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Nichts geht mehr

GDL-Streik erhitzt in Lindau die Gemüter: So reagieren Betroffene

Lindau / Lesedauer: 4 min

Die GDL streikt und die Züge stehen. Die Auswirkungen sind überall spürbar - an Schulen und auf dem Bahnsteig. Betroffene schildern ihre Probleme.
Veröffentlicht:08.12.2023, 17:39

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Die Züge stehen still. Der Streik der GDL hat Auswirkungen auf das gesamte öffentliche Leben. Die Probleme sind vielseitig.

Aus der Schweiz wollen sie weiter nach Füssen. Jetzt stehen die drei Inder am Reutiner Bahnhof. Ihr Zug steht auf keiner Anzeige. Sie verstehen kein Deutsch und fragen Passanten mit zunehmender Verzweiflung um Hilfe. Die Antworten, die sie bekommen, helfen nicht weiter. Es wird gestreikt.

Nach langem Schienen-Ersatzverkehr und schneebedingten Ausfällen fahren die Züge wieder nicht. Dieses Mal aber nicht wegen Baustellen oder des Wetters, sondern aufgrund eines Streiks der GDL. Stehende Züge bedeuten weitreichende Folgen für Urlauber, Pendler und Unternehmen.

Streik nach Winterchaos

Manche haben schon längst die Nase voll. Ein Facebook-User sagt, dass er bereits nach dem „gigantischen, völlig überraschende Wintereinbruch“ mit dem Kauf eines Autos geliebäugelt hat. „Ich habe es begriffen! Zugfahren in Deutschland ist ein Alptraum“

Nach dem Winter kommt der Streik und ein großes Durcheinander. Welche Züge fahren und welche nicht, weiß niemand so genau. Auch Unternehmen, die für die Deutsche Bahn arbeiten, werden im Regen stehen gelassen.

Zugverkehr quasi unmöglich

Go-Ahead fährt in Bayern und Baden-Württemberg für die Deutsche Bahn. „Da entsteht ein ziemliches Durcheinander“, sagt Pressesprecher Winfried Karg. Zwar werde Go-Ahead nicht bestreikt, deren Züge können aber trotzdem nicht fahren. Das liege an den „Fahrdienstleitern“, die für die Sicherheit und Abwicklung des Zugverkehrs verantwortlich seien.

Die seien bei der Bahn angestellt und somit im Streik. Dadurch werde ein sicherer Zugverkehr fast unmöglich. „Wir fahren da, wo wir können“, sagt Karg. Die Zugführer, die pünktlich zur Arbeit kommen und nicht fahren können, müssen aber trotzdem bezahlt werden.

Mehrkosten für Unternehmen und Privatpersonen

Die Kosten trägt momentan das Unternehmen selbst. „Wir sind aber in Verhandlungen“, sagt Karg. Zu viele Zugausfälle würden sogar einen Vertragsbruch darstellen. Dann wären Strafen fällig. Da Go-Ahead für die Zugausfälle durch den Streik nichts kann, blieben zumindest diese Kosten aus.

Übersichtlicher Fahrplan am Bahnhof Reutin: Einige Züge nach Österreich und auf die Insel fahren.
Übersichtlicher Fahrplan am Bahnhof Reutin: Einige Züge nach Österreich und auf die Insel fahren. (Foto: Yvonne Roither)

Mehrkosten hat auch Karin Xander, die ihr 49-Euro-Ticket hinterfragt. Für sie bedeuten die Zugausfälle der letzten Wochen „Homeoffice oder Auto“. Wie viele Pendler musste sie sich immer aktuell über die Verbindungen informieren. Einen Abend vorher habe da nicht immer gereicht.

Alternative Flixbus

Eine lang geplante Fahrt nach München sollte dann endlich mit dem Deutschlandticket möglich sein. Doch genau an dem Tag fing der Streik an. „Ich habe dann schnell reagiert und einen Flixbus gebucht“, sagt Xander. Diese Alternative sei aber nach knapp eine Stunde später ausgebucht gewesen. Das bedeute für sie weitere Extrakosten. Die 49 Euro für das Deutschlandticket hätten sich in diesem Monat nicht gelohnt.

Facebook-Nutzerin Michelle Ohlinger habe einen wichtigen Termin in Ulm wegen des Streiks verpasst. „Ich bin ziemlich zornig auf die DB!“, schreibt sie. Obwohl es eine halbe Stunde zuvor noch geheißen habe, dass der Zug planmäßig abfährt, sei er dann gestrichen worden.

Verständnis für Streiks schwindet

Stefan Buhl, Sprecher des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben Pro Bahn, sieht das Verständnis für die Streiks bei der Bahn schwinden. Der Regionalverband Pro Bahn sieht es als eine seiner wichtigsten Aufgaben, sich konstruktiv an der Fortentwicklung des Fahrplanangebotes zu beteiligen. Die Interessen der Fahrgäste sollen dabei optimal vertreten werden.

Nur wenige Bahnfahrende sind am Bahnhof Reutin gestrandet.
Nur wenige Bahnfahrende sind am Bahnhof Reutin gestrandet. (Foto: Yvonne Roither)

Und genau diese Fahrgäste sieht Buhl derzeit als eindeutige Opfer dieser Situation. Einen Streik noch vor den ernsthaften Verhandlungen zu starten, „zeigt mir, dass die GDL an Lösungen nicht wirklich interessiert ist“, sagt Stefan Buhl.

Schulen vor Herausforderungen

Umorganisieren müssen sich auch Schulen in Lindau. Antje Schubert ist Schulleiterin des Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Lindau (BSZ). Ihre Schüler kommen aus ganz Bayern. „Für einige musste da schon eine Lösung gefunden werden“, sagt sie. So müssten Schüler, die es aufgrund der Bahn nicht in die Schule schaffen, in ihrem Betrieb arbeiten.

Der Betrieb müsse dann der Schule bestätigen, dass die Auszubildenden wirklich zur Arbeit erschienen sind. Die Organisation bliebe aber an der Schule hängen. Klassenarbeiten müsse die Schule an solchen Tagen auch verschieben. „Wir sind da aber flexibel“, sagt Schubert.

Nicht immer gäbe es aber die Möglichkeit für Onlineunterricht. Der öffentliche Verkehr sei nicht wirklich verlässlich. „Das ist ein bekanntest Problem“, sagt Schubert. Sie spricht vielen Bahnfahrern aus der Seele, wenn sie sagt: „Wir sind gewöhnt, dass wir uns arrangieren müssen.“