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Kalter Winter

Weil die Wärmepumpe streikt: „Ich dusche mich durch die Nachbarschaft“

Bodolz / Lesedauer: 4 min

Fünf Wochen fällt die Heizung von Miri Haddick aus. Doch Hilfe zu bekommen, ist nicht einfach. Über eine Heizungsodyssee im Winter - und deren Gründe.
Veröffentlicht:24.01.2024, 17:53

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Miri Haddick duscht seit Wochen in der Nachbarschaft. Sie hat keine andere Wahl: Seit Weihnachten streikt ihre Wärmepumpe, Wasser und Heizung sind kalt. Doch schnelle Hilfe ist nicht in Sicht.

Miri Haddick heizt schon seit 20 Jahren mit Erdwärme. „Das hat immer gut funktioniert“, sagt die Landschaftsarchitektin und Künstlerin aus Bodolz.

Doch am 20. Dezember hat Haddick kein warmes Wasser mehr zum Spülen. Als die Anlage eine Störung zeigt, denkt sie: „Vor Weihnachten ist das ein Albtraum.“ Dass der viel länger dauern sollte als die Feiertage, ahnt sie da noch nicht.

Ich war schon froh, wenn sie zuhören.

Miri Haddick

Also ruft sie den Installateur an, der ihre Heizung bislang betreut hat. Doch der verweist sie an die Firma, die die Wärmepumpe eingebaut hat. Die schickt dann am 21. Dezember einen Handwerker und versucht Viessmann, den Hersteller der Wärmepumpe, zu erreichen.

Ohne Erfolg: Bis der Monteur die Gerätenummer eingetippt habe, sei er schon wieder aus der Telefonleitung gefallen. Er habe dann versprochen, nach Weihnachten bei Viessmann ein „Ticket“ zu lösen.

So lange will Miri Haddick nicht frieren. Also klappert sie telefonisch Lindauer Heizungsfirmen ab. „Ich war schon froh, wenn sie zuhören“, erzählt sie frustriert. Denn es hagelt Absagen: „Weil sie entweder keine Leute dafür haben oder sagen, sie können es nicht.“ Haddick: „Es ist schlimm, dass es scheinbar keiner kann und darf.“

Bei der Firma Strass in Lindau hat sie Erfolg. Geschäftsleiter Peter Fechner schickt einen Mitarbeiter, der eine erste Fehlerdiagnose stellt. Da er davon ausgeht, dass ein Ersatzteil benötigt wird, kommt auch er an Viessmann nicht vorbei - und beauftragt den Kundendienst.

Freunde bringen Holz vorbei

Inzwischen ist klar, dass über die Feiertage nichts passieren wird. Zum Glück hat Miri Haddick einen Schwedenofen im Wohnzimmer. Auch, wenn sie diesen bisher nicht genutzt hat: Er funktioniert. Freunde bringen Holz vorbei, an Silvester bekommt sie ihre erste eigene Lieferung.

Im Bad sind es nur 14 Grad. Duschen muss sie in der Nachbarschaft. Miri Haddick sehnt sich nach ihrem heimeligen Zuhause zurück.

Doch der Kundendienst lässt sich nicht blicken. Auch nach mehrmaligem Nachhaken von Miri Haddick rührt sich Viessmann nicht. Kein Rückruf, keine Terminvereinbarung. Miri Haddick hängt in der Luft. Vier Wochen lang.

Wartezeiten von vier bis fünf Wochen

Ein Einzelfall? Für Peter Fechner, Geschäftsleiter der Firma Strass, nicht. Wartezeiten von vier bis fünf Wochen seien bei Problemen mit Wärmepumpen inzwischen üblich - und zwar unabhängig vom Hersteller. Meist sei das nicht so dramatisch, weil viele Kunden eine Notheizung hätten, die einspringe.

Doch auch für ihn als örtlicher Handwerker sei die Kommunikation mit dem Hersteller „nicht zufriedenstellend“, wenn man eine technische Frage habe oder einen Auftrag. Das gelte nicht nur für Viessmann. „Alle Hersteller haben Probleme mit dem Service“, sagt er - und erklärt das mit dem Mangel an Fachkräften.

Düstere Prognose

Das bestätigt auch Innungsobermeister Michael Filser aus Weiler. Seine Prognose ist düster: „Nächsten Winter werden einige Anlagen nicht warm werden, weil Personal fehlt.“ Bei Handwerksbetrieben, aber auch bei großen Firmen wie Viessmann.

Bei einer 20 Jahre alten Anlage habe Haddick keine Garantie und keine Gewährleistung mehr, stellt Filser klar. Sie müsse auf das Wohlwollen der Handwerksbetriebe hoffen. Doch die würden sich meist eher auf ihre eigenen Kunden konzentrieren, als sich um Notfälle von Nicht-Kunden zu kümmern. Das sei verständlich: „Man kann sich nicht zerreißen.“

Das Problem bei der Reparatur von Wärmepumpen

Doch neben dem Fachkräftemangel liege das Problem auch in der Wärmepumpentechnik begründet, erklärt Fechner. Heizungs- und Sanitärtechniker seien auf fossile Wärmeerzeuger geschult. „An Gas- und Ölheizungen können wir viel machen“, sagt er. Bei der Wärmepumpe, die eine kleine Kältemaschine sei, sehe das anders aus. Kurzum: „Wir können Wärmepumpen einbauen, aber nur teilweise reparieren.“

Wenn der innere Kreislauf, also der Kältekreis, defekt ist, sei das nicht das Metier des Heizungsbauers, bestätigt Innungsobermeister Filser. „Darum machen das viele nicht.“ Dann brauche man den Hersteller - und „dann warten wir“.

Was sagt die Firma Viessmann dazu?

„Normalerweise dauert es nicht so lange“, versichert Alexander Sauerwein, Kundenbetreuer von Viessmann in Meßkirch, auf Anfrage der Lindauer Zeitung. Der Fall von Miri Haddick tue ihm leid. Er könne sich das nur mit einem Systemfehler in der Verarbeitung der Auftragsmeldung erklären, sagt er - und verspricht rasche Hilfe in Form eines Technikers.

Der kommt zwei Arbeitstage nach dem Anruf der LZ tatsächlich. Und er kann helfen: Die Anlage habe ein Leck gehabt und Kühlmittel sei ausgelaufen, erklärt Haddick. Das Leck ließe sich löten, doch langfristig brauche sie einen neuen Kompressor oder sogar eine neue Anlage.

Im Moment kann sie aufatmen. Die Wärmepumpe läuft wieder. Das erste, was Miri Haddick nach fünf Wochen frieren gemacht hat, ist daheim zu duschen. „Das war ein besonderer Genuss.“