96 Jahren geboren – und hier wurde er nun auf dem Friedhof St. Georg beerdigt.

In einem Grab, das nur durch die Friedhofsmauer vom Bodensee getrennt ist. Wer es besucht, schaut gleichzeitig aufs Wasser und die Berge.

Als hätte Walser selbst durch die Trauerfeier geführt

Kurz zuvor, beim Gottesdienst, fühlte es sich beinahe so an, als wäre Martin Walser mitten unter den Trauergästen, als führte er selbst durch seine Trauerfeier. Denn zwischen Gebeten, Gesang und Musikstücken zitierte Dekan Ralf Gührer immer wieder aus Werken des großen deutschen Schriftstellers, Dichters – und Ehrenbürger Wasserburgs.

Für alle fühlbar wurde dabei dessen ewige Verbundenheit zu seinem Geburtsort: „Wir glaubten, Wasserburg verlassen zu können“, zitiert Gührer aus Walsers „Hiesigen Gedichten“. „Jetzt ist alles Stoff, von Wasserburg an.“

1927 wurde Martin Walser in dem kleinen Dorf am bayerischen Bodensee geboren, zur Schule ging er in Lindau. Nach dem Studium in Tübingen und Regensburg und zehn Jahren Arbeit als Redakteur beim Süddeutschen Rundfunk in Stuttgart kehrte er zurück. Zuerst nach Friedrichshafen, woher seine Frau stammt, dann nach Nußdorf, wo er bis zum Schluss direkt am Wasser lebte.

Dekan Gührer thematisierte auch Walsers Verhältnis zur Religion, indem er ihn zitierte. „Wer sich instinktiv erhaben fühlt über das Religiöse, der weiß vielleicht nicht, was er verloren hat“, hatte der Schriftsteller einst geschrieben.

Erinnerung an das „Komplizenlächeln“ des „Großpapas“

Martin Walsers Enkelin Maria konnte nicht zur Trauerfeier an den Bodensee kommen. Ihre Erinnerungen an den Großvater und ihre Gefühle bei der Nachricht von dessen Tod beschreibt sie in einem Brief, den Dekan Gührer den Trauergästen vorlas. Im Moment, als sie vom Tod ihres „Großpapas“ erfuhr, schreibt Maria, sei sie am Meer gewesen. „Wenigstens bin ich am Wasser.“

Noch gut erinnere sie sich an das „Komplizenlächeln“ des Großvaters, das ihr als Kind geholfen habe, sich in dem großen Haus mit den vielen Büchern zurechtzufinden. Über den Bodensee habe ihr „Großpapa“ immer gesprochen wie über einen guten Freund.

Walser selbst hatte dem Bodensee, in dem er so gern schwamm, zu Lebzeiten viele Liebeserklärungen gemacht. „Ich liebe den See, weil es sich um nichts Bestimmtes handelt. Nichts Bestimmtes sein, das wäre Harmonie“, zitierte Gührer.

Nun sei Walsers Platz leer, seine Stimme verklungen — alles Stoff geworden. „Martin, zum Paradies mögen Engel dich begleiten.“ Bevor der Sarg in den Boden gelassen wurde, schloss Gührer mit einem letzten Zuruf Walsers: „Lasst doch den Schmerz! Übrigens ist die Lösung meistens das Wasser.“