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Räumpflicht

Schnee und Glätte: Erste Bewährungsprobe für den Winterdienst

Lindau / Lesedauer: 4 min

Zu wenig oder zu spät geräumt? Alle Jahre wieder diskutiert Lindau über den Winterdienst. Die GTL sei vorbereitet ‐ Lindaus Bürger auch?
Veröffentlicht:25.11.2023, 12:00

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Es wird kälter, fürs Wochenende werden die ersten Schneefälle vorhergesagt. Dem Winterdienst steht somit die erste Bewährungsprobe bevor. Aber auch die Lindauerinnen und Lindauer sollten sich vorbereiten, um sicher unterwegs zu sein.

Im Kampf gegen Schnee und Eis sind die Mitarbeiter der Garten- und Tiefbaubetriebe (GTL) Experten. Andreas Bauer, stellvertretender Werkleiter und zuständig für den Winterdienst bei den GTL, beobachtet, dass sich die Winterarbeit in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Grund: „Das Wetter wird immer extremer und unbeständiger, die Zahl der Starkschnee- oder Glätteereignisse nimmt zu“, sagt er. Darauf müssten sie flexibel reagieren.

Eigentümer oder Nutzer eines Grundstücks sind zum Räumen und Streuen der Gehwege verpflichtet, die an ihr Grundstück angrenzen.
Eigentümer oder Nutzer eines Grundstücks sind zum Räumen und Streuen der Gehwege verpflichtet, die an ihr Grundstück angrenzen. (Foto: dpa)

Die GTL hat bereits ihre Hausaufgaben gemacht, versichert Bauer. Die Winterdienstfahrzeuge seien gewartet, die Fahrer geschult, die Streckenpläne für Straßen, Radwegenetz und Schulwege überarbeitet. Auch die Lager sind gefüllt. Insgesamt seien etwa 500 Tonnen Streusalz und 100 Tonnen Splitt vorrätig. „Dies entspricht dem Verbrauch eines durchschnittlichen Winters“, sagt Bauer.

Wer ist alles im Einsatz, wenn es rutschig wird?

Zur Winter-Flotte der GTL gehören vier Großfahrzeuge, fünf Kleintraktoren für Gehwege, Radwege, Überwege und Bushaltestellen, zwei Radlader und zwei Schneefräsen. Vier Traktoren eines Dienstleisters verstärkten den Winterdienst zusätzlich. „In Summe sind dann etwa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatz“, sagt Bauer.

Welche Straßen werden geräumt?

Die haben auch allerhand zu tun. Denn das Straßennetz, das die GTL zu räumen hat, umfasst rund 300 Kilometer. Höchste Priorität im Winterdienst haben laut Andreas Bauer stark frequentierte Straßen, besondere Gefahrenpunkte, wie gefährliche Steigungs- oder Gefällestrecken, Busstrecken und Schulwege.

Werden auch die Nebenstrecken geräumt?

Auch wenn Nebenstraßen in Lindau generell von der Räumpflicht ausgenommen seien, „werden diese bei starkem Schneefall von uns geräumt“, verspricht Bauer. Die GTL übergibt diese Aufgabe aber einem externen Dienstleister.

Ab wann und wie lang sind die Räumfahrzeuge unterwegs?

Es gibt einen ausgetüftelten Dienst- und Einsatzplan, erklärt Bauer. Die Mitarbeiter werden in verschiedene Gruppen eingeteilt, welche im wöchentlichen Rhythmus wechseln. Somit sei „eine 24-stündige Erreichbarkeit“ gewährleistet.

Der Einsatzleiter sei rund um die Uhr in Bereitschaft. Wenn es notwendig werde, versetze er die eingeteilten Mitarbeiter über ein Alarmierungssystem in den Dienst und koordiniere die Aufgaben.

Bauer stellt klar: Generell gilt die Räum- und Streupflicht von 7 bis 20 Uhr an Werktagen und von 8 bis 20 Uhr an Sonn- und Feiertagen. Der früheste Alarmierungszeitpunkt beginne für die GTL-Mitarbeiter in Lindau um 2 Uhr nachts. Wann die letzte Fahrt stattfindet, werde je nach Situation entschieden.

Wo sind besonders neuralgische Punkte in Lindau?

Neuralgische Punkte sind laut Bauer sämtliche Brücken, Motzacherweg, Max-Planck-Straße, Inselstraße (Unterführung), Schlossstraße, Steigstraße und teilweise die Kemptener und Friedrichshafener Straße.

Mit einer Schneefräse holt die Stadt Lindau (GTL) den Schnee aus den Straßen (hier im Paradiesweg in Oberreitnau).
Mit einer Schneefräse holt die Stadt Lindau (GTL) den Schnee aus den Straßen (hier im Paradiesweg in Oberreitnau). (Foto: cf)

Salz oder Splitt?

Auf den Fahrrouten verwende die GTL hauptsächlich Salz. An vereisten Flächen an Bushaltstellen oder Überwegen komme bei Bedarf auch Splitt zum Einsatz.

Wohin mit dem ganzen Schnee?

Aktuell gibt es zwei Lagerplätze. Einer ist auf dem Parkplatz der Blauwiese und einer auf dem GTL-Gelände im Bereich der Kläranlage

Was erschwert den Winterdienst?

„Die größte Herausforderung ist, dass wir uns ständig auf das sich schnell wechselnde Wetter einstellen müssen“, so Bauer. Das betreffe sowohl die Anzahl der Einsatzkräfte, den Einsatz der Fahrzeuge und Maschinen sowie die Beurteilung der verschiedenen Wetterereignisse. Eine lückenlose Räumung beispielsweise der Schulwege gelinge aber nur, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen, also auch die Lindauerinnen und Lindauer mithelfen.

Was können die Bürger tun?

Bauer erinnert daran, dass Grundstückseigentümer verpflichtet sind, Pflanzen zurückzuschneiden, die in Straßen oder in Geh- oder Radwege ragen. Damit es nicht zu Sichtbehinderungen komme, seien an Straßeneinmündungen und Straßenkreuzungen alle Pflanzen entsprechend zurückzuschneiden.

Eigentümer oder Nutzer eines Grundstücks sind zudem zum Räumen und Streuen der Gehwege, die an ihr Grundstück angrenzen, verpflichtet, betont Bauer.

Dürfen Bürger auf Gehwegen Salz streuen?

Nein. Laut Winterdienstsatzung dürften sie auf Gehwegen nur Splitt, Sand oder „andere abstumpfende Mittel“ verwenden.

Alle Jahre wieder ein Problem für den Winterdienst sind auf der Straße parkende Autos, die den Räumfahrzeugen die Durchfahrt erschweren. Dazu Bauer: „Wir bitten die Bürgerinnen und Bürger daran zu denken, dass wir Platz für unsere Räumfahrzeuge benötigen.“