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120 Haushalte warten noch auf Wohngeld

Lindau / Lesedauer: 2 min

Der Landkreis Lindau hat seit einem Jahr mit den Auflagen der „Wohngeld Plus“-Reform zu kämpfen. Wie lange Antragsteller warten müssen.
Veröffentlicht:09.02.2024, 05:00

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Was normalerweise einige Wochen dauert, nimmt im Landkreis Lindau aktuell fünf Monate in Anspruch, in München sogar bis zu zwei Jahre: die Beantragung des neuen Wohngelds, das eigentlich mehr Hilfe für mehr Haushalte bringen sollte.

Doch die Wohngeldreform mit dem Namen „Wohngeld Plus“, die Anfang des vergangenen Jahres von der Bundesregierung in Kraft gesetzt wurde, droht an mehreren Stellen zu scheitern. Hoher bürokratischer Aufwand und Fachkräftemangel werden vielerorts als Gründe für die extremen Verzögerungen bei der Bearbeitung der Anträge genannt.

Rahmenbedingungen haben sich geändert

So auch im Landkreis Lindau. „Durch die Gesetzesreform haben sich die Rahmenbedingungen für den Bezug von Wohngeld verändert“, erklärt Sibylle Ehreiser, Pressesprecherin des Landratsamts.

Durch „Wohngeld Plus“ haben nämlich bundesweit etwa zwei Millionen Bürgerinnen und Bürger Anrecht auf die Unterstützung. Das sind etwa dreimal so viele als zuvor. Laut Bundesregierung richtet sich der Zuschuss an Haushalte, „deren Einkommen knapp oberhalb der Grundsicherungsgrenze liegt“.

1810 Anträge sind eingegangen

1810 Anträge sind im vergangenen Jahr im Landkreis Lindau eingegangen - und damit über 500 mehr als 2021. Außerdem ist das neue Wohngeld deutlich höher: Antragsteller bekommen etwa doppelt so viel Geld.

Das Landratsamt habe in „sehr kurzer Zeit“ nicht nur seinen Wissensstand aktualisieren, sondern auch mehr Fachkräfte einstellen müssen, sagt Sprecherin Ehreiser. Die Einarbeitung der neuen Mitarbeiter habe zusätzliche Zeit gekostet, die für Verzug sorgte. „Außerdem erhalten wir laufend neue Anträge“, erklärt sie. Allein im Januar 2024 seien etwa 150 Anträge verschickt worden.

In Kempten haben 1200 Menschen Recht auf Wohngeld

Zum Vergleich: In der Stadt Kempten haben laut BR 1200 Menschen ein Recht auf Wohngeld, 200 warten aktuell noch auf ihren Bescheid. In Nürnberg hat sich die Zahl der berechtigten Haushalte nach der Reform auf gut 28.000 verdoppelt. Diese warten aktuell sechs bis neun Monate auf ihren Bescheid - allerdings mit absteigender Tendenz.

Die Lindauer Kreisbehörde arbeitet seit vergangenem Jahr daran, die Rückstände „nach und nach“ abzuarbeiten. Durch eine Aufstockung beim Personal habe man die Zahl der ausstehenden Anträge von 400 auf etwa 120 reduzieren können.

Fünf Monate Wartezeit

Diese 120 Haushalte müssen aktuell mit einer Wartezeit von fünf Monaten rechnen. „Die Berechnung des Wohngeldes ist eine sehr komplexe, aufwendige Einzelfallprüfung und hängt von vielen Faktoren ab“, erklärt die Pressesprecherin.

Berücksichtigt werden dabei die Anzahl der Haushaltsmitglieder sowie die der Einkommensbezieher. Außerdem wird die Höhe des anzurechnenden Einkommens und der zuschussfähigen Miete oder Belastung miteinbezogen.

Die Bürokratie macht dem Landratsamt zu schaffen. Sollten Unterlagen fehlen, wird die betroffene Person nach ihrer Antragsstellung erstmals angeschrieben. 2021 wurden 516 solche Schreiben verschickt, 2023 hat sich die Zahl drastisch erhöht - auf insgesamt 1390 Schreiben.