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„Demokratie verteidigen“

Demo gegen Rechts: Lindau wird laut und die Jugend noch mehr

Lindau / Lesedauer: 3 min

Rund 600 Menschen kommen am Freitagnachmittag zur Laufdemo und zur Kundgebung vor die Inselhalle. Warum diesmal so viele junge Menschen dabei sind.
Veröffentlicht:09.02.2024, 17:05

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Zur zweiten Demo gegen Rechtsextremismus haben sich am Freitagnachmittag rund 600 Menschen versammelt. Die Initiative ging von sieben Schülerinnen des Lindauer Valentin-Heider-Gymnasiums aus. Viele junge Menschen zeigten deshalb Flagge und protestierten gegen Rassismus, Intoleranz und "Remigration".

Unter dem Motto „Demokratie verteidigen - Hand in Hand gegen Rechtsextremismus“ stand die zweite Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Lindau. Es hätte aber auch heißen können: „Lindau wird lauter und die Jugend noch mehr.“

500 Menschen brechen zur Laufdemo auf

Das machte sich schnell bemerkbar - kurz nachdem die Laufdemo am Freitagnachmittag am Karl-Bever-Platz startete, wurde es bereits laut. Denn rund 500 Menschen marschierten nicht nur mit Plakaten und Bannern in Richtung Insel. Die Demonstration wurde auch von Musik und Megaphonen begleitet.

„Die AfD nervt mehr als Hausaufgaben“ stand auf dem Plakat von Klara, einer Sechstklässlerin am Lindauer Valentin-Heider-Gymnasium. Was sie damit ausdrücken wollte: Sowohl Hausaufgaben als auch die AfD seien blöd, aber: „Die Hausaufgaben bringen wenigstens noch etwas“, sagte sie.

Diese Aussage hätten die vorwiegend jungen Demonstranten wohl alle so unterstreichen können. „Wir müssen zeigen, dass die Mehrheit der Menschen gegen Rechts ist“, sagen die Schüler Emma Roither und Leopold Rüd.

Lehrerin freut sich über Initiative

Dass sich so viele Schüler so klar gegen Rassismus und Intoleranz positionieren, freute die Lehrerin Michaela Prussas. „So viele an einem Freitagnachmittag in Lindau, mega“, sagte sie. Vor allem war sie stolz, dass der Impuls der Demonstration von sieben Schülerinnen des Valentin-Heider-Gymnasiums ausging. „Das sind junge Damen mit Rückgrat. So etwas braucht die Welt“, lobte Prussas, die vor elf Jahren den Arbeitskreis „Schule mit Courage“ mit initiiert hatte.

Und getreu dem nichtoffiziellen Motto „Lindau wird lauter und die Jugend noch mehr“ ging es weiter, durch die Maximilianstraße, in der die Schülerinnen lautstark ihre Forderungen kundtaten, wie „Kein Mensch ist illegal - Bleiberecht überall“ oder „Nazis verpisst euch - keiner vermisst euch.“ Passend dazu erklangen aus den Lautsprechern Lieder, wie der Anti-Rechts-Song „Schrei nach Liebe“ von den „Ärzten“.

Kundgebung mit 600 Menschen vor Inselhalle

Die Kundgebung selbst begann nach der Laufdemonstration vor der Inselhalle. Dort zählte die Polizei rund 600 Menschen. „Es ist eine absolut friedliche Kundgebung“, bilanzierte Michael Jeschke, der Leiter der Lindauer Polizeiinspektion.

Solche Zusammenkünfte machen Mut, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

Katrin Dorfmüller

Bei der Kundgebung beeindruckte vor allem Charlotte Goldstein von den Lindauer „Omas gegen Rechts“ mit einer sehr persönlichen Rede. Sie erzählte, wie sie und ihre Familie selbst in den 1950er- und -60er-Jahren Ausgrenzung, Beschimpfungen und Isolation zu spüren bekamen, weil Goldsteins Vater Vietnamese war. „Das ist das Klima, das sich die AfD wünscht“, sagte Goldstein. „Aber - nicht mit uns.“ Gerade deshalb müssten die Proteste laut sein. Die Stadträtin und dritte Bürgermeisterin der Stadt Lindau, Katrin Dorfmüller (SPD), lobte den Protest: „Solche Zusammenkünfte machen Mut, dass sich Geschichte nicht wiederholt.“

Emily Maier, die Vertreterin der Jugend, ergänzte, es reiche nicht mehr aus nur gegen die AfD zu sein, sondern allgemein gegen rechte Politik und rassistisches Gedankengut.

Die engagierte Schülerin Kéren Kitugunuka forderte „gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen“. Oder in ihren eigenen Worten: „Lindau wird lauter und die Jugend noch mehr.“

Charly Schweizer, der die erste Demonstration in Lindau organisiert hatte, hob deshalb auch das Engagement der sieben Schülerinnen hevor: „Ein riesiges Lob an die Schülerinnen und die Unterstützer, wie sie das alles organisiert haben.“

Karl Frierson singt vor der Inselhalle

Der Sänger Karl Frierson, der „Opa für den Frieden“, wie er sich selbst bezeichnete, sang zum Abschluss noch Lieder und stimmte am Mikrofon „Keine Bühne für Rassismus“ an.

Und so zog die Schülerin und Sprecherin der Demonstration, Merit Holz, ein zufriedenes Fazit: „Wir bleiben zusammen, wir bleiben laut.“ Eben ganz dem inoffiziellen Motto der Kundgebung gegen Rechts.