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„Wir bewahren im Ehrenamt unersetzliche Schätze für die Gemeinde“

Hergensweiler / Lesedauer: 3 min

Es ist sicher, dass der Heimatverein Hergensweiler Räumlichkeiten im neu zu bauenden Rathaus erhält. Für die Mitglieder des Vereins schien nach der Gemeinderatssitzung vom 19.
Veröffentlicht:12.02.2024, 14:25

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Es ist sicher, dass der Heimatverein Hergensweiler Räumlichkeiten im neu zu bauenden Rathaus erhält. Für die Mitglieder des Vereins schien nach der Gemeinderatssitzung vom 19. Oktober alles klar. Was nun anders ist, und warum Georg Betz der Vereinsvorsitzende des Heimatvereins darum bittet, dass Räte und Bürgermeister mit dem Verein auf Augenhöhe verhandeln.

Die Planung des neuen Rathauses bleibt ein Abenteuer. Architekt Christian Aucherbach hatte zur Ratssitzung im Oktober die angepassten Pläne vorgestellt, in denen es auf vielfältigen Wunsch keine moderne Optik, sondern eine geschindelte Fassade gibt. Zudem wurde vereinbart, dass nicht mehr als zwei Wohnungen in das Gebäude geplant werden sollen, weil sonst rechtlich ein Aufzug nötig wäre. Es war eine große Vierraumwohnung im Obergeschoss 102 Quadratmetern und eine Dreiraumwohnung mit 90 Quadratmetern im Dachgeschoss geplant - in dieser Variante waren im Obergeschoss 59 Quadratmeter und im Dachgeschoss 49 Quadratmeter, als „stille Platzreserve für Verwaltung und Vereine“ so Auerbach, entstanden, die unter anderem dem Heimatverein zu Verfügung stehen könnten.

Es folgte direkt eine angeregte Diskussion der Gemeinderäte, die teilweise die große Platzreserve als Geld- und Platzverschwendung sahen, und lieber doch drei bis vier Wohnungen einplanen wollten, wenn dadurch auch ein Aufzug gesetzlich erforderlich wäre. Der Heimatverein könnte dann im Untergeschoss seine Räumlichkeiten erhalten, die über Tageslicht verfügen. Gemeinderätin Constanze Heim allerdings sprach sich mehrmals vehement dafür aus, dem Heimatverein oberirdische Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Bürgermeister Wolfgang Strohmaier betonte, dass wie auch immer klar sei, dass es im neuen Rathaus geeignete Räume für den Heimatverein geben müsse. Er würdigte auch die Leistung der Mitglieder des Heimatvereins, die sich ehrenamtlich um Eigentum der Gemeinde kümmern.

Georg Betz, Ortsheimatpfleger und Vorsitzender des Heimatvereins Hergensweiler, der in der Sitzung das Rederecht erhielt, erklärte die Notwendigkeiten: Im Obergeschoss im Rathaus lagern derzeit unter anderem 30.000 Karten der Exponate, die in naher Zukunft digitalisiert werden müssen. „Wir brauchen ausreichend Raum für unsere Heimatstube, wir brauchen Arbeits- und Lagerräume, die klimatisiert und temperiert sind, damit die Exponate fachgerecht gelagert werden können, und nicht zu schimmeln beginnen.“

Architekt Auerbach verließ die Sitzung mit dem Auftrag zur Umplanung. Das Ergebnis stellte Wolfgang Strohmaier dem Gemeinderat in der ersten Sitzung im neuen Jahr vor: Vier Wohnungen, und die Räumlichkeiten für den Heimatverein sind laut Plan komplett im Untergeschoss. In einer neuerlichen Diskussion kristallisierte sich das Unbehagen einiger Gemeinderäte heraus. Constanze Heim sagte, sie habe mit Mitgliedern des Vereins gesprochen. Diese sehen das Untergeschoss als Keller- und Lagerraum, nicht für Sitzungen. Auch Martin Heimpel vermisste den Platz für die Heimatstube in einem der oberen Stockwerke im neuen Plan. Er ist dafür, auf den Heimatverein zuzugehen und im Dialog dessen Wünsche zu klären.

Einige Gemeinderäte waren mit der aktuellen Planung dagegen sehr zufrieden und sprachen sich dafür aus, sie so auch umzusetzen - stellten mehr Wohnraum vor unbezahlte Flächen. Das Gremium beschloss die aktuellen Änderungen und beauftragte die Verwaltung, die Baugenehmigung zu beantragen.

Sehr zur Überraschung von Georg Betz, der in der folgenden Bürgerfrageviertelstunde aufgebracht das Wort ergriff. Er habe in Erinnerung, dass in der Planung im Oktober für den Heimatverein noch im Ober- oder Dachgeschoss Räume besprochen waren, und nun landen sie gänzlich im Untergeschoss. Enttäuschung und Empörung waren ihm deutlich anzumerken. „Die Gemeinderäte und der Bürgermeister müssen sich fragen, ob sie ein Mehrfamilienhaus bauen, oder ihre Pflichtaufgaben erfüllen“, sagte er. Er merkte noch einmal an, dass der Heimatverein im Ehrenamt diese historischen Werte für die folgenden Generationen bewahre, die der Gemeinde gehören. Georg Betz verlieh diesen Worten in einem offenen Brief des Vereinsvorstands Ausdruck, in dem der oben beschriebene Sachverhalt schriftlich festgehalten ist, und Bürgermeister und Gemeinderäte aufgefordert sind, auf Augenhöhe mit dem Verein zu sprechen.