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Angefangen in einer Garage: Feil’s Posthorn ist Institution in Nonnenhorn

Nonnenhorn / Lesedauer: 7 min

Vor 40 Jahren begann die Ära. Inzwischen gibt es dort mehr als Zeitungen, Zigaretten, Getränken und Süßigkeiten zu kaufen. Warum der Laden so besonders ist.
Veröffentlicht:28.11.2023, 12:00

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Feil’s Posthorn ist eine Institution. Seit 40 Jahren gibt es den Laden, der Kiosk, Schreibwarengeschäft, Post, Lotto, Reinigung und Wäscherei in sich vereint, im Herzen Nonnenhorns schon und ist aus dem Dorfleben nicht wegzudenken. Warum das so ist und was seinen Erfolg ausmacht.

In Feil`s Posthorn geht es nicht immer zu wie in einem Taubenschlag. Doch an diesem Nachmittag betritt ein Kunde nach dem anderen den Laden, um sich mit Zeitungen, Illustrierten, Tabakwaren, Grußkarten oder einem Lotterieschein auszustatten.

Weihnachten macht sich bemerkbar

„Vorhin war’s noch ganz ruhig. Da war’s schon fast langweilig“, sagt Karin Feil lachend und zuckt entschuldigend die Schultern, bevor sie von der Ladenkasse zum Postschalter wechselt, um einem Mann drei Päckchen abzunehmen. „Man merkt halt schon, dass es auf Weihnachten zugeht“, meint sie gutgelaunt und berät den Mann, wie er seine Postsachen am besten verschicken kann.

Kaum hat sie die Päckchen nach hinten getragen, kommt eine Frau herein und fragt nach ihrer Wäsche. Und einen Packen Klarsichthüllen, „die besseren“, will sie auch gleich mitnehmen. „Wenn du mehr brauchst, bestell ich sie dir“, bietet Karin Feil an und legt die Hüllen in den Wäschekorb.

Karin Feil kämpft gegen Vorurteile

Weil die in der guten Qualität teuer sind, habe sie nur eine begrenzte Anzahl vorrätig, erklärt sie der Kundin, die zustimmend nickt. Qualität will eben bezahlt sein. Dennoch sei es nicht so, dass bei „den kleinen“ alles teurer sei als bei „den großen“.

Hier kommen die Leute rein und wollen was Bestimmtes. Bummeln tut man woanders.

Katrin Feil

Kaum ist die Kundin gegangen, kommt die nächste rein. In der Hand eine Rolle Geschenkpapier. „Hast du schon gesehen? Die Geschenkbändel sind grad im Angebot“, macht Karin Feil die Nonnenhornerin mit ihrem charmanten schwäbischen Dialekt aufmerksam.

Kunden suchen meist etwas Bestimmtes

„Plastik oder Stoff?“ „Beides“, sagt sie und führt die Kundin zu den bunten Bändeln. Es dauert nicht lange und sie kommt mit fünf Rollen zurück an die Kasse. „Da muss man doch zuschlagen.“

„Hier kommen die Leute rein und wollen was Bestimmtes. Bummeln tut man woanders“, beschreibt Karin Feil das Kaufverhalten der Kunden, aus dem wiederum ihre zugehende Art resultiert. Dabei gibt´s in Feils’ Posthorn durchaus einiges zu entdecken.

Vor 40 Jahren durfte man noch in den Innenräumen rauchen

Angefangen hat alles vor 40 Jahren. Nämlich mit einem Kiosk, den Karin Feil zusammen mit ihrem damaligen Mann in einer Art Garage beim Stedi betrieben hat. „Das war alles ganz primitiv“, meint sie rückblickend und erzählt, dass sie damals mit ein paar wenigen Zeitungen, Zigaretten, Getränken, Süßigkeiten und in der Saison Sonnenhüte und Sandelspielzeug eben das typische Kiosk-Sortiment feilgeboten haben.

Allerdings schenkten sie auch Getränke aus zu einer Zeit als noch das Rauchen in Innenräumen erlaubt war. „Es war eine richtige Räucherhöhle“, erinnert sie sich lachend.

Vor 15 Jahren wird aus dem Ständle das Hörnle

Als der damalige Bürgermeister dem Ehepaar nach rund 15 Jahren antrug, die Post in der Seehalde zu übernehmen, mussten sie nicht lange überlegen. Da im gleichen Gebäude auch die Metzgerei schloss, übernahmen die Feils das größere Ladengeschäft und integrierten darin die Post.

Es war 1999, als aus dem „Nietenständle“ das „Posthörnle“ wurde. Abgesehen davon, dass sie ihr bisheriges Sortiment um noch mehr Zeitungen und Illustrierte, Servietten, Karten und Geschenkpapier erweiterten, kamen auch noch Fotosachen und Schreibwaren hinzu. „Da, wo heute die Batterien stehen, war früher alles voll mit Filmen“, sagt Karin Feil und zeigt auf das kleine Regal hinter sich.

Digitaler Wandel macht es schwerer

„Mit den Handys ist das weggebrochen“, bedauert sie. Ein paar Packungen selbstklebende Fotoecken an dieser Stelle zeugen zwar von einem gewissen Retro-Trend, zurückdrehen lässt sich der digitale Wandel jedoch nicht.

„So ändern sich die Zeiten und für uns wird’s immer schwerer.“ Schwerer? „Früher konnte man noch einen einzigen Kulli bestellen, heute müssen’s zwölf sein“, erklärt Karin Feil und sagt, dass dies der Grund sei, dass nach und nach immer mehr Teile ihres Sortiments wegbrächen.

Auch der Kauf von Schulsachen hat sich geändert

Denn ein oder zwei von irgendetwas verkaufe sich gut, der Rest laufe Gefahr zum Ladenhüter zu werden. Im Laufe der Jahre geändert hat sich noch einiges mehr. Etwa, dass die Kinder seit Corona für die Schule so gut wie keine Schulsachen mehr bräuchten.

Oder, dass sie heutzutage für das Wechselgeld, das sie sich von der Bank hole, bezahlen müsse. Ebenso für jede Einzahlung. „Bis wir Geld verdienen braucht’s lang.“

Zeitungen und Zigaretten sollen Kunden anlocken

Geld verdiene sie mit ihrer Standardware, die Zeitungen und Zigaretten hätten nur den Zweck, die Kunden in den Laden zu bringen. Der ein oder andere nehme dann vielleicht noch was anderes mit.

Kleine Einkünfte brächten sowohl die Wäscherei als auch die Reinigung. Insgesamt also „läppert’s sich“. „Aber ohne die Post würde es den Laden gar nicht mehr geben.“

Der Laden soll erhalten bleiben

Hier verdiene sie jedoch nur, wenn sie den Scanner in die Hand nehme. Daher sei der Trend bei den Jungen, sich die Briefmarken zuhause auszudrucken und das Päckchen dann nur noch abzugeben ebenso geschäftsschädigend wie jedes Zeitungsabo und natürlich jeder Onlinekauf.

„Es geht mir nicht um mich, sondern darum, dass der Laden erhalten bleibt.“ Denn dass in Nonnenhorn in der heutigen Zeit noch mit Apotheke, Bank, Arzt, Post, Gasthof und Lebensmittelgeschäft alles da ist, was die Dorfbewohner und Touristen für den täglichen Bedarf brauchen, ist nicht mehr selbstverständlich.

Deutsche Post kündigte abrupt

Und auch das Posthorn stand in seiner gut 25-jährigen Geschichte schon mal auf der Kippe. Damals hatte die Deutsche Post Karin Feil von heute auf morgen gekündigt. Grund war, dass Postagenturen erst verpflichtend sind bei einer Einwohnerzahl von über 2000. Und diese Marke erreicht Nonnenhorn gerade so.

Die Kinder kommen zum ersten Mal rein, wenn sie im Kinderwagen liegen und man begleitet sie dann bis ins Erwachsenenalter.

Katrin Feil

Trotzdem haben jede Menge Unterschriften, die Intervention von Bürgermeister und Gemeinderat sowie die Fürsprache vom damaligen Bundesminister Gerd Müller bewirkt, dass Karin Feil weiter machen durfte. Heute ist die Postagentur im Posthörnle diejenige im ganzen Umkreis, die es am längsten gibt.

Es menschelt im Posthorn

Doch abgesehen davon. Wie kommt es wirklich und gerade angesichts des allgemeinen Ladensterbens, dass es Feil’s Posthorn auch nach 40 Jahren immer noch gibt? Etwa, weil’s im Posthorn nicht nur ums Geschäft geht, sondern vor allem menschelt? Karin Feil lacht.

Inzwischen hat sie unzählige Päckchen und Briefe angenommen, Briefmarken verkauft, Tipps gegeben, beim Ausfüllen von Unterlagen geholfen, für jeden ein nettes Wort gehabt und Kinder gefragt, ob sie mit ihrer Mama abgesprochen hätten, dass sie ihr Taschengeld für die gefragten Sammelbilchen, den ein oder anderen rosafarbenen Pilz, die süßen Schaumgummimäuse oder die sauren Kaugummis aus den Schüttkästen auf der Ladentheke ausgeben dürfen.

Katrin Feil kennt die Menschen von Klein auf

„Das ist das Nette an dem Laden“, freut sie sich. „Die Kinder kommen zum ersten Mal rein, wenn sie im Kinderwagen liegen und man begleitet sie dann bis ins Erwachsenenalter.“ Kein Wunder also, dass Karin Feil mit fast allen per du ist.

Und das, obwohl sie gar nicht aus Nonnenhorn stammt. Bis die gelernte Einzelhandelskauffrau über Neckarsulm, wo sie vor 62 Jahren geboren wurde, über Stuttgart, Ulm und Esseratsweiler hierher, nach Nonnenhorn kam, hatte sie das kleine Weindorf am See nicht einmal gekannt.

Eine zugezogene Nonnenhornerin

„Heute ist Nonnenhorn mein Lebensmittelpunkt, meine Heimat“, sagt sie und wer sie kennt, weiß, dass sie mit den Adventsfenstern, dem Weihnachtsmarkt und Osterbrunnen Dinge in die Gemeinde gebracht hat, die das Dorfleben bis heute prägen.

Von einem Ur-Nonnenhorner habe sie das größte Kompliment bekommen, als der sagte: „Du woisch scho, dass du die einzige Nonnenhornerin bisch, die net von Nonnenhorn isch.“