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Schneechaos

Lindaus OB Alfons im Allgäu eingeschneit - Feuerwehren im Dauereinsatz

Kreis Lindau / Lesedauer: 5 min

Jede Menge Bäume brechen unter der Schneelast. Züge fallen noch immer aus. Die Forstverwaltung warnt vor Spaziergängen im Wald.  
Veröffentlicht:03.12.2023, 12:01

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Der Wintereinbruch beschert den Feuerwehren in Lindau und den umliegenden Gemeinden am Wochenende jede Menge Einsätze. Währenddessen steckt Oberbürgermeisterin Claudia Alfons im Allgäu fest, weil Züge nach Lindau ausfallen. Das Forstrevier warnt vor Waldspaziergängen. Eine Bilanz.

Zu mehr als einem Dutzend Einsätze musste allein die Lindauer Feuerwehr am Samstag und Sonntag ausrücken. „Wir hatten Einsätze mit Bäumen auf der Straße, Bäumen auf Gebäuden und Bäumen auf Autos“, sagt Kommandant Florian Kainz im Gespräch am Sonntagvormittag.

Am Samstagmorgen rückte die Lindauer Feuerwehr zum ersten Mal um 6.45 Uhr in der Früh aus, der letzte Einsatz war am späten Abend gegen 22 Uhr. Verletzte gab es bei keinem der Einsätze.

„Ich bin hier eingeschneit und komme nicht weg“

Auch an der Lindauer Stadtverwaltung brach am Samstagabend ein Baum unter der schweren Schneelast zusammen. Oberbürgermeisterin Claudia Alfons steckte zu dieser Zeit im Allgäu fest, wie sie auf ihrem Instagram-Kanal schreibt.

OB Claudia Alfons ist am Wochenende im Allgäu eingeschneit.
OB Claudia Alfons ist am Wochenende im Allgäu eingeschneit. (Foto: jule)

„Mein Mann hatte die (an sich) schöne Idee, mich von gestern auf heute ins Allgäu zu schicken, damit ich einmal durchschnaufen und - schlafen kann“, schreibt sie am Samstag. Doch da habe ihr Mann die Rechnung ohne Petrus und die Bahn gemacht. „Ich bin hier eingeschneit und komme nicht weg.“

Termine am Samstagabend, wie das Weihnachtskonzert des Musikvereins Unterreitnau, musste sie absagen und die Nacht im Hotel verbringen. Weil am Sonntagvormittag noch immer keine Züge fahren, holt ihr Mann sie ab.

Nicht nur die Lindauer Feuerwehr, auch die Wehren aus Wasserburg, Weißensberg, Sigmarszell und Hergensweiler mussten am Wochenende immer wieder wegen Schneebruch ausrücken, wie Kreisbrandrat Wolfgang Endres im Gespräch am Sonntagvormittag sagt.

Am Samstagmorgen zum Beispiel wurde die Feuerwehr Hergensweiler zu einem dringenden Einsatz gerufen: Ein Baum war auf einer Kreisstraße umgestürzt und blockierte den Verkehr. Die starken Schneefälle hatten dazu geführt, dass er unter der Schneelast zusammengebrochen war.

Am Samstagmorgen wird die Feuerwehr Hergensweiler zu einem dringenden Einsatz gerufen: Ein Baum war auf einer Kreisstraße umgestürzt, blockiert den Verkehr und stellt eine Gefahr dar.
Am Samstagmorgen wird die Feuerwehr Hergensweiler zu einem dringenden Einsatz gerufen: Ein Baum war auf einer Kreisstraße umgestürzt, blockiert den Verkehr und stellt eine Gefahr dar. (Foto: Davor Knappmeyer)

Den Einsatzkräften gelang es, den Baum zu zersägen und mithilfe eines Schneepflugs zur Seite zu räumen, sodass die Straße schnell wieder frei war.

Die Feuerwehr Wasserburg befreite unter anderem am Samstagabend die Ladestraße und die Straße im Birkenried von umgeknickten Bäumen und Ästen.

Warum brechen die Bäume vor allem im unteren Landkreis?

„Es waren einige Einsätze mit Bäumen auf der Straße“, resümiert Endres. Auffällig sei, dass im unteren Landkreis viel mehr Bäume unter der Schneelast eingeknickt seien als im oberen. „Obwohl hier oben viel mehr Schnee liegt.“ Warum das so ist, könne er sich nicht erklären.

Vereinzelt habe die Feuerwehr wegen drohenden Schneebruchs Straßen im Bereich Unterreitnau und Wasserburg sperren müssen. Insgesamt seien mindestens drei Fahrzeuge durch herabgefallene Äste beschädigt worden.

In Schlachters hatte sich am Samstagmorgen ein Sattelzug auf der schneebedeckten Fahrbahn festgefahren. „Das Fahrzeuggespann konnte glücklicherweise geborgen werden, ohne dass ein Sachschaden entstanden ist“, heißt es im Polizeibericht.

Trotz Traumwetter: Waldspaziergänge sind gefährlich

Nachdem es am Samstag heftig geschneit hat, ist es am Sonntag kalt, aber sonnig. Doch das Forstrevier Lindau weist darauf hin, dass Waldspaziergänge und Wanderungen durch Wälder gefährlich sein können: Es besteht Schneebruchgefahr.

„Insbesondere Kronenteile können von Bäumen abbrechen und zu Schäden führen“, schreibt das Forstrevier in einer Pressemitteilung. „Manche Waldwege sind momentan auch nicht zu begehen.“

Das Lindauer Forstrevier warnt vor Schneebruch in Wäldern.
Das Lindauer Forstrevier warnt vor Schneebruch in Wäldern. (Foto: Forstrevier)

Revierleiter Christian Müller rät, Waldspaziergänge sein zu lassen oder nur in sicheren Bereichen zu gehen. Gesperrte Bereiche sollten grundsätzlich nicht betreten werden. „Da die Waldwege aufgrund der extremen Schneelage derzeit nicht befahrbar sind, kann bei Unfällen derzeit auch keine zeitnah funktionierende Rettungskette erwartet werden“, heißt es in der Pressemitteilung.

Wildtiere sollten nicht gestört werden, „da unnötige Fluchtbewegungen ihren Energiehaushalt negativ beeinflussen“. Bis in Lindaus Wäldern alle Schäden beseitigt sind, werde es noch eine Weile dauern.

Privaten Waldbesitzern mit Schneebruchschäden bietet das Forstrevier Beratungen an. „Die Schadholzbeseitigung sollte nur im Falle guter Ausbildung und technisch geeigneter Ausrüstung selbst vorgenommen werden.“ Revierleiter Müller empfiehlt bei Kronenbrüchen und hängenden Bäumen nur zertifizierte, professionelle Forstunternehmer in den Schadensbeständen einzusetzen.

Auch Sonntag und Montag fallen Züge aus

Die Bahn meldet trotz des guten Wetters am Sonntag weiter Zugausfälle. Betroffen ist unter anderem die Strecke Lindau-München. „Auch nach Wiederaufnahme des Betriebs auf den betroffenen Strecken kann aufgrund der großen witterungsbedingten Einschränkungen voraussichtlich nur ein stark eingeschränkter Zugverkehr ermöglicht werden“, schreibt die Bahn am Sonntag. „Wir rechnen daher mit einer sehr hohen Auslastung der Züge und empfehlen weiterhin, Reisen von und nach München zu verschieben.“

Aufgrund der „großen witterungsbedingten Schäden“ sei davon auszugehen, dass es bis zum Montag zu Zugausfällen und Verspätungen im Fernverkehr komme, so die Bahn weiter. Alle Fahrgäste, die ihre am 2. und 3. Dezember geplante Reise aufgrund des Wintereinbruchs in Süddeutschland verschieben mussten, können ihr Ticket laut Bahn zu einem späteren Zeitpunkt nutzen. „Die Zugbindung ist aufgehoben.“

Das Ticket gelte dabei für die Fahrt zum ursprünglichen Zielort, auch mit einer geänderten Streckenführung. Sitzplatzreservierungen können kostenfrei storniert werden.


Informationen zur aktuellen Verkehrslage und Auswirkungen des Wintereinbruchs in Süddeutschland auf den Bahnverkehr gibt es bei der kostenfreien Hotline der Bahn unter 08000/996633.