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Rathaussturm

Närrische Sehnsucht nach dem Bürgermeister: Warum der schon wieder fehlt

Hergensweiler / Lesedauer: 3 min

Auch dieser Rathaussturm findet ohne Wolfgang Strohmaier statt. Über eine verpasste Nackenmassage und einen Marienkäfer im Kampfmodus.
Veröffentlicht:09.02.2024, 11:10

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Am Gumpigen Donnerstag haben die Narren in Hergensweiler die Regentschaft übernommen. Bis zum Aschermittwoch ist die Gemeinde nun fest in Narrenhand. Nach dem Rauswurf aus dem Rathaus und einer närrischen Gemeinderatssitzung haben Narren und Räte gemeinsam gefeiert und getanzt.

Es ist dunkel vor dem Rathaus. Nur aus dem Fenster im Besprechungsraum dringt Licht. Hier haben sich die Gemeinderäte verschanzt. Schön geschminkt, aber das wird ihnen nichts nutzen - die Narren können sie nicht an der Nase herumführen.

Lieblascheller und Degermooslätsche im Einsatz.
Lieblascheller und Degermooslätsche im Einsatz. (Foto: sd)

Draußen versammeln sich Lieblascheller, Degermooslätsche und die ersten Zaungäste um den Narrenbaum. Heuer steht er bereits, weil die Weißnarrenzunft ihn in der vergangenen Woche zu ihrem Laternensprung aufgestellt hat. Bis Aschermittwoch ist er sichtbares Zeichen dafür, wer in Hergensweiler derzeit das Sagen hat. Temperamentvoll erklingen jetzt die fetzigen Rhythmen der Lumpenkapelle Westallgäu (LKW), die sich dem Rathaus nähert. Dazwischen ertönt unheimlich das Horn des Nachtwächters der Narrenzunft.

„Es ist an der Zeit, dass wir für Ordnung sorgen“

Verena Stocker, Zunftmeisterin der Weißnarrenzunft Hergensweiler, und ihr Vize Ralf Ehrle begrüßen ihre Narren, die LKW und das Publikum. Sekunden später fordert sie: „Es ist an der Zeit, dass wir für Ordnung sorgen. Liebe Narren, holt die Gemeinderäte raus!“ Das lassen sich die Lieblascheller und die Degermooslätsche nicht zweimal sagen. Mit Geschrei stürmen sie das Rathaus.

Vor dem Rauswurf bekommt Sibylle Englmann von einem Degermooslätsche eine Nackenmassage.
Vor dem Rauswurf bekommt Sibylle Englmann von einem Degermooslätsche eine Nackenmassage. (Foto: sd)

Erstmal großes Rätselraten - denn bereits zum zweiten Mal in Folge wird in Hergensweiler das Rathaus ohne das Gemeindeoberhaupt gestürmt. „Moment mal, wo ist denn eigentlich der Bürgermeister?“, fragt Ralf Ehrle. Verena Stocker antwortet „du meinst wohl, wo ist er schon wieder?“ Nun könnte man die Klagen der Narren positiv gedacht als Sehnsucht auslegen. Der Bürgermeister fehlt seiner Gemeinde eben, bei so einer wichtigen Veranstaltung. Auch wenn er von seiner charmanten Vizechefin würdig vertreten wird.

Marienkämpfer im Kampfmodus

Sibylle Englmann wehrt und sträubt sich ganz vortrefflich als wäre sie ein störrischer Esel und kein niedlicher Marienkäfer, als die Narren sie aus dem Rathaus bugsieren. Mit Zähnen verteidigt sie danach in einem Gerangel den Rathausschlüssel, um sich dann aber doch den Narren friedlich zu ergeben.

Die Narren marschieren vors Rathaus.
Die Narren marschieren vors Rathaus. (Foto: sd)

Aber - das betonen die Narren an diesem Abend permanent - sie hätten den besonderen Abend des Rathaussturms doch gerne mal mit dem Rathauschef Wolfgang Strohmaier gefeiert. Der übrigens im vergangenen Jahr krank war und sich dieses Jahr in unaufschiebbarem Familienurlaub befinde. Beides mal entschuldigt.

Verpasste Nackenmassage

Wäre er mal besser da gewesen - er verpasst die Nackenmassage, die an seiner Stelle Sibylle Englmann von einem Degermooslätsche bekommt, bevor er sie aus dem Rathaus zerrt. Begleitet von der LKW - also mit Pauken und Trompeten - und von einer beachtlichen Menge an Zaungästen, führen die Narren mit viel Schellengeläut die abgesetzten Räte in einer feierlichen Fackelwanderung zum alten Feuerwehrhaus, das die Zunftstube der Narren beherbergt.

Erinnerungslücken und fehlendes Besteck

Bevor die Sitzung beginnt, tanzen die ab sofort beurlaubten Gemeinderäte ausgelassen zur Musik der LKW. Wehe, wenn sie losgelassen. In der närrischen Sitzung macht die Zunftspitze ihrem Unmut Luft. Es heißt unter anderem, dass Bürgermeister Strohmaier zwar ein offenes Ohr für sie habe, dass man ihn aber immer wieder erinnern müsse, wenn man ein Anliegen an ihn habe. Außerdem hätten die Narren zum Jubiläum des Kindergartens gern ein großes Fest gefeiert. Aber nicht unbedingt in der Leiblachhalle deren Küche nach wie vor unvollständig sei. „Besteck, Mülleimer muss man zum Beispiel selbst mitbringen.“

Dem Ende zu wird die Zunftmeisterin versöhnlich und positiv. Sie dankt der Feuerwehr für die Unterstützung bei Veranstaltungen und der Bürgerschaft fürs fröhliche Mitfeiern. „Im Großen und Ganzen geht es uns in Hergensweiler doch gut. Auch wenn es manchmal umständlich ist, letzten Endes kommen wir auf den richtigen Weg.“