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In der Inselhalle

"Zugetextet": Einige Zuhörer machen bei Bürgerversammlung schlapp

Lindau / Lesedauer: 4 min

Sie dauert vier Stunden. Was sind die Themen, die Lindau beschäftigen? Ob die Erwartungen an die Veranstaltungen erfüllt worden sind, verraten die Lindauer in der Videoumfrage.
Veröffentlicht:28.11.2023, 19:00

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Nach dem vierstündigen Informationsmarathon rauchen die Köpfe vieler Zuhörer. Über eine Bürgerversammlung, in der es sehr viel um die Stadtverwaltung geht.

Fasnacht, Haushalt, der verheerende Sturm bis hin zur Warhol-Ausstellung: Viele Bilder und Illustrationen laden an einem 15 Meter langen Zeitstrahl zu einer Reise durchs vergangene Jahr ein. Die Themen sind so bunt wie der Zeitstrahl selbst.

„Wir alle sind Stadt Lindau“ steht darüber. Doch die meisten Frauen und Männer, die am Montagabend in die Inselhalle kommen, dürften älter als 60 Jahre alt sein. Junge Menschen sind kaum dabei.

Viel Zeit für den Zeitstrahl

Zieht man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung sowie die Stadträte ab, dürften rund 130 Besucher zur Bürgerversammlung gekommen sein. Ihre Erwartungen sind unterschiedlich.

Während die einen sich nur allgemein informieren und damit ihrer „Bürgerpflicht“ nachkommen wollen, liegen anderen konkrete Themen am Herzen: Margarete Pichel macht sich beispielsweise über die Zukunft der Insel Sorgen, Michaela Seliger will wissen, wie es mit den Kleingärten weitergeht.

Ein Zeitstrahl allein genügt nicht

Ein Zeitstrahl allein genügt nicht

Ist die Bürgerversammlung bürgerfreundlich? Das ist die Meinung von LZ-Redakteurin Yvonne Roither.

Die Besucher haben eine Stunde Zeit, sich in den Rückblick zu vertiefen. Der Zeitstrahl ersetzt wie bereits im vergangenen Jahr den langatmigen Rechenschaftsbericht bei der Bürgerversammlung. Doch die Chance, sich mit Amtsleitern oder Stadträten auszutauschen, nutzen nur wenige Bürger - weshalb die Stunde für manche zu lang ist.

„Mir ist das zu oberflächlich“, sagt ein Mann. Er vermisse am Zeitstrahl Nachrichten, vor allem aber Lösungsansätze. „Von den Schulden steht nichts, von der Therme nichts“, sagt er. „Aber das werde ich jetzt wohl erfahren.“

Neue Sitzordnung und Postkartenmotive

Seine Hoffnung liegt auf dem zweiten Teil des Abends, in dem die Oberbürgermeisterin einen Ausblick auf das Jahr 2024 gibt. Claudia Alfons will näher an die Lindauer rücken - auch bei der Bürgerversammlung. Deshalb sind diesmal zwei Stuhlreihen um sie herum aufgestellt, die übrigen Besucherinnen und Besucher sitzen etwas weiter entfernt an Tischen.

Oberbürgermeisterin Claudia Alfons hebt in ihrer Rede die Probleme der Stadtverwaltung hervor.
Oberbürgermeisterin Claudia Alfons hebt in ihrer Rede die Probleme der Stadtverwaltung hervor. (Foto: Falk Böckheler)

Während auf großen Leinwänden im Hintergrund immer neue Postkartenmotive von Lindau gezeigt werden, spricht Claudia Alfons zunächst über den städtischen Haushalt, dann aber sehr lang über die Stadtverwaltung.

Eine gute halbe Stunde geht es um große Herausforderungen wie Fachkräftemangel, zunehmende Bürokratie und das gesunkene Ansehen des öffentlichen Dienstes. Die Stadtverwaltung habe den „Willen und die Bereitschaft zur Veränderung und Modernisierung“, betont Alfons. „Wir lernen und verbessern uns.“

Als Beispiel nennt sie die Digitalisierung: Die einzelnen Ämter wollten den Bürgern die Möglichkeit geben, Anträge von Zuhause zu stellen. Doch von den 400 Serviceleistungen, die digitalisiert werden müssten, seien erst 20 Prozent geschafft. Das sei ein systematisches Problem, mit dem alle Kommunen zu kämpfen hätten. Sie bat die Bürger um Geduld, vor allem, wenn es im Zuge der Umstellung zu Ausfällen komme.

„Vorbehalte gegenüber Verwaltung prüfen“

Sie sollten ihre „Vorbehalte gegenüber der Verwaltung prüfen“, sagt Alfons. Auf Facebook oder in Leserbriefen würden Sachbearbeiter immer wieder an den Pranger gestellt, „Legendenbildung“ setze ein. Die Bürger sollten in die „Kompetenz und die Redlichkeit der Kollegen“ vertrauen. „Wir stehen in Ihrem Dienst“, sagt sie zu den Lindauern im Saal, weist aber auch auf ihre Fürsorgepflicht für die Beschäftigten der Stadt hin.

„Alltagsgeschäft“, Themen wie Kita Zech und Probleme bei der Kinderbetreuung, Bodenseeradweg, Lindauer Bahnknoten und Bahnhof Reutin, runden ihren Bericht ab.

Nach dem Power-Vortrag der Oberbürgermeisterin haben sich nicht nur viele der schönen Lindau-Bilder an der Wand wiederholt. Die ersten Zuhörer machen schlapp, einige verlassen bereits die Halle.

Viele Bürgerfragen zur kommunalen Wärmeplanung

Die musikalische Einlage von Kim Vogler und Marc Boye von der LUV-Band gibt Zeit zum Durchschnaufen. Mit zwei selbst komponierten Songs begeistern sie das Publikum.

Dann sind endlich die Bürger am Zug. Sie konnten im Vorfeld Fragen einsenden, aber auch am Abend selber Themen ansprechen, auf die sie Antworten suchen. Neben Dauerbrennern zum Wohnen, Parken und zum Bau der Mittelschule wollen viele Lindauer wissen, was die Stadt in Sachen kommunaler Wärmeplanung vorhat.

Bauamtsleiter Kay Koschka sagt, dass zunächst die energetische Stadtsanierung für die Insel angegangen werde. Was Seewärme angehe, sei er „optimistisch, dass es da einen Weg geben werde“.

Werden Erwartungen erfüllt?

Nach vier Stunden ist die Versammlung vorbei. Wurden die Erwartungen erfüllt? Viele neue Erkenntnisse habe er nicht bekommen, sagt ein Mann. Aber das sei bei diesem Format auch nicht zu erwarten gewesen. „Es war zu lang, ich bin jetzt völlig zugetextet“, lautet das Fazit einer Besucherin.