StartseiteRegionalRegion LindauWasserburgEs tröpfelt in die Wasserburger Kirche: Dach muss dringend renoviert werden

Plastikplanen fangen Regen auf

Es tröpfelt in die Wasserburger Kirche: Dach muss dringend renoviert werden

Wasserburg / Lesedauer: 5 min

Für die Friedhofsmauer könnte das Geld dann allerdings knapp werden. Wie das zuständige Bistum reagiert.
Veröffentlicht:15.11.2023, 12:00

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Der Wasserburger Pfarrer Ralf Gührer ist erleichtert: Endlich geht es mit der Sanierung der Friedhofsmauer voran. Nach langem Hin und Her hat er auch den Bescheid der Diözese bekommen, dass es ein neues Kirchendach geben wird. Doch schon jetzt steht fest: Ist die Mauer fertig, hat die Kirchenstiftung kein Geld mehr für das Kirchendach.

Eine Hommage an den 2020 verstorbenen Christo, der mit seinen spektakulären Verhüllungsprojekten weltweit für Aufsehen gesorgt hat? Fast könnte man auf dem Dachboden der Kirche in Wasserburg diesen Eindruck gewinnen: Sechs riesige Planen sind unterhalb des Dachstuhls aufgehängt. Doch an den Künstler Christo hat dabei wohl niemand gedacht.

Vielmehr sind die riesigen Plastikplanen schiere Notwendigkeit: Mit ihrer Hilfe fängt die Kirchenstiftung Wasser, das bei Regen oder Gewitter durch das Dach eindringt, in Wannen auf. So wird verhindert, dass weitere Schäden an der Kirchendecke angerichtet werden. Zuletzt war aufgrund von Wasserschäden 2021 ein Teil eines Deckengemäldes in den Kirchenraum gestürzt. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. In der Folge wurde ein großes Sicherungsnetz eingezogen, damit die Kirche überhaupt geöffnet sein kann und dort Gottesdienste gefeiert werden können.

Kein Unterdach für die Kirche

Zehn Jahre ist es her, dass das Wasserburger Kirchendach umgedeckt wurde. Die Kirchenstiftung hatte sich für ein Unterdach ausgesprochen. Die Diözese habe aber darauf verwiesen, dass man ohne Unterdach sonst gute Erfahrungen gemacht habe, so Gührer. Zudem hätte eine andere Konstruktion nicht den aktuellen DiN-Normen entsprochen. Deshalb wurde auf ein Unterdach verzichtet.

Noch im Juni hatte der Pfarrer der Diözese eine „Verzögerungstaktik“ vorgeworfen ‐ auch, was die marode Friedhofsmauer in Wasserburg anbelangt. „Wir müssen dringend etwas tun, dürfen es aber nicht.“ Die Pressestelle des Bistums Augsburg entschuldigte dich damals, man wollte die örtlichen Kirchenstiftungen nicht hängenlassen.

Den Vorwurf der Verzögerungstaktik wiederholt der Geistliche jetzt nicht mehr. Das Unwetter von Benediktbeuren im August, bei dem ein Hagelsturm das historische Kloster schwer beschädigt hatte, hat nach den Angaben der Projektleiterin der Diözese zu einem Umdenken geführt. Was vereinfacht bedeutet: Weil die Wetterextreme künftig zu- und nicht abnehmen werden, ist seither die Einsicht da, dass lose Dachziegel nicht mehr ausreichen. Wie geht es in Wasserburg weiter?

Beim der Mauer geht es voran

Nach Absprache mit dem zuständigen Kirchenpfleger und dem Verwaltungsleiter seien die beiden Maßnahmen in priorisiert worden. „Demnach wird jetzt erst mal die Mauer angegangen und im Anschluss daran die Pfarrkirche“, schreibt Nicolas Schnall, Pressestelle Bistum Augsburg.

Beim Projekt „Seeufermauer“ laufe das sogenannte Vorprojekt. „Das heißt die erforderlichen Planer wurden beauftragt; es ist davon auszugehen, dass im Frühjahr 2024 erste Ergebnisse (unter anderem auch die Kostenschätzung) vorliegen werden“. Konkrete Zahlen gibt es keine.

Maßnahmen für eine Sanierung ab 10.000 Euro müssen von der Diözese genehmigt werden. Ab 100.000 Euro muss die Kirchenstiftung das Projekt an das Bistum übergeben ‐ das Bistum ist dann in der Haftung für das Projekt. „Das ist also grundsätzlich etwas Positives“, stellt Pfarrer Gührer fest.

Der Geistliche bedauert, dass es noch keinen konkreten Zeitplan für die Sanierung der Mauer gibt. Für die Sanierung sei die Niedrigwasserzeit die beste, also die Monate Dezember und Januar, verdeutlicht Gührer. Aber einfach loslegen können die Wasserburger nicht.

Geld geht aus

„Wir müssen uns penibel an die Fristen und Ausschreibungen halten. Da braucht man einen irrsinnigen Atem“, sagt der Pfarrer. „Viele Freiwillige vom vergangenen Jahr würden sofort wieder die Aktion wiederholen, wenn man sie braucht. Der Bewuchs ist auch dementsprechend groß, dass es das wohl auch brauchen wird. Und Treibholz ist auch da…“

Beim Kirchendach steht die Kirchenstiftung offenbar bis auf Weiteres im Regen ‐ auch, weil sie nach der Sanierung der Friedhofsmauer kein Geld mehr hat. Weil das Dach unter Beteiligung von Spendengeldern vor wenigen Jahren hergerichtet wurde, hat der Pfarrer moralische Bedenken, erneut zu Spenden aufzurufen. „Ich hoffe auf Einsicht seitens der kirchlichen Behörden. Es wäre wünschenswert, dass die Kirchenstiftung nichts zahlen muss, zumal wir seinerzeit eindringlich auf ein Unterdach hingewiesen haben.“


Workshop geplant

Im November wird es eine gemeinsame Sitzung beziehungsweise einen Workshop für alle Gremienmitglieder der katholischen Pfarreien Lindaus und Wasserburg geben, bei dem die Beteiligten gemeinsam in die Zukunft schauen wollen. Im Dezember gibt es dann eine Befragung: Wozu braucht es Kirche?, Was ist ihr Auftrag?, Wie kann sie Gesellschaft mitgestalten?, lauten Fragestellungen.