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Rotationskolbenmotor

Mit Hans Portele stirbt Wankels engster Mitarbeiter

Lindau / Lesedauer: 3 min

Der gelernte Schlosser hatte fast vier Jahrzehnte mit dem Motorenerfinder gearbeitet
Veröffentlicht:19.02.2013, 18:15

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Er hat vor knapp 60 Jahren die Entwicklung des Rotationskolbenmotors miterlebt. Hat gleich dreimal bei dessen Erfinder Arbeitsverträge unterschrieben: Hans Portele galt jahrzehntelang als engster Mitarbeiter und Vertrauter von Felix Wankel . Fast zwei Jahrzehnte lang ist Portele Betriebsleiter von Wankels Forschungszentrum in der Fraunhoferstraße gewesen. Jetzt ist der Techniker im Alter von 81 Jahren gestorben.

Mit 16 Jahren mit seiner Familie aus dem Sudentenland ausgewiesen, hatte Portele zunächst in Bad Wimpfen bei Neckarsulm ein neues Zuhause gefunden. Dort wurde er Schlosser. Vier Jahre später, mitten im November, fuhr er per Motorrad nach Lindau – um sich dort dem Ingenieur Felix Wankel vorzustellen. Schnell war klar: Portele würde bei Wankel arbeiten.

Eine Art Mädchen für alles

Dessen Betrieb bestand damals aus drei Mitarbeitern: „Wankels Schwager war der Betriebsleiter, und ich war der Betrieb“, hat Portele es später einmal schmunzelnd beschrieben.

Der junge Mann war für den Forscher eine Art Mädchen für alles: Er begleitete technische Entwicklungen von Motoren, entwarf Modelle aus Plexiglas und Holz, später Aluminium. Und er stand am Prüfstand in Wankels Bootshaus. Wankel hat ihm vertraut. So besaß Portele auch einen Haustürschlüssel fürs Wankelsche Anwesen und hütete dessen Katzen, wenn der Erfinder unterwegs gewesen war.

Portele war aber auch dabei, als Wankel im April 1954 eine detaillierte Zeichnung mit mehreren „Kurven“ gezeigt hatte: Dieser 13. April ging später als Tag der Erfindung des Wankelmotors in die Geschichtsbücher ein. Privat ging es Hans Portele Mitte der 50er Jahre gut: Der engagierte Handballer – er leitete später einige Jahre lang die Handballabteilung des TSV – heiratete 1955 seine Ehefrau Elisabeth. Die Söhne Armin und Wolfram kamen zur Welt. Doch beruflich wollte er mehr. Seine Frau ging ans Fließband bei NSU in Neckarsulm, damit Hans Portele die Technikerschule in Stockach besuchen konnte. Nach dem Abschluss dieser Ausbildung 1959 stand Portele wieder in Lindau : Er wollte zurück zu Wankel, „denn die Arbeit dort hat mich schon interessiert“, so Portele später. Wankel stellte Portele wieder ein. Dann ließ er seine Technische Entwicklungsstelle (TES) am Wäsen bauen – ein Gebäude, das mit seiner Architektur für Aufsehen sorgte.

Portele kannte „jede Schraube und jedes Kabel“ dort. Und ahnte damals nicht, dass ihm Jahrzehnte später die Volkswagen AG als neue Besitzerin des alten Forschungszentrums sogar einen Beratervertrag anbieten würde.

1962 war das TES Teil des Fraunhofer-Instituts geworden. In jenem Jahr wurde auch Porteles Tochter Hella geboren. Als 1966 Wankels Schwager aus der Firma ausscheidet, übernimmt Hans Portele die Position des Betriebsleiters. Beruflich schien er endlich am Ziel zu sein, verfügte über Kontakte zu Borsig in Berlin genauso wie zu Daimler Benz in Stuttgart, flog aber auch in die USA, um dort ein spezielles Boot vorzustellen.

Anfang der 80er Jahre verkaufte Wankel dann seine Rechte und Patente. Für Portele war klar: Er würde bei Wankel bleiben. „Eine andere Entscheidung hätte ich nicht übers Herz gebracht“, sagte er Jahre später. Er baute ein neues Team um Wankel auf, nahm an Bootsversuchen in Südfrankreich teil. 1988 starb Wankel. Ein Jahr später erlitt Portele einen Herzinfarkt. 1992 schließlich ging er in Rente. Nur ein Jahr später starb seine Frau.

Porteles Wissen blieb gefragt

Wankels Arbeit blieb unterdessen ein Teil seines Lebens. So sorgte Portele dafür, dass Werkstücke aus dessen Rorschacher Haus ins Mannheimer Museum für Arbeit und Technik kamen. Als VW das Forschungszentrum am Wäsen renovieren sollten, griffen sie auf Porteles Wissen zurück.

Vergangenen Freitag nun ist der Techniker Hans Portele sanft eingeschlafen, wie seine Familie gestern mitgeteilt hat.