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Herzstillstand

Herzstillstand mit 32: Welche Gefahren beim Laufen drohen können

Lindau / Lesedauer: 5 min

Chefarzt Martin Hessz über die Gefahren beim Wiedereinstieg in den Sport nach einer Corona-Erkrankung – und Probleme für das Herz
Veröffentlicht:07.10.2022, 08:00

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Der Kardiologe Martin Hessz erinnert sich noch gut an den Patienten. Er war gerade einmal 32 Jahre alt, war fit, ging vier Mal die Woche laufen. Dennoch hörte mittem im Alltag auf einmal sein Herz auf zu schlagen. Er erlitt einen plötzlich Herztod. Der Mann wurde wiederbelebt und lag lange auf der Intensivstation. Glücklicherweise überlebte er den Unfall und kann heute wieder Sport machen.

Was bis zu seinem Unfall unentdeckt blieb: Der Mann hatte eine angeborene Krankheit am Herzen. Sein Arzt ist sich sicher, dass man solche Fälle früher erkennen könnte. Der positive Effekt beim Laufen überwiege zwar bei weitem dem Risiko, sagt der Arzt im Interview mit Ronja Straub . Allerdings seien Sportlerinnen und Sportler nicht genug sensibilisiert. Außerdem warnt der Chefarzt vor dem zu frühen Wiedereinstieg ins Laufen nach einer Covid-Erkrankung.

Herr Hessz, vor etwas mehr als einem halben Jahr habe ich mit meinem Lauftraining begonnen. Mein Ziel sind die zehn Kilometer beim Drei-Länder-Marathon am Samstag. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass Sport machen gesund ist und es meinen Herzen guttut. Jetzt sprechen wir aber über plötzliche Herztode und Risiken für Läuferinnen und Läufer. Ist Laufen nun gut oder schlecht fürs Herz?

Laufen hat deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Aber es gibt immer wieder Menschen, die haben eine unentdeckte Herzerkrankung. Wenn sie sich stärker belasten, können sie in eine kritische Situation kommen. Es geht um die Frage, wie man solche plötzlichen Herztode vermeiden kann.

Und wie geht das am besten?

Sportler müssen mehr Untersuchungen machen, damit man diejenigen herausfinden kann, die ein höheres Risiko haben. Ab 35 sollte das jeder tun, der mit Sport anfängt.

In Italien braucht jeder, der Leistungssport macht, verpflichtend einen Gesundheitspass.

Jemand, der raucht, Herzerkrankungen in der Familie hat oder Diabetiker ist und anfängt zu laufen, muss sich öfter untersuchen lassen, als jemand, der jung und gesund ist.

In Italien braucht jeder, der Leistungssport macht, verpflichtend einen Gesundheitspass. Nicht nur Hochleistungssportler, sondern auch ambitionierte Amateure. Wir bräuchten so etwas auch in Deutschland.

Wie oft kommt es zu einem plötzlichen Herztod bei Sportlerinnen und Sportlern?

Laut Statistiken erleiden 0,7 bis 3,6 von 100 000 Sportlinnen und Sportler pro Jahr einen plötzlichen Herztod. Amateure haben das Risiko genauso, wie Profis. Häufig sogar ein größeres, weil sie seltener und weniger medizinisch überwacht werden.

 Dr. Martin Hessz hat viele Patienten, die wegen einer Corona-Erkrankung Schwierigkeiten hatten, wieder ins Training einzusteigen.
Dr. Martin Hessz hat viele Patienten, die wegen einer Corona-Erkrankung Schwierigkeiten hatten, wieder ins Training einzusteigen. (Foto: Rotkreuzklinikum Lindenberg/Schwäbische.de)

Aber heißt das, nicht für jeden ist das Laufen gehen gesund, weil sich dadurch die Gefahr auf einen plötzlichen Herztod erhöht?

Langfristig gesehen ist Sport immer gesund. Der positive Effekt des Laufens ist deutlich höher als das Risiko, das man eingeht. Man sollte nur auf einige Dinge achten.

Bin ich als Anfänger mehr gefährdet als die Profis?

Man kann am Anfang mehr falsch machen. Weil man sich möglicherweise überfordert und da ist es sinnvoll, wenn man Unterstützung beim Training hat. Es ist wichtig, auf sich zu hören und sich nicht zu überfordern.

Vielleicht ist das auch einer der Gründe, warum der plötzliche Herztod häufiger bei Männern auftritt. Nämlich in 70 Prozent der Fälle.

Weil Männer sich eher überschätzen?

Über die Gründe wird spekuliert. Einer ist sicherlich, dass Männer weniger auf ihren Körper hören und bei Beschwerden nicht reagieren und über ihre Grenzen hinausgehen.

Was ist der Unterschied zwischen einem plötzlichen Herztod und einem Herzinfarkt?

Ein Herzinfarkt ist einer von vielen Gründen für einen plötzlichen Herztod. Dann verschließen sich die Adern im Herzen. Aber es gibt auch weitere Gründe, wie zum Beispiel auch Herzrhythmusstörungen. Die sind teilweise genetisch veranlagt.

Viele, die nach einer Covid-Infektion wieder mit dem Laufen anfangen, sind weniger belastbar, spüren, dass sie nicht mehr so viel schaffen. Worauf sollten die Betroffenen beim Einstieg achten?

Jeder Tag mit Fieber über 38,5 Grad Celsius führt zu einer Woche Trainingspause. Wer nur einen leichten Infekt hatte, sollte für jeden Tag auch einen Tag Pause einplanen.

Wichtig ist auch hier, nicht zu viel auf einmal zu machen. Treten Einschränkungen auf, sollte man sich von einem Arzt untersuchen lassen. Man muss abklären lassen, ob eine Herzmuskelentzündung entstanden ist. Covid ist sehr speziell.

Warum ist die Erkrankung speziell?

Man weiß bisher noch wenig über die Auswirkungen. Man weiß zum Beispiel noch zu wenig darüber, warum manche ein Erschöpfungssyndrom entwickeln. Covid scheint anders zu sein, als eine normale Grippe, weil in vielen Bereichen noch nachträglich Schäden auftreten.

Patienten, die nach einer Covid-Erkrankung eine Lungenschädigung haben, können den Sport häufig danach nicht mehr so ausführen wie davor. Bei anderen braucht es vielleicht einfach nur Zeit. Aber vieles können wir noch nicht sagen. Ob beispielsweise Long-Covid zu einer dauerhaften Einschränkung bei vielen Patienten oder nur bei wenigen führt, ist noch nicht klar. Dies werden weitere wissenschaftliche Untersuchungen in den nächsten Jahren zeigen.

Wie können Menschen mit Long-Covid wieder in den Sport einsteigen?

Zu Long-Covid kann ich nichts sagen. Dazu gibt es ständig neue Erkenntnisse und zu diesem Zeitpunkt kann ich da keine verlässlichen Aussagen treffen.