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Arbeiten am Bodensee

Cooper Standard verlagert 60 Arbeitsplätze von Lindau nach Polen

Lindau / Lesedauer: 3 min

60 Arbeitsplätze wandern nach Polen. Ansonsten enthält der neue Standortsicherungsvertrag viel Positives.
Veröffentlicht:22.06.2023, 17:00

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Die Geschäftsführung der Cooper Standard GmbH hat sich nach „langen und intensiven“ Verhandlungen mit der Gewerkschaft IGBCE und dem Betriebsrat des Werkes Lindau auf eine neue Standortsicherungsvereinbarung geeinigt. Trotzdem werden 60 Arbeitsplätze abgebaut. Was dies für die Beschäftigten in Lindau bedeutet.

Die Belegschaft wurde am Dienstag über die neuen Vereinbarungen informiert, wie es in einer Pressemitteilung des Unternehmens heißt. Cooper Standard hat in Lindau zur Zeit laut eigenen Angaben rund 475 Beschäftigte.

Das Unternehmen produziert dort Dichtungssysteme für die Automobilindustrie. Außerdem ist Lindau Sitz mehrerer Zentralabteilungen, die Produkte für das gesamte Unternehmen entwickeln und Kunden aus der globalen Automobilindustrie betreuen.

Noch vor drei Jahren lag Fokus auf Einsparungen

„Als Zulieferer in der Automobilindustrie sind wir von der Transformation dieser Branche unmittelbar betroffen“, wird Achim Hosenfeld, Geschäftsführer der Cooper Standard GmbH, in der Pressemitteilung zitiert. „Wir wollen unsere Werke sichern, und auf Dauer ist eine ausreichende Profitabilität die Grundvoraussetzung für die Sicherheit eines Standortes.“

Die neue Vereinbarung löst einen bestehenden Vertrag aus dem Jahr 2020 ab. „Damals lag der Schwerpunkt auf einem deutlichen Stellenabbau und erheblichen Einsparungen durch eine eingeschränkte Umsetzung von Tariferhöhungen“, heißt es in der Pressemitteilung.

„Die Maßnahmen der Vergangenheit haben sich gelohnt, schon in diesem Jahr konnten die Umsätze in manchen Betriebsteilen auch aufgrund Verschiebungen innerhalb des Unternehmens deutlich gesteigert werden“, wird Thomas Lutze, Werkleiter in Lindau, zitiert. Die Zusammenarbeit zwischen Betriebsrat, Gewerkschaft und Geschäftsführung sei eine Stärke des Standorts und eine wesentliche Voraussetzung, um „nachhaltig profitabel“ zu sein.

Nun seien in der Vereinbarung deutlich positivere Elemente als vor drei Jahren enthalten. So würden die Tariferhöhungsprozentsätze in der Chemie–Industrie ab 2024 wieder ungekürzt weitergegeben. „Im Januar 2023 wurde bereits der tariflich vereinbarte Inflationsausgleich in voller Höhe ausgezahlt, und auch Anfang 2024 ist dies geplant.“

Stellen wandern nach Polen

Teil der Vereinbarung ist allerdings auch die Verlagerung eines „unprofitablen Produktes“ mit etwa 60 Arbeitsplätzen nach Polen. Dies soll noch in diesem Jahr passieren. „Diese Verlagerung war erwartet worden und soll durch einvernehmliche Aufhebungsverträge umgesetzt werden“, heißt es dazu in der Pressemitteilung. „Betriebsbedingte Kündigungen sollen so weit wie möglich vermieden werden.“

Vertraglich festgehalten wurde erstmals auch eine Gewinnbeteiligung für die Jahre 2024 und 2025, über die Teile des erwirtschafteten Gewinns an die Tarifmitarbeiter ausgeschüttet werden können. Außerdem gebe es eine Investitionszusage des Unternehmens, mit dem mehrere hunderttausend Euro zusätzlich in die Produktionstechnik des Werkes investiert werden.

Die Bausteine der neuen Vereinbarung funktionieren nur im Zusammenspiel.

Kubilay Korkmaz

Darüber hinaus wurde vereinbart, dass die Zahl der Auszubildenden im Werk Lindau von derzeit 25 auf 35 erhöht wird. In Lindau werden unter anderem Mechatroniker, Industriemechaniker, Energieanlagenelektroniker und Anlagen– und Maschinenführer ausgebildet. Daneben werden auch Duale Studiengänge angeboten. Azubis werden ab sofort gesucht.

Die Vereinbarung sei wichtig für den Standort Lindau, so Kubilay Korkmaz, Vorsitzender des Betriebsrats. „Die Bausteine der neuen Vereinbarung funktionieren nur im Zusammenspiel und sind die Basis für eine nachhaltige Zukunft: nach Einschnitten in der Vergangenheit werden die Mitarbeiter jetzt finanziell entlastet, durch zusätzliche Azubis wird der Fachkräftebedarf in der Zukunft gesichert und durch weitere Investitionen ein sukzessiver Ausbau des Neugeschäfts ermöglicht.“