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Öffentlicher Verkehr

Regionalbusse: Warum Schüler neue Fahrpläne massiv kritisieren

Lindau / Lesedauer: 4 min

Vor zwei Monaten ist das neue Nahverkehrskonzept des Landkreises gestartet. An manchen Stellen holpert es noch. Verstärkt Kritik kommt vor allem von einer Kundengruppe.
Veröffentlicht:12.02.2024, 12:00

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Neue Linien, klare Routen, und das im Stundentakt: So sind seit dem Fahrplanwechsel im Dezember die Regionalbusse im Landkreis Lindau unterwegs. Mit seinem neuen Nahverkehrskonzept will der Kreis den Menschen den Umstieg vom Auto auf Bus und Bahn schmackhaft machen. Doch es gibt Kritik. Die zeigt: Noch holpert es an einigen Stellen.

Als vor rund sieben Jahren die intensiven Vorarbeiten und Planungen für das neue Nahverkehrskonzept gestartet sind, ist Verkehrsplaner und Kreisräten bereits bewusst gewesen: Es wird anstrengend, teurer und es kann durchaus Anlaufprobleme geben.

Nahverkehr für den Kreis deutlich teurer

Das „teurer“ hat der Kreishaushalt für dieses Jahr deutlich gemacht: Statt bisher rund 1,5 Millionen Euro muss der Landkreis für den öffentlichen Nahverkehr nun an die 3,2 Millionen Euro aufbringen, damit mehr als das doppelte des bisherigen Betrags.

Anstrengend wird es für die Kreisverwaltung, weil trotz des detailliert ausgetüftelten Konzepts der züricher Verkehrsplaner nicht alles so funktioniert, wie erhofft. So hatten die Schweizer schon 2018 betont, dass für das angestrebte reibungslose Umsteigen zwischen Bus und Zug am neuen Bahnhalt Lindau-Reutin vier Haltestellen für Regionalbusse erforderlich sind.

Doch der von der Stadt seinerzeit angekündigte Busbahnhof in Reutin wird noch lange auf sich warten lassen. Das ist jetzt, sechs Jahre später, inzwischen klar. Mit dem Regionalbus ankommen, ein kurzer Fußweg und zum Beispiel per S-Bahn auf die Insel weiterfahren, das ist oft nicht machbar.

Wo fährt denn nun mein Regionalbus ab?

Wer per Zug nach Lindau kommt und die Verhältnisse rund um den Bahnhalt Reutin nicht kennt, blickt erst einmal irritiert um sich, wo es mit welchem Bus weitergeht. Das ist auch in einem Kreisausschuss zuletzt bemängelt worden.

Eine Tafel vor dem Reutiner Bahnhalt zeigt Reisenden, wo im Umfeld sich die (einschließlich Fernbus) insgesamt fünf verschiedenen Bushaltestellen befinden.
Eine Tafel vor dem Reutiner Bahnhalt zeigt Reisenden, wo im Umfeld sich die (einschließlich Fernbus) insgesamt fünf verschiedenen Bushaltestellen befinden. (Foto: Evi Eck-Gedler)

Inzwischen gibt es eine neue dynamische Fahrgastinformation. Darauf verweist Landratsamts-Pressesprecherin Sibylle Ehreiser. Die zeigt die Bussteig-Nummern der nächsten Stadt- und Regiobusse an. An den vier Haltestellen rund um den Reutiner Bahnhof fehlen allerdings noch die entsprechenden Schilder.

Überraschend ist, von welcher Seite in den ersten zwei Monaten vor allem Kritik gekommen ist. Denn es sind weniger die Berufspendler. „Der Großteil der Beschwerden kommt aus dem Bereich der Schülerbeförderung“, schreibt Ehreiser auf Nachfrage der LZ.

Wenn sich gewohnte Schulwege ändern

Hintergrund: „Das neue Konzept der starken Hauptrouten nach Vorarlberger Vorbild hat zu diversen Routenänderungen im Bereich der Schülerbeförderung geführt“, wie es Ehreiser formuliert. Gewohnte Schulwege mit dem Bus haben sich seit Dezember verändert.

Die Schweizer Verkehrsplaner haben schon 2018 darauf hingewiesen, dass es in einem neuen verlässlichen Nahverkehrsplan keine Sonderfahrten mehr für Schüler geben könne. Vielmehr müssten sich jene dann nach den Taktfahrplänen richten.

„Diese Nutzergruppe beziehungsweise deren Eltern reagieren verständlicherweise sehr sensibel auf Änderungen“, signalisiert die Kreisverwaltung Verständnis. Da müssen Kinder und Jugendliche nun teilweise umsteigen, andernorts wurden Haltestellen verlegt. Manche Vorwürfe weist das Landratsamt aber rigoros zurück, etwa jenen, die Behörde habe die Übersicht über den Verlauf der Buslinien verloren.

Durch direkte Mails Probleme offen legen

Ob nun bestimmte Busse überfüllt sind, eine Schule deshalb nur mit Verspätung erreicht wird oder ein Kind an einer Haltestelle stehengelassen wurde: Das Landratsamt will Probleme mit den neuen Fahrplänen „konkret angehen zu können“.

So fährt nun beispielsweise die Seelinie 20 in der Früh doch wieder bis auf die Insel: Damit in der Maria-Ward-Schule alle pünktlich zum Unterricht da sind. Auch für die Lindauer Mittelschule würden Fahrpläne zum Teil angepasst.

In luftiger Höhe steht jetzt vor dem Bahnhalt Lindau-Reutin eine sich laufend aktualisierende Anzeigetafel, wann welche Busse im Umfeld des Bahnhofs ankommen.
In luftiger Höhe steht jetzt vor dem Bahnhalt Lindau-Reutin eine sich laufend aktualisierende Anzeigetafel, wann welche Busse im Umfeld des Bahnhofs ankommen. (Foto: Evi Eck-Gedler)

Vielfach habe die Kreisverwaltung Rückmeldungen der Familien erst über Umwege erhalten - und die Schulsekretariate mussten sich Frust und Ärger anhören. Deswegen habe das Landratsamt die Eltern über die Schulen gebeten, Informationen und Kritik direkt an eine Mailadresse des Landkreises zu schicken, stellt Ehreiser klar.

„Jede einzelne Anregung haben wir geprüft. Für fast jedes Problem konnten wir in guter Zusammenarbeit mit den Verkehrsunternehmen kurzfristig Lösungen finden.“ Das betont Vanessa Pfeifle, im Landratsamt für den öffentlichen Nahverkehr zuständig, laut einer gemeinsamen Pressemitteilung von Kreis und Verkehrsverbund Bodo.

Fahrpläne werden teilweise angepasst

Nach den Faschingsferien ab Montag, 19.Februar, werden sich einige Fahrpläne leicht ändern. Überwiegend handle es sich um „Abfahrtszeiten im Bereich weniger Minuten“, betonen Bodo und Landratsamt.

„Diese sind aber bedeutsam, um vor allem Schülern ein verlässliches und pünktliches Erscheinen zur Schule und danach einen raschen Heimweg zu ermöglichen“, so die Pressemitteilung. Profitieren sollen neben der Maria-Ward-Schule und der Mittelschule auch andere weiterführende Schulen im Raum Lindau.

So ist für den Lindauer Landrat nach zwei Monaten neuem Nahverkehrsplan trotz aller bisheriger Kritik klar: „Insgesamt hat sich das neue Busnetz schon jetzt als großer Fortschritt erwiesen.“


Was sich im Detail an den Linien der Regionalbusse ab Montag, 19. Februar, ändern, können Buskunden hier nachlesen.

Fragen, Kritik und Anregungen rund um das neue Buskonzept nimmt das Lindauer Landratsamt weiterhin entgegen: entweder unter der Telefonnummer 08382/270-420 oder per E-Mail an [email protected]