StartseiteRegionalRegion LindauLindauBeim Musikverein Oberreitnau geben Frauen den Ton an

Neuheit

Beim Musikverein Oberreitnau geben Frauen den Ton an

Lindau / Lesedauer: 4 min

Der MVO wird seit kurzem ausschließlich von jungen Frauen geführt. Sie wollen zeigen: Blasmusik geht auch in cool.
Veröffentlicht:13.02.2024, 05:00

Artikel teilen:

Sie geben im Musikverein Oberreitnau den Ton an: Manuela Reischmann, Stefanie und Melanie Mayer sind die neuen Vorstände. Damit sind die Oberreitnauer eine der wenigen Musikkapellen im Landkreis, die ausschließlich von jungen Frauen geführt wird. Was das Frauen-Trio vorhat - und wie es für frischen Wind in dem 200-jährigen Verein sorgen will.

Aufgedrängt haben sie sich nicht. Als klar war, dass Jürgen Mayer nach 25 Jahren als Vereinsvorstand einen Generationenwechsel einleiten will, ging die Suche nach Nachfolgern los. Doch die war zäh, wie Stefanie Mayer verrät: „Wir haben über ein Jahr gesucht.“ Immer wieder seien verschiedene Konstellationen durchgespielt worden.

Nachdem sich Manuela Reischmann zum Weitermachen entschieden hatte, sagten auch Stefanie und Melanie Mayer zu. Warum? Da muss Stefanie Mayer nicht lange überlegen: „Weil mir der MVO am Herzen liegt.“

Von Geburt an mit dem MVO verbandelt

Sie und ihre Schwester Melanie sind schon von Geburt an mit ihm verbandelt. Ihr Vater Jürgen Mayer hat ihnen vorgelebt, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen. Dass es Spaß macht, miteinander zu musizieren und eine tolle Gemeinschaft zu haben, haben sie von Klein auf erfahren. Und dass man miteinander viel bewegen kann.

Die Oberreitnauer Musikanten sind froh, dass sich jemand für dieses Amt gefunden hat. Dass nun drei junge Frauen den Verein anführen, „finden alle gut“, sagt Stefanie Mayer. Gemecker hätten die Frauen auch nicht akzeptiert. Denn schließlich habe sich „von den Männern niemand dazu berufen gefühlt“, stellt Manuela Reischmann klar.

Drei Frauen - eine Mission

Ob sie nun Querflöte, Oboe oder Posaune spielen: In den meisten Musikkapellen finden sich viele Frauen. „Ich kenne aber keinen Verein, der drei Frauen an der Spitze hat“, sagt Reischmann.

Und schon gar nicht so junge. Melanie Mayer, die gern auf die Pauke haut und Schlagzeug spielt, ist 27 Jahre, ihre Schwester Stefanie 30 Jahre alt. Die Erfahrenste unter ihnen ist Manuela Reischmann, aber auch sie ist U40.

Das Trio führt einen 200 Jahre alten Verein in die Zukunft. Ihm gehören 56 Frauen und Männer von 17 bis 66 Jahren an. Für Melanie Mayer macht auch das den Reiz aus: „Es ist schön, dass man trotzdem gemeinsam Spaß haben kann.“

So kann die Arbeit verteilt werden

Organisatorisch fühlen sich die Frauen gut aufgestellt. „Kurze Wege sind wichtig“, weiß Manuela Reischmann, die auf Digitalisierung setzt. Die Schwestern sehen sich ohnehin oft, und mit WhatsApp sei „vieles gleich geschwätzt“, sagt sie. Und in eine Cloud, so ist der Plan, sollen künftig alle wichtigen Infos eingestellt werden - damit jeder aus der Vorstandschaft Zugriff hat.

Die Arbeit soll nicht nur an den drei Frauen hängenbleiben. „Teambasierte Vorstandschaft“ lautet das Zauberwort. Demnach sollen sich zukünftig feste Experten-Teams um bestimmte Bereiche wie beispielsweise Veranstaltungen oder Musik kümmern. „Dadurch soll die Arbeit besser verteilt werden“, sagt Stefanie Mayer.

„Wir sind eine coole Truppe und passen gut zusammen“, sagt sie zu der Vorstandschaft, die sich sehr verjüngt habe. Da Jürgen Mayer als Beisitzer noch dabei ist, bleibt wichtiger Erfahrungsschatz erhalten: „Es ist gut, ihn als Backup zu haben“, da sind sich alle einig.

Blasmusik geht auch in cool.

Melanie Mayer

Von wegen verstaubt: Blasmusik liege voll im Trend, sagen die Vorständinnen. Das hätten das volle Zelt und die Gaudi beim Bezirksmusikfest in Unterreitnau gezeigt. Live hören sie alle gern Blasmusik. „Es macht gute Laune“, findet Stefanie Mayer, die damit Kindheitserinnerungen verbindet - und „ein gutes Gefühl“.

„Blasmusik geht auch in cool.“ Das will Melanie Mayer zeigen. Dass frischer Wind beim MVO eingezogen ist, beweist der Instagram-Kanal. Melanie Mayer postet dort „lustige Sachen“ rund ums Musikantendasein: Die kurzen Videos verbreiten nicht nur gute Laune, sie werden auch teils tausendfach geklickt.

Das ist die größte Herausforderung

Ganz oben auf der Agenda des neuen Führungstrios steht eine echte Herausforderung: die Dirigentensuche. Peter Klemisch wird nach dem Frühlingskonzert am 13 . April als Dirigent aufhören. „Es wäre toll, wenn wir dann schon einen neuen Namen bekanntgeben können“, sagt Reischmann. Doch bislang sieht es noch nicht danach aus, obwohl der Suchradius bis nach Österreich erweitert wurde. Das Problem: „Es suchen viele Kapellen Dirigenten.“

Es ist dem neuen Führungstrio aber auch ein Anliegen, wieder mehr für die Gemeinschaft zu tun. Auftritte machten zwar Spaß, seien aber auch mit viel Arbeit verbunden. „Da soll es auch eine Belohnung geben“, sagt Stefanie Mayer und denkt dabei an gemeinsame Ausflüge.

Und dann ist das noch was, was die drei Frauen umtreibt. Nachdem der MVO das Bezirksmusikfest 2021 - nach zwei Jahren Vorbereitung - wegen Corona absagen musste, würden sie gern mal wieder „etwas Größeres“ auf die Beine stellen. Am liebsten eine richtig fette Party für die jüngere Generation.