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Zu den Hügeln abgetaucht

Lindau / Lesedauer: 3 min

Zum siebten Mal sind Taucharchäologen vor Lindau und auch vor Wasserburg im See abgetaucht. Dieses Mal hatten sie die Hügel vor Reutenen und Bad Schachen im Visier.
Veröffentlicht:26.10.2023, 16:52

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Zum siebten Mal sind Taucharchäologen vor Lindau und auch vor Wasserburg im See abgetaucht. Dieses Mal hatten sie die Hügel vor Reutenen und Bad Schachen im Visier. Was es damit auf sich hatte, ist beim öffentlichen Werkstattbericht zu erfahren, den die Taucharchäologen gemeinsam mit dem Heimatkundlichen Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau und dem Historischen Verein Lindau am Freitag, 3. November, 18 Uhr, in St. Josef in Lindau veranstalten. Dies teilt das Landratsamt mit.

Ihre Leidenschaft ist die Unterwasserarchäologie, dafür arbeiten sie stundenlang bei einer Wassertemperatur von 13 Grad Celsius und weniger. Dabei geht es ihnen nicht so sehr darum, spannende Einzelfunde zu machen ‐ „auch wenn die mitunter toll sind“, sagt Forschungstaucher Tobias Pflederer, sondern eher darum, die „Geschichte dahinter“ zu entschlüsseln. Er und seine Kollegen haben auch den ältesten Einbaum Bayerns aus dem zwölften Jahrhundert vor Christus sowie eine Schädelkalotte aus dem zehnten bis neunten Jahrhundert vor Christus vor Wasserburg geborgen und waren nun im siebten Jahr in Folge vor Ort. Ehrenamtlich und in ihrer Freizeit, mit der eigenen Ausrüstung.

Im Zentrum ihrer Untersuchungen stehen seit drei Jahren die Unterwasserhügel vor dem bayerischen Bodenseeufer, diesmal vor Reutenen und Bad Schachen. Die in Absprache mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege gestellte Aufgabe: Die unterwasserarchäologische Untersuchung und Dokumentation der Hügel, von denen zwischen Wasserburg und Lindau mindestens 25 Exemplare bekannt sind. Mehr als 200 solcher Steinschüttungen wurden bei einer Untersuchung des Instituts für Seenforschung 2015 am Bodensee dokumentiert ‐ zuvor waren die Hügel, die sich teils wie auf einer Perlenschnur aneinanderreihen, unbekannt.

Die meisten gibt es in der Schweiz zwischen Romanshorn und Altnau, wo die Medien den Begriff „Stonehenge am Bodensee“ geprägt haben. Die Hügel sind nach Angaben von Martin Wessels vom Institut für Seenforschung ein bis zwei Meter hoch, am bayerischen Seeufer wohl nur 20 Zentimeter, es handle sich „also eher um Fladen als um Hügel“. „Die schweizerischen ,Hügeli‘ des Bodensees sind heute 200 bis 300 Meter vom Ufer entfernt auf einer Höhe der Hügelkuppen zwischen 390,8 und 392,7 Metern über Normalnull. „Die Exemplare vor dem bayerischen Bodenseeufer weisen ähnliche Höhenniveaus wie die schweizerischen Hügelkuppen auf, wirken aber ‐ bis auf wenige Einzelstücke ‐ kleiner und flacher“, sagt Pflederer. „Nimmt man einen bislang minimalen Wasserpegel des Bodensees von 393 Metern über Normalnull an, so dürften sich die Steinschüttungen zu jeder Zeit unter Wasser oder (bei saisonalen Schwankungen) allenfalls knapp oberhalb der Wasserlinie befunden haben.“

Die Archäologen gehen davon aus, dass die Hügel menschengemacht sind. Ihre Funktion ist aber weiter ein Rätsel. Die Ideen zur Interpretation reichen von kalendarischen und astronomischen Anlagen, von Ankerplätzen und Bereichen des Totenkults bis hin zu Siedlungsplätzen oder Funktionen beim Fischfang. Sollten sich die Steinhügel als gleichzeitig errichtet herausstellen, wäre der Arbeitsaufwand immens gewesen.

Die Forschungstaucher um Pflederer von der Bayerischen Gesellschaft für Unterwasserarchäologie stellen am 3. November in Lindau ein Ergebnisse dieses und der beiden vergangenen Jahre einem breiten Publikum vor. Dabei informieren die Fachleute eingangs und in Kürze auch über den vor einigen Jahren geborgenen Einbaum und über die Schädelkalotte aus der Bronzezeit.


Von Nachlässen bis hin zu mehr als 5000 heimatkundlichen und geschichtlichen Büchern und Zeitschriften: Das Heimatkundliche Dokumentationszentrum des Landkreises Lindau in Weiler im Allgäu bewahrt Schätze der historischen und heimatkundlichen Forschung. Wer Interesse an Heimatgeschichte hat oder Möglichkeiten zum Recherchieren sucht, ist dort willkommen und kann per Mail ([email protected]) einen Termin vereinbaren oder den kostenlosen Newsletter abonnieren. Damit informiert das Heimatkundliche Dokumentationszentrum künftig über Interessantes und Neuerwerbungen.