StartseiteRegionalRegion LindauLindau100 Tonnen Salz und Kindergarten in Notunterkunft: Schnee hält Lindau auf Trab

Wintereinbruch

100 Tonnen Salz und Kindergarten in Notunterkunft: Schnee hält Lindau auf Trab

Lindau / Lesedauer: 5 min

Die Folgen des heftigen Schneefalls sind in Lindau noch zu spüren. Auch eisige Gleise und kaputte Oberleitungen sorgen für Probleme.
Veröffentlicht:04.12.2023, 18:17

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Der erste richtige Schnee in Lindau hat Folgen: Jede Menge Zugverbindungen fallen aus, der Räumdienst war Tag und Nacht beschäftigt. Der Lindauer Waldkindergarten muss in seine Notunterkunft umziehen.

Es gibt fast kein Wetter, bei dem die Kinder des Waldkindergartens nicht im Motzacher Wald unterwegs sind. Selbst bei Regen und Matsch toben sie zwischen Bäumen, spielen mit Tannenzapfen und marschieren durch das Dickicht. Nach dem vielen Schnee vom Wochenende müssen sie diese Woche aber in ihre „Notunterkunft“ ausweichen, erzählt Leiterin Eva-Maria Löhr. „Das ist sonst zu gefährlich.“

Denn wegen der Schneelast drohen Äste abzubrechen. Auch das Forstrevier Lindau warnt vor Spaziergängen im Wald. Von zwei großen Buchen seien bereits Äste abgebrochen, berichtet Eva-Maria Löhr, die sich am Montagmorgen im Wald ein kurzes Bild von der Lage gemacht hat. „Das ist sicherlich noch nicht alles.“

Baumpfleger müssen jetzt erst wieder für Sicherheit sorgen. Bis der Wald aufgeräumt ist, verbringen die Kinder die Zeit auf dem alten Bauernhof Haug am Brückele. „Dort können wir sogar in die Räume“, sagt Löhr.

Zwischendurch laufen die Erzieherinnen mit den Kindern zum Spielplatz an der Hasenbank oder zu einer kleinen Erhöhung an der Motzacher Halde. Auf Rutschern sausen die Kinder den Hügel hinunter - und genießen die schönen Seiten des Schnees.

Nur wenige Züge in und um Lindau fahren

Bahnfahrenden dürfte es am Montagmorgen deutlich schwerer gefallen sein, dem Schnee etwas Positives abzugewinnen. Denn wer mit dem Zug zur Arbeit oder in die Schule musste, hatten Pech.

Wegen Ästen auf der Oberleitung ist der Zugverkehr zwischen Lindau und Kressbronn gestört. Ersatzweise kommen Dieseltriebwagen zum Einsatz, einige Züge jedoch fallen aus.
Wegen Ästen auf der Oberleitung ist der Zugverkehr zwischen Lindau und Kressbronn gestört. Ersatzweise kommen Dieseltriebwagen zum Einsatz, einige Züge jedoch fallen aus. (Foto: Christian Flemming)

In und um Lindau sind das ganze Wochenende über und am Montag jede Menge Züge ausgefallen. So zum Beispiel zwischen Lindau und Kressbronn. Was die Bahn zunächst als Baum auf den Gleisen vermeldete, waren in Wirklichkeit Äste in der Oberleitung.

Mit dem Aufräumen kam die Bahn aber offenbar nicht hinterher: Räumfahrzeuge könnten nur schwer eingesetzt werden, heißt es in einer Mitteilung. Mitarbeitende müssten mit schweren Geräten Gleise, Bahnsteige und Abstellanlagen vom Schnee befreien und gleichzeitig Leitungen reparieren.

Nur Dieselloks können noch fahren

Dazu komme die eisige Kälte. Wenn dann länger kein Strom durch die Leitungen fließe, könnten Züge teilweise nicht mehr aktiviert werden und müssen abgeschleppt werden, so die Bahn. Zwischen Lindau und Kressbronn war am Montag nur eine Diesellok unterwegs.

Auch ins Allgäu hatten Zugreisende schlechte Karten. Am Montagnachmittag teilt die Bahn mit, dass die Strecke zwischen München und Lindau sowie nach Zürich erst einmal gesperrt bleibt. Auch am Dienstag fallen laut Bahn viele Verbindungen aus.

Tag und Nacht Straßen räumen

Die Straßen hingegen waren frei. Dafür hat der Lindauer Winterdienst gesorgt. Etwa 30 Männer und Frauen waren seit Freitagabend Tag und Nacht auf Lindaus Straßen unterwegs. „Direkt am Freitagabend wurde der Bereitschaftsdienst alarmiert“, sagt Pius Hummler, Chef der Garten- und Tiefbaubetriebe Lindau (GTL).

Für seine Mitarbeiter bedeutet das Räumen viel Arbeit. „Das ist nicht einfach rein sitzen und losfahren“, sagt Hummler, der in diesem Jahr zum ersten Mal selbst mitgefahren ist, nachdem er dieses Jahr einen Lastwagen-Führerschein gemacht hat.

Etwa 30 Mitarbeiter der GTL sind das ganze Wochenende über auf den Straßen unterwegs gewesen und haben geräumt.
Etwa 30 Mitarbeiter der GTL sind das ganze Wochenende über auf den Straßen unterwegs gewesen und haben geräumt. (Foto: GTL)

Mit den großen Geräten muss man umgehen können. Ein falsch geparktes Auto im Wendehammer musste zum Beispiel erst einmal umgeparkt werden, bevor das Räumfahrzeug wenden konnte.

Auch Unterführungen oder Steigungen wie in Oberreitnau oder die Bäuerlinshalde seien nicht einfach zu räumen - Und gefährlich für den Verkehr. „Deshalb fahren wir dort immer zuerst hin und streuen mehrmals“, sagt Hummler.

Die Insel in Weiß: Dieser Anblick ist selten, denn normalerweise schneit es auf der Insel deutlich weniger als in höheren Lagen.
Die Insel in Weiß: Dieser Anblick ist selten, denn normalerweise schneit es auf der Insel deutlich weniger als in höheren Lagen. (Foto: Davor Knappmeyer)

100 Tonnen Salz haben seine Mitarbeitenden verteilt. „Das ist richtig viel“, sagt Andreas Bauer, Abteilungsleiter bei den GTL und für die Straßen zuständig. Nötig war das, weil der Schnee sehr nass und bei den die niedrigen Temperaturen in der Nacht auf den Straßen festgefroren war.

Ist Split eine Alternative zum Streusalz?

Der Bund Naturschutz (BN) warnt hingegen vor Streusalz. „Das Salz schädigt nicht nur Autos und Brücken, sondern auch Bäume und Böden“, schreibt Claudia Grießer, Geschäftsführerin des BN in Lindau. Es werde im Boden angereichert und auch in regenreichen Jahren kaum ausgewaschen. Es behindere die Wasseraufnahme der Bäume und verändere deren Nährstoffhaushalt. Kleine Blätter, Braunfärbung der Blattränder und frühzeitiger Laubfall seien Folgen.

Auch Andreas Bauer von den GTL gibt zu: „Streusalz ist für die Umwelt nicht optimal.“ Deshalb achte die GTL darauf, nur so viel wie nötig zu verwenden.

Auf Splitt umzusteigen, sei allerdings keine Option. Denn davon brauche man das zehn- oder 15-fache und damit auch mehr Einsatzfahrten. „Dafür haben wir die Kapazität nicht.“

Der größere Nachteil sei aber, dass der Split im Frühjahr wieder zusammengekehrt und als Sondermüll entsorgt werden müsse. Man könnte ihn zwar auch reinigen, so Bauer, aber auch das Wasser sei Sondermüll. Außerdem könnte der Split die Kanalisation verstopfen.