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Tag des Ehrenamts

Warum „Handball-Mama“ Dagmar Brombeis für ihren Verein ein Volltreffer ist

Lindau / Lesedauer: 6 min

Sie sagt von sich selbst, dass sie „komplett handballbekloppt“ ist. Eigentlich wollte sie nur drei Monate bleiben - es wurden 30 Jahre. Ein Glück für den TSV Lindau.
Veröffentlicht:05.12.2023, 05:00

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Sie hält ihrer Mannschaft den Rücken frei. Im Tor, aber auch abseits des Spielfelds. Sie tüftelt an Spielplan und Trainingszeiten, organisiert an Heimspieltagen die Verpflegung, ist als Trainerin zur Stelle, verteilt Pflaster und Zuspruch: Dagmar Brombeis ist die Handball-Mama des TSV Lindau.

In der Dreifachhalle ist ein Parcours aufgebaut. Hier sind die Kleinsten am Ball. Als Dagmar Brombeis in die Halle kommt, rennt ein kleiner Junge auf sie zu und ruft „Hallo Dagmar“. Er strahlt, der Ball ist jetzt erst mal Nebensache.

Beim TSV weiß jeder: Dagmar Brombeis und Handball gehören zusammen. „Ich bin komplett handballbekloppt“, sagt sie und kann das rheinische Mundwerk nicht verhehlen. „Die Kombination aus Kampf, Leidenschaft und Gemeinschaft“ hat es ihr angetan. Ob in der Halle oder vor dem Fernseher: Anfeuern ist für die 53-Jährige Pflicht.

Aus drei Monaten werden 30 Jahre

In der Nähe von Düsseldorf aufgewachsen, spielt sie schon als Kind Handball. Immer im Tor. Als sie als junge Hotelfachfrau nach Lindau kommt, um dort drei Monate zu arbeiten, geht sie zum TSV Lindau. Dort läuft ihr beim zweiten Training ein Mann über den Weg: ein Vollblut-Handballer wie sie. „Da war es schnell klar, wir sind Topf und Deckel.“ Und aus den drei Monaten wurden mittlerweile 30 Jahre.

Für den TSV Lindau ist Dagmar Brombeis ein Volltreffer. Denn sie gehört nicht zu denen, die sich wegducken, wenn Ämter und Aufgaben verteilt werden. Sie ist eine, die gern anpackt. Und eine, „die nicht nein sagen kann“, wie sie lachend einräumt. Eine mittlerweile seltene, für Vereine aber lebenswichtige Spezies.

Dominik Moll, Vorsitzender des TSV Lindau, weiß genau, was er an ihr hat. „Mit solchen Menschen steht ein Verein“, sagt er. Brombeis sei nicht nur in der Organisation „saustark“, sie habe auch ein „offenes Ohr“ für alle. Egal, mit welchen Sorgen die Kids zu ihr kämen, sie versuche zu helfen.

Es war klar, die Kids wachsen in der Halle auf.

Dagmar Brombeis

Brombeis hütet jahrelang das Tor der Lindauer. Als sie dann in kurzen Abständen drei Kinder bekommt, ist das für sie kein Grund, ihr ehrenamtliches Engagement zu beenden. „Es war klar, die Kids wachsen in der Halle auf“, sagt sie.

Die fühlen sich da offensichtlich sehr wohl, denn, wie sich schnell zeigt, ihre Eltern haben ihnen das Handball-Gen vererbt. Und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie selbst für die Grün-Weißen auf Torjagd gehen.

Damit der Spielbetrieb läuft

Matthias, inzwischen 21 Jahre alt, ist so gut, dass er als Teenager nach Bregenz wechselt und inzwischen in der österreichischen Bundesliga spielt. Der 19-jährige Johannes spielt bei den Herren des TSV Lindau, gemeinsam mit seinem Vater, der dort das Tor hütet. Und Stefanie, 18 Jahre, spielt dort bei den Damen. Und wenn es da mal klemmt, dann stellt sich Mama Dagmar ins Tor.

Das Lindauer Publikum steht hinter ihnen – und feiert seine Handballerinnen und Handballer.
Das Lindauer Publikum steht hinter ihnen – und feiert seine Handballerinnen und Handballer. (Foto: TSV Lindau)

„Wir versuchen, dass wir uns gegenseitig zuschauen“, sagt sie. Die Sporthalle wird zum Familientreffen. Doch Dagmar Brombeis ist nicht nur Coach, Trainerin und Psychologin für ihr Familienteam. Sie ist als Sportwart für die Spielplanung der ganzen Handball-Abteilung zuständig. Sie kümmert sich um Einteilung von Trainingszeiten und Hallen, die Meldung der Mannschaft, eben „alles rund um den Spielbetrieb“.

Gemeinschaft und Zusammenhalt

Eine große Herausforderung sei es, die Heimspieltage so zu gestalten, dass auch Mama und Papa, Oma und Opa und Tante und Onkel in die Dreifachhalle kommen. Hier packen alle mit an, allen voran das extra geschaffene Verkaufsteam, aber auch die Eltern. „Wir sind eine tolle Gemeinschaft“, sagt Brombeis.

Der starke Zusammenhalt unter den Handballern sei schon eine Lindauer Besonderheit. Immer wieder spricht Dagmar Brombeis von der Gemeinschaft, die die Handballfamilie ausmache. Bestes Beispiel dafür seien Helmut und Erika Eibler, die beide schon auf die 90 zugehen, aber bei jedem Heimspiel dabei seien.

Arbeit wird wertgeschätzt

Das ehrenamtliche Engagement, neben ihrer Arbeit in der Gastronomie, sei manchmal schon anstrengend, räumt Brombeis ein. Aber sie bekomme auch viel zurück. „Es wird wertgeschätzt“, sagt sie. Die Leute wissen, was sie an uns haben.“

Die Dankbarkeit der Eltern und Kinder sei unbezahlbar. Handball-Mama zu sein, ist für sie eine Auszeichnung.

Die Gemeinschaft zählt: Dagmar Brombeis (Zweite von Links) mit ihrer Handballfamilie.
Die Gemeinschaft zählt: Dagmar Brombeis (Zweite von Links) mit ihrer Handballfamilie. (Foto: Yvonne Roither)

Wichtig sei, dass die Kinder mit Freude in die Halle kommen. „Wir sind vielleicht nicht der sportlich erfolgreichste Verein, aber wir haben Platz für jedes Lindauer Kind“, sagt sie. Bei den Lindauer Handballern seien nicht nur die Spielerinnen und Spieler wichtig, die 20 Tore schießen. Es brauche auch Torwart, Schiedsrichter und die, „die das Wasser reichen und Pflaster kleben“.

Schwere Zeiten kosten Kraft

In Corona-Zeiten war es schwer, die Handball-Familie zusammenzuhalten. Das habe Kraft gekostet. Und manchmal könnten es auch jetzt noch ein paar Helfer mehr sein, sagt sie. Die zusammenzutrommeln, das versteht die leidenschaftliche Handballerin als ihre Aufgabe. Denn:„Viele kleine Schultern bewegen viel.“

Hinschmeißen wollte sie noch nie. Aber sie hat sich ein persönliches Ziel gesetzt. Sie will in den nächsten fünf Jahren an die 30er-Generation übergeben.

Neue Rolle auf der Tribüne

Doch noch ist es nicht soweit. Nächstes Jahr stehe der hundertste Geburtstag der Abteilung an, da ist noch viel zu tun. Doch auch wenn Dagmar Brombeis irgendwann ihr Ehrenamt ablegt, der Handball-Familie wird sie immer treu bleiben: Sie hat ihr geholfen, sich eine zweite Heimat aufzubauen.

Ihre Rolle wird dann aber eine andere sein: „Ich sitze dann auf der Tribüne und trinke Prosecco.“