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Verpächter atmen auf: Metzgerei-Nachfolge auf letzten Drücker gesichert

Region / Lesedauer: 4 min

Ein Nachfolger für die Metzgerei Forster in der Wasserburger Ortsmitte ist gefunden. Der neue Pächter kommt aus Ravensburg. Der Termin für die Neueröffnung steht schon fest.
Veröffentlicht:04.02.2024, 05:00

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Lange Zeit haben die Wasserburger zittern müssen, ob sie in der Ortsmitte die Metzgerei verlieren. Nun herrscht Gewissheit: Es gibt einen Nachfolger für die Metzgerei Forster, die in den nächsten Tagen aufhören wird.

Monatelang hing das Schild an der Fassade: „Ladengeschäft zu verpachten“. Dann war der Hinweis weg. Doch die Aktion blieb nicht unbemerkt. Bereits am nächsten Morgen seien sie darauf angesprochen worden, sagt Sabine Merkle, die Besitzerin des Gebäudes. „Das zeigt, wie wichtig den Wasserburgern die Metzgerei ist.“

Verpächter-Familie freut sich

Gerade deshalb ist die Verpächter-Familie froh, endlich eine Lösung gefunden zu haben. „Wir sind sehr erleichtert. Uns fallen Hinkelsteine ab. Es war fünf vor zwölf“, sagt Merkle. Denn die Zeit drängte.

Der Pachtvertrag mit der Metzgerei Forster läuft Ende Februar aus. Bereits am 7. Februar wird die Tettnanger Metzgerei die Filiale schließen. Ein Nachfolger war lange Zeit nicht in Sicht, bis nun mit der Ravensburger Metzgerei Wellhäuser doch noch auf den letzten Drücker jemand gefunden wurde.

Bereits im September des vergangenen Jahres stellte sich auf Nachfrage der „Lindauer Zeitung“ heraus, dass die Metzgerei Forster aufhören wird. Dann begann eine lange Suche nach einem Nachfolger für die Familie Merkle. Und das stellte sich als extrem schwer heraus.

Fachkräftemangel belastet Branche

Unter anderem wegen Fachkräftemangels und gestiegenen Produktionskosten winkten viele Metzgereien ab. Sie wollten ihren laufenden Betrieb erst einmal sicherstellen und nicht noch erweitern.

„Irgendwann haben wir in alle Richtungen Ausschau gehalten, sogar über die Grenzen hinweg“, sagt Merkle. Doch auch im angrenzenden Ausland dasselbe Bild: Eine Metzgerei wollte nicht einziehen. Zwei Eisdielen meldeten jedoch Interesse an. Doch die Priorität lag bei den Merkles auf einer Metzgerei - schließlich ist das Erdgeschoss des Gebäudes dafür ausgelegt, umgebaut und eingerichtet.

Anfang des Jahres der Durchbruch

Anfang des Jahres wurden die Merkles dann optimistischer. Ein Familienbetrieb aus Ravensburg hatte Interesse angemeldet. Und das war der Glücksgriff. „Sie haben sich vor Ort umgeschaut und als sie da waren, waren sie sehr zufrieden“, sagt Merkle. Der Rest war dann Formsache.

Für Wasserburg ist das eine tolle Lösung.

Birgit Forster

Für die Metzgereifamilie mit Sabine Merkle und den beiden ehemaligen Metzgermeistern Anton und Georg Merkle hofften inständig, dass in dem Gebäude, in dem seit 100 Jahren eine Metzgerei war, wieder ein Metzger einziehen würde und die Tradition des Hauses weitergeführt wird. „Wir freuen uns deshalb sehr auf die Neueröffnung“, sagt Sabine Merkle.

Neueröffnung Mitte März

Nun pachtet die Metzgerei Wellhäuser ab 15. März die Metzgerei in Wasserburg. Die Eröffnung ist am Montag, 18. März, geplant. Angeboten werden Fleisch- und Wurstwaren, Fertiggerichte, Konserven, Mittagstisch und Getränke. Außerdem gibt es einen Partyservice.

Ravensburg

Metzgerei Wellhäuser hat sechs Standorte

Die Ravensburger Metzgerei Wellhäuser ist ein Familienunternehmen in der vierten Generation. Das Fleisch stamme aus der eigenen Schlachtung und von kontrollierten landwirtschaftlichen Betrieben mit artgerechter Haltung aus der Region Oberschwaben, Allgäu und Bodensee, teilt Geschäftsführer Nils Wellmann mit. „Wir haben Standorte rund um Ravensburg bis an den Bodensee“, sagt Wellhäuser. „Vier Standorte sind in Ravensburg und zwei im Bodenseekreis mit Eriskirch und Wasserburg.“

Für die Wellhäusers habe der Standort am Bodensee, die Gemeinde Wasserburg mit Lage in der Dorfmitte, die neue Ladenausstattung und die freundliche Art und Weise der Familie Merkle gesprochen, sagt Geschäftsführer Nils Wellhäuser.

Für Wasserburg schließt andere Filiale

Im Zuge der Übernahme in Wasserburg wird die Metzgerei Wellhäuser ihre Filiale in Langenargen schließen. Der Personalmangel speziell in der dortigen Filiale und die Nähe zur Filiale in Eriskirch hätten den Ausschlag dafür gegeben, Langenargen aufzugeben.

Der Umzug sollte relativ einfach vonstattengehen, erklärt Wellhäuser. Viele Geräte und Maschinen aus der Filiale in Langenargen kämen mit nach Wasserburg und zudem sei die Filiale in Wasserburg sehr gut ausgestattet. „Daher werden außer der Werbeanlagen auch keine Umbauten stattfinden“, sagt Wellhäuser. Vom bisherigen Pächter würden zudem Verkäuferinnen und Reinigungskräfte mit übernommen.

Auch der bisherige Pächter, die Metzgerei Forster mit Inhaberin Birgit Forster, freut sich über die Nachfolge. „Für Wasserburg ist das eine tolle Lösung. Es ist gut, wenn alle zufrieden sind.“

Bis zum 3. Februar hätte die Metzgerei Forster noch regulär geöffnet, am 6. und 7. Februar gäbe es einen Ausverkauf der verbliebenen Produkte - mit einem 50-prozentigen Rabatt. Der eigentliche Vertrag mit der Verpächterfamilie Merkle ende zum 29. Februar.

Rund zehn Jahre in Wasserburg

„Wir waren nun zehn Jahre in Wasserburg und haben uns immer sehr wohl im Ort gefühlt“, sagt Forster. Mit viel Herzblut sei die Filiale aufgebaut worden und auch von den Menschen gut angenommen worden. „Es ist deshalb wie so oft: Es gibt ein weinendes und ein lachendes Auge“, sagt Forster.

Wir haben das Glück, einen starken Bewerberzuwachs in den letzten Monaten zu spüren.

Nils Wellhäuser

Den Entschluss, die Wasserburger Filiale zu schließen, hätten sie sich nicht leicht gemacht, sagte Forster einmal der „Lindauer Zeitung“. „Wir haben lange und gründlich überlegt.“ Aber als Chefin hätte sie eine Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeitern. Und der Fachkräftemangel in der Branche treffe sie hart. „Um unsere Qualität aufrecht halten zu können, müssen wir kleiner werden“, bedauert Forster.

Bisheriger Pächter konzentriert sich auf Tettnang in Jettenhausen

So konzentriert sich die Metzgerei Forster künftig auf die Zentrale in Tettnang und die Filiale in Jettenhausen. Dazu werde es ein Frischemobil und einen Lieferservice geben.

Sind diese Grundprobleme - Fachkräftemangel und hohe Energiekosten - nicht auch beim neuen Pächter, der Metzgerei Wellhäuser ähnlich? „Wir haben das Glück, einen starken Bewerberzuwachs in den letzten Monaten zu spüren“, sagt Geschäftsführer Nils Wellhäuser. „So haben wir auch Bewerbungen aus der Region um Wasserburg erhalten und konnten daher schnell zusagen.“