Umfrage

Schrecken der Inflation? - Jeder Vierte fürchtet keinen finanziellen Engpass

Ravensburg / Lesedauer: 4 min

Eine Online-Umfrage der Schwäbischen Zeitung zeigt, dass sich ein Viertel der Bundesbürger nicht vor finanziellen Schwierigkeiten durch gestiegene Preise sorgen. Ein Bereich spielt gar keine Rolle.
Veröffentlicht:26.11.2022, 05:00
Aktualisiert:26.11.2022, 09:50

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Über 5000 Antworten der Umfrage hat das digitale Markt- und Meinungsforschungsinstitut Civey ausgewertet. In der Befragung, die zwischen dem 18. Und 22. November durchgeführt wurde, wurde deutlich, dass sich viele Bundesbürger über 18 Jahren wenig Sorgen vor finanziellen Nöten durch Preissteigerungen machen.

Am meisten bereiten die gestiegenen Kosten im Bereich Strom und Gas den Menschen Kopfzerbrechen. Gut 31 Prozent in Bayern und 28 Prozent in Baden-Württemberg sehen hier eine Möglichkeit, durch die gestiegenen Kosten in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten. Beim Gas liegen Bewohner Thüringens ganz vorne. Hier sind es 31 Prozent.

Kaum Sorgen über Geldknappheit machen sich Menschen in Nordrhein-Westfalen. 29 Prozent der Umfrage-Teilnehmer aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland sehen für sich keine finanziellen Schwierigkeiten in den genannten Bereichen. Damit liegen die Bürgerinnen und Bürger knapp 4 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt (25 Prozent) der Ergebnisse.

Neben Strom und Gas wurden auch die Bereiche Nahrungsmittel, Mobilität (z. B. Sprit) und Bekleidung abgefragt. Mit 13 Prozent liegen hierbei die gestiegenen Kosten bei den Nahrungsmitteln noch vorne. Mobilität (9 Prozent) bereitet nur knapp einem von 10 Befragten Sorgen. Kaum eine Rolle spielen gestiegene Kosten im Bereich Bekleidung. Nur 1 Prozent sehen hier finanzielle Schwierigkeiten auf sich zukommen.

Wie ist die Lage im Südwesten

Der Südwesten zählt bekanntermaßen zu den Regionen in Deutschland, in der es den Menschen besser geht als im direkten Vergleich mit anderen Bundesländern. Starke Wirtschaft und eine niedrige Arbeitslosenquote geben den knapp 11 Millionen Menschen in Baden-Württemberg ein sicheres Gefühl.

Daher ist es wenig verwunderlich, dass sich hier etwas mehr als ein Viertel der Menschen kaum Sorgen machen über die gestiegenen Preise. Der Südwesten liegt hier sogar einen Prozentpunkt über dem Bundesdurchschnitt. Immerhin 28 Prozent sorgen sich vor gestiegenen Kosten im Bereich Strom. Etwa 18 Prozent befürchten durch Preissteigerungen beim Gas in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten.

Ähnlich wie im bundesweiten Ergebnis schneiden die Bereiche Mobilität (10 Prozent), Nahrungsmittel (13 Prozent) und Bekleidung (1 Prozent) ab. Diese liegen allesamt auf den hinteren Rängen.

Besonders bei Älteren sticht ein Wert hervor

Die Generation der über 65-Jährigen scheint dem Umfrageergebnis nach am wenigsten Sorgen zu haben. 30 Prozent der Befragten aus dieser Altersgruppe gibt an, sich in keinem der genannten Bereiche Sorgen zu machen. AM niedrigsten ist dieser Wert in den Altersgruppen der 30-39-Jährigen sowie der 50-64-Jährigen. Hier geben nur 21 Prozent an, sich kaum Sorgen zu machen. Liegt bei 50-64-Jährigen der Strom vorne (22 Prozent) ist es bei den über 30-Jährigen eher die Mobilität (19 Prozent).

Deutliche mehr als ein Drittel der Teilnehmer, welche die Antwortmöglichkeit in keinem der Bereiche gewählt hat, rechten sich bei der Parteizugehörigkeit den Grünen zu. 36,7 Prozent der Grünen-Wählerinnen und Wählern haben bei der Umfrage so geantwortet. Zum Vergleich: Nur knapp 10 Prozent der AfD-Wähler machen sich keine Sorgen. In dieser Wählergruppe sind vor allem gestiegene Strompreise ein Problem.

Was fällt sonst noch auf

Vor allem Studierende haben mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. 31,4 Prozent sehen Probleme bei den gestiegenen Nahrungsmittelpreisen. Damit liegt diese Gruppe weit über dem Umfrageergebnis von 12,6 Prozent. Ähnlich geht es Arbeitslosen und Nichterwerbspersonen: hier befürchten 34,8 Prozent der Befragten Geldsorgen durch höhere Strompreise (bundesweit: 26,9 Prozent).

Bei der Unterscheidung zwischen Männern und Frauen fällt auf: Während sich 27,4 Prozent der Männer keine Sorgen machen, sehen Frauen mit 30,1 Prozent gestiegene Kosten beim Strom durchaus als Problem an.

Auch ein Ost-West-Gefälle ist bei dem Umfrageergebnis festzustellen: Sind im Osten Bereiche wie Gas (Osten: 24 Prozent/ Westen: 21) und Strom (Osten: 33 / Westen: 25) die Dinge, die den Menschen schlaflose Nächte bereiten, macht man sich im Westen mehr Gedanken um Kosten für die Mobilität (Ost: 6 / Westen: 10).

Auch bei den Sorgenlosen klafft eine Lücke. Machen sich im Westen 28 Prozent der Bundesbürger keine Sorgen, sind es hingegen im Osten nur 17 Prozent und damit satte 11 Prozentpunkte weniger.