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Jubeltag

Ein Croupier mit Leib und Seele wird 95

Lindau / Lesedauer: 3 min

Hans Thomaschewski schwelgt an seinem Geburtstag in Erinnerungen
Veröffentlicht:29.09.2019, 13:24

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Geistig und körperlich fit ist Hans Thomaschewski 95 Jahre alt geworden. An seinem Jubeltag hat er nicht nur mit Gästen angestoßen, sondern sich auch an besondere Ereignisse seines Lebens erinnert.

Noch vor zehn Jahren feierte Hans Thomaschewski seinen 85. Geburtstag auf seiner Reise Moskau-Peking mit der Transsibirischen Eisenbahn. Er fühle sich nach wie vor beinahe so fit wie zu jener Zeit, sei er doch sogar bis zu seinem 92. Lebensjahr Auto gefahren, sagte Thomaschewski im Gespräch mit OB Gerhard Ecker. Heute dürfe er nicht mehr, aber er habe ja seinen Nachbarn als Chauffeur, fügt er augenzwinkernd hinzu.

Jeden Freitag geht er zum Skatspielen, das lasse er sich nicht nehmen. An diesem Freitag allerdings hat er seinen 95. Geburtstag gefeiert und war froh, ihn mit seiner Frau Brigitte feiern zu dürfen. Seit stolzen 67 Jahren sind die beiden glücklich verheiratet und hätten nie auch nur einen Streit gehabt. Nicht ein Mal habe ihm seine Frau Vorwürfe gemacht, wenn er erst in den frühen Morgenstunden nach Hause kam, arbeitete er doch als Croupier bei der Spielbank in Lindau . „Einzige Bedingung war immer, morgens mit ihr zu frühstücken“, gibt er lachend preis. Seine Tätigkeit als Croupier war es auch, die ihn aus seiner Heimatstadt Danzig-Langfuhr 1950 nach Lindau führte. Hier hat er ein Jahr später seine Frau kennengelernt und diese 1952 geheiratet.

Als junger Kerl, gerade mit der Schule fertig, verschlug es Hans Thomaschwski während der Kriegswirren zunächst nach Russland, wo er der Kälte bei minus 40 Grad Celsius trotzen musste. Aufgrund einer Verletzung kam er zurück nach Deutschland, um durch die englische Gefangenschaft schließlich nach Frankreich ausgeliefert zu werden. Dort wurde er im Entminungskommando eingesetzt. Als sich eine Chance bot, nutzte Thomaschewski sie und meldete sich als Landwirt, obwohl er noch nie zuvor auf einem Bauernhof gearbeitet hatte. So arbeitete er auf zwei Höfen in der Landwirtschaft mit, um auf dem dritten Hof Glück im Unglück zu haben. Hier wurde er wie ein Sohn aufgenommen und zum ersten Melker ausgebildet. Diese zunächst erzwungene Freundschaft bildete sich so weit aus, dass die beiden Töchter der französischen Bauernfamilie Hans Thomaschewski regelmäßig zu seinen runden Geburtstagen in Lindau besuchen kommen. Und so freute sich der Jubilar auch zu diesem Geburtstag außerordentlich über den Besuch aus Frankreich.

Dass seine spätere Tätigkeit als Croupier weniger ein Beruf als vielmehr eine Berufung war, wurde besonders deutlich, als Thomaschweski nach seinem Rentenbeginn in der Spielbank Lindau 1987 nach Afrika ging, um dort eine Spielbank zu eröffnen. Nach gut zehn Monaten kehrte er nach Lindau zurück.

Der Tag des Geburtstages und der darauffolgende Tag standen ganz im Zeichen des Feierns. Am Jubeltag selbst hat er gemütlich bei Kaffee, Kuchen und einem Glas Sekt mit den Gästen angestoßen, am nächsten Tag wurde groß gefeiert. Bei einem kalten Buffet hat die Weißensberger Musikkapelle ihrem passiven Mitglied gratuliert. Abends hat er diesen besonderen Geburtstag beim Essen auswärts ausklingen lassen.