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Knisterfunk

Feuerwehr empört über anhaltenden Knisterfunk

Lindau / Lesedauer: 3 min

Lindauer Kommandant fordert dringend besseren Funkalarm im Lindauer Raum
Veröffentlicht:22.01.2014, 18:25

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Robert Kainz atmet tief durch. Das Thema Funk beschleunigt den Puls vieler Feuerwehrleute: Immer wieder gibt es Einsätze, bei denen die Freiwilligen kein einziges Wort der Alarmierung verstehen: Zu hören ist oftmals nur Knisterfunk – oder im schlimmsten Fall sogar gar nichts. Beim Treffen seiner Kollegen in Lindenberg hat der Lindauer Kommandant Robert Kainz jetzt deutliche Kritik am Funksystem geäußert.

Kainz selbst bezeichnet seine Aussage bei der Kommandatentagung als „Wutrede“. Und wütend macht ihn das Thema Feuerwehrfunk nicht erst seit diesem Jahr. „Das liegt schon einige Zeit im Argen“, stellt Robert Kainz im Gespräch mit der LZ fest. Aber es ändere sich nichts.

Erreicht ein Notruf – ob Feuer, Unfall oder anderes – die integrierte Leitstelle (ILS) in Kempten , dann alarmiert diese die zuständigen Wachen. Die Einsatzkräfte erfahren über ihre Funkgeräte, die sie immer bei sich tragen, wo welcher Einsatz ansteht. Oder besser – sie sollten es erfahren. Denn „die Sprachdurchsage ist oftmals verzerrt oder gar nicht zu hören“, schildert Kainz.

Beim Sturm gab es keine Funkverbindung

Das kann durchaus massive Folgen haben. Der Lindauer Kommandant erinnert sich beispielsweise an den Orkan in Lindau am 18. Juni vergangenen Jahres: „Das war ein Desaster!“ In den ersten sieben bis acht Minuten habe er „keine Einsatzkräfte von A bis B dirigieren“ können. Es sei einfach keine Funkverbindung möglich gewesen. Mit der Konsequenz, dass die Leitstelle ihn schließlich übers Telefon informiert habe.

„Das war sozusagen der worst case.“ Immerhin hätten das an jenem Tag sowohl zwei Landratsamtsmitarbeiter als auch Landrat Elmar Stegmann miterlebt. „Aber es hat sich seitdem dennoch nichts getan“, ärgert sich Kainz. Dabei ist nach seinen Worten bei diesem Problem der Landkreis gefragt: „Der ist für Funkalarmierung und -versorgung zuständig.“

Um den Knisterfunk abzustellen, sprich die Sprachdurchsage deutlich zu verbessern, müsste der Landkreis in die Technik investieren. Kainz weiß, dass dies einiges an Geld kostet: „An die 70000 Euro“, sagt der Lindauer Kommandant. „Vielleicht will sich der Kreis dieses Geld mit Blick auf den angekündigten Digitalfunk sparen?“

Der sollte in Bayern eigentlich schon zur Fußballweltmeisterschaft 2006 umgesetzt sein. In Regierungsbezirken wie Unter- und Mittelfranken oder Oberbayern funktioniere das auch bereits. Der Bereich Schwaben-Süd hingegen „hängt hinterher“, moniert der oberste Lindauer Feuerwehrmann.

Kainz liest auch dem jüngsten Rundschreiben vor: Danach soll der Digitalfunkausbau im Südwesten Schwabens im kommenden Jahr starten. 2016 sollen die Funkbereiche übergeleitet werden. „Dann kommt 2017 vielleicht der Echtbetrieb“, folgert der Kommandant.

Freiwillige wollen über Funk hören, welcher Einsatz ansteht

So lange wollen die Feuerwehrleute die schlechten Funkverbindungen aber nicht mehr ertragen. Kainz verweist auf Zahlen: Von den 462 Einsätzen im vergangenen Jahr hätten sich 248 in der Zeit zwischen 7 und 17 Uhr stattgefunden. Die hauptamtlichen Feuerwehrmänner hätten knapp ein Drittel davon geleistet – bei der großen Mehrheit der Alarme müssten die Freiwilligen entscheiden, ob sie ihren Arbeitsplatz schnellstens verlassen, um zu helfen. „Und die wollen dann über Funk genau hören, was wo anliegt.“

Die Funkverbindung zum Mond sei vermutlich besser als die 56 Kilometer zwischen Kempten und Lindau. Das macht Robert Kainz wütend. „Fürs 21. Jahrhundert ist diese Situation vollkommen unbefriedigend.“