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„Starke Frauen“ fesseln den Blick

Lindau / Lesedauer: 3 min

Sieben Künstlerinnen zeigen in der Sybille-Mang-Gallery individuelle Sichtweisen weiblicher Kunst
Veröffentlicht:22.04.2013, 12:45

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„Malweiber“ sind sie abwertend genannt worden, die Künstlerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Mit gesellschaftlichem Ausschluss gestraft und unter riskanten finanziellen Bedingungen kämpften Frauen wie Paula Modersohn-Becker und Ida Kerkovius um Anerkennung. Mutig und entschlossen, voller Experimentierfreude und Lebenslust – so präsentieren sich auch die Künstlerinnen der Ausstellung „Starke Frauen – vor und auf der Leinwand“ in der Sybille-Mang-Gallery. Sieben Frauen zeigen dort derzeit Gemälde, Collagen und Fotokunst.

„Letztes Jahr war die Galerie mit Werken weiblicher Künstler ausgesprochen erfolgreich“, sagte Andrea Dutton-Kölbl, Galerieleiterin. Zwar sind Künstlerinnen heute nicht mehr unter dem gleichen Druck wie die „Malweiber“ der Jahrhundertwende, dennoch bestätigten alle anwesenden Künstlerinnen, dass ihr Erfolg ein Resultat starken Willens und vor allem harter Arbeit ist.

Lebenserfahrungen aus dem Atelier

Marina Sailer , geboren im weissrussischen Witebsk, bewies diese beiden Qualitäten schon während ihres Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf: „Nachts habe ich gemalt, tagsüber studiert und gearbeitet“, zitierte Dutton-Kölbl die Künstlerin. Auch Marcella Lassen, eine in der Schweiz lebende Amerikanerin, setzte sich gegen Widerstände in ihrem Umfeld durch, sich weiter der „brot- und sinnlosen Kunst“ zu widmen. „Man gibt nie auf“, war ihr knapper Ratschlag für ein erfolgreiches Bestehen in der Kunstwelt. Entstanden sind aus ihrem Kampf für die Kunst erstaunlich humoristische Werke im Stil der Pop-Art, darunter ein verfremdetes Porträt von Queen Elisabeth II. „H. M.“ (Her Majesty, Ihre königliche Majestät) zeigt zwar nicht das Gesicht der Königin, sie ist jedoch leicht an ihren Accessoires – Hut und Brosche – zu erkennen. Besonders anschaulich brachte Lucia Schautz, die jüngste der ausstellenden Künstlerinnen, ihre Überzeugung auf den Punkt. „Die Berge in der Entwicklung sind oft nur Maulwurfshügel“, bemerkte sie im Rückblick auf die schwierigen Anfangsjahre als Künstlerin. Die 1972 geborene Stuttgarterin findet nun aber zunehmend die Beachtung der Sammler: Bereits während der Vernissage in der Sybille-Mang-Gallery verkaufte sie drei ihrer Werke.

Die Münchnerin Eva Kunze, Gewinnerin des Nymphenburger Kunstpreises 2012, spielt in ihrer Serie „Verhüllt – enthüllt“ mit den Effekten verhüllter Schönheit. Silke Sautter-Walker, bekannte Tettnanger Malerin und Objektkünstlerin, beeindruckte mit ihrer farbenfrohen, abstrakten Acrylkomposition „Wasser des Lebens“. Die an der Kunstakademie Krakau ausgebildete Künstlerin Jolanta Szalanska bereichert mit ihren modifizierten Architekturfotografien die Ausstellung um die wichtige Disziplin Fotokunst.

Monique Würtz, Chefredakteurin von „Kultur am Bodensee“, führte in die Ausstellung ein und attestierte den Künstlerinnen einen „markanten, authentischen Weg mit ganz eigenen, philosophischen Positionen“. „Konsequenz, Ehrgeiz, Neugier, Mut zum Probieren“ verbinde sie alle. Die Vielfalt der weiblichen Ausdrucksweise in den unterschiedlichen Werken – die von abstrakter Kunst über Siebdruck bis hin zu meisterlich-präziser Ölmalerei reich – sei aber das Spannende.

Die Ausstellung

Unter dem Titel „Starke Frauen – vor und auf der Leinwand“ zeigt die Sybille-Mang-Gallery vom 20. April bis 31. Juli aktuelle Werke folgender Künstlerinnen: Jennifer Fitzgerald (Dublin, Irland), Eva Kunze (München), Marcella Lassen (St. Gallen, Schweiz), Marina Sailer (Düsseldorf), Silke Sautter-Walker (Tettnang), Lucia Schautz (Stuttgart), Jolanta Szalanska (Lindau). Die Galerie in der Schneeberggasse 5 in Lindau ist dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr und am Samstag von 12 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung geöffnet.