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Therme

Bund Naturschutz wirbt neue Mitglieder

Lindau / Lesedauer: 4 min

Sie dürfen nicht über Klage gegen Therme abstimmen – Vor dem Bürgerentscheid hat es Aus- und Eintritte gegeben
Veröffentlicht:14.08.2017, 20:36

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Der Lindauer Bund Naturschutz (BN) wirbt seit Montag neue Mitglieder. Laut Kreisvorsitzendem Erich Jörg dürfen sie in zehn Tagen allerdings nicht darüber abstimmen, ob der BN gegen die Therme klagt oder nicht. Das dürfen nur Mitglieder, die spätestens bis zum 10. August beigetreten sind. „Alles, was danach ist, könnte strategisch sein“, sagt Jörg.

Er möchte nicht, dass jetzt Leute in den BN eintreten, nur, um eine Klage gegen die Therme zu verhindern oder voranzutreiben, erklärt Jörg im Gespräch mit der LZ. Dass die Mitgliederwerbung nur wenige Tage nach der Einladung zur Abstimmung beginne, sei Zufall. „Die Aktion ist seit einem dreiviertel Jahr geplant.“

Seit Montag ist ein „Werber-Team“ aus Studenten im Kreis unterwegs, gut zu erkennen an weißen T-Shirts mit BN-Aufdruck. „Der BN möchte mit dieser Aktion viele Menschen erreichen und neue Mitglieder und Förderer gewinnen“, heißt es in einer Pressemitteilung des BN. Laut Jörg gibt es solche Werbeaktionen alle drei Jahre, den organisatorischen Hut habe dabei nicht der Kreis-, sondern der Landesverband auf. „Wir haben die jungen Leute mit der Thermen-Thematik vertraut gemacht und sie auf mögliche Fragen vorbereitet“, so Jörg.

Etwa zehn Mitglieder sind wegen der Therme ausgetreten

Der Kreisvorsitzende räumt ein, dass vor dem Bürgerentscheid über die Therme etwa zehn Mitglieder – darunter zwei Stadträte – aus dem BN ausgetreten sind, weil sie dessen Haltung in Sachen Therme nicht mittragen wollten. „Aber es sind in dieser Zeit etwa gleich viele Leute eingetreten, weil sie es gut fanden“, so Jörg.

Der BN finanziert sich fast ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden und verzichtet bewusst auf Sponsoren aus der Wirtschaft. „Nur so können wir uns ehrlich und authentisch für Natur und Mensch in Bayern stark machen“, sagt Jörg.

Wie berichtet sollen am 24. August alle, die spätestens seit dem 10. August 2017 Mitglied des BN sind, darüber abstimmen, ob der Verband Klage gegen die Therme einreicht oder nicht. „Die Kosten für den Gerichtsweg – der BN ist klageberechtigt – werden bei einer Niederlage zwischen 20 und 30 000 Euro liegen. Dies hängt davon ab, welche Gutachten gefordert werden und ob ein Eilverfahren notwendig sein wird“, heißt es im Einladungsschreiben des BN an seine Mitglieder. Der Landesverband habe zugesagt, die Hälfte der Kosten zu tragen, die andere Hälfte der Kosten will der BN selbst finanzieren – durch Spenden und Mitgliedsbeiträge. Doch auch das sei nicht der Grund für eine Mitgliederwerbung zu diesem Zeitpunkt, betont Jörg. „Aber eine Klage kann auch Naturschutzarbeit sein.“ Im Gespräch mit der LZ erzählt Jörg, dass er sich viele Gedanken darüber gemacht habe, ob der BN gegen die Therme klagen solle oder nicht. „Ich stand noch nie vor einer solchen Entscheidung“, sagt er. Ihm sei die Gemengelage in dieser Angelegenheit durchaus bewusst. Auch deswegen habe er sich dazu entschieden, die Klage zur Diskussion zu stellen und die BN-Mitglieder darüber abstimmen zu lassen.

Werber-Team nimmt keine Geldspenden an

Geldspenden nimmt das „Werber-Team“ des BN nicht entgegen. Die jungen Leute sind laut Mitteilung aber bestens über den BN im Landkreis informiert und möchten dies an die Menschen vor Ort weitergeben. Und dabei geht es keineswegs nur um die Therme: Laut Geschäftsstellenleiterin Claudia Grießer gibt es im Kreis viel zu tun. „Die Vielfältigkeit der Natur- und Kulturlandschaft erstreckt sich vom Bodenseeufer bis zum Westallgäu und ist geprägt durch Streuobstwiesen, Streuwiesen, Weiher und Moore. Hier engagieren wir uns in der Biotoppflege, mit unserem Streuobstapfelsaftprojekt oder der Gebietsbetreuung Moore, Tobel, Bodenseeufer“, schreibt sie. Ebenso sei die Kreisgruppe des BN in der Umweltbildung mit Kindern und Jugendlichen und im Amphibienschutz mit vielen Helfern aktiv. Mit dem Interregio-Projekt „Kleingewässer für die Bodenseeregion“ setze sie sich beispielsweise sowohl für den Erhalt von Kleingewässern, als auch für die Schaffung neuer Biotope ein.

Auch wenn die neugewonnenen Mitglieder am 24. August nicht mit abstimmen dürfen – zur Diskussionsveranstaltung im Köchlin sind sie, ebenso wie alle anderen Lindauer, eingeladen. „Die Veranstaltung ist öffentlich“, so Jörg. Ob die Stimmung unter den BN-Mitgliedern eher für oder eher gegen eine Klage ist, könne er nicht sagen. Eine Prophezeiung wagt er dann aber doch: „Wenn es für eine Klage ausgeht, dann wird die Stadt wohl aus dem BN austreten.“