Elektroauto

Gewaltige Herausforderung

Wirtschaft (Bodensee) / Lesedauer: 2 min

Verbote auszusprechen, ist das eine. Doch für die Mobilität der Zukunft muss mehr getan werden, kommentiert Thomas Hagenbucher.
Veröffentlicht:10.01.2023, 19:34
Aktualisiert:10.01.2023, 20:10

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Die Politik geht volles Risiko. Das Verbrenner-Aus ist beschlossene Sache. Ab 2035 dürfen in der EU keine Neuwagen mit Benzin- oder Diesel-Motor mehr zugelassen werden. Einige Jahre später sollen nur noch Elektroautos fahren. Jetzt haben sich die Bundesregierung und Vertreter der Auto- und Zulieferindustrie zum Mobilitätsgipfel zusammengesetzt, um zu beratschlagen, wie dieses Jahrhundert-Vorhaben gelingen kann. Noch sind mehr als 48 Millionen Verbrenner auf deutschen Straßen unterwegs.

Anstatt die neue Technologie massiv zu fördern, den Wandel, wo es nur geht, zu unterstützen und schließlich den Markt entscheiden zu lassen, wie schnell sich das E-Auto tatsächlich durchsetzt, wird einmal mehr mit Verboten gearbeitet. Die Politik setzt auf ein verpflichtendes Ende für eine bewährte Technologie, die im Übrigen zu den Kernkompetenzen des Standorts Deutschland zählt, und wagt sich ohne Netz und doppelten Boden auf Neuland.

Es spricht sehr vieles dafür, dass die E-Mobilität neben dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr in Zukunft eine ganz zentrale Rolle spielen muss. Dabei aber den Verbrenner komplett zu verbannen, ist nicht der beste Weg. Zu groß sind die Nachteile, die E-Autos immer noch mit sich bringen. Die Reichweiten der Fahrzeuge sind deutlich zu gering. Zudem wird Strom teurer und teurer. Auch eine ausreichende Ladeinfrastruktur fehlt noch. Viele Millionen Ladesäulen in der gesamten Republik werden ebenso benötigt wie ein Ausbau des Stromnetzes, damit die künftigen E-Auto-Fahrer in ihren Garagen Wallboxen installieren können. Eine weitere noch ungeklärte Frage ist zudem, wo die gigantischen Strommengen für rund 50 Millionen E-Autos herkommen sollen und wie diese letztlich erzeugt werden – sicherlich nicht vollständig durch Sonnen- und Windkraft. Nicht zuletzt sind E-Autos, gerade die deutscher Hersteller, so teuer, dass sich diese praktisch nur Besserverdiener leisten können.

Vor dem Hintergrund der gewaltigen Herausforderungen ist der Gipfel zu begrüßen. Noch wichtiger als der fachliche Austausch wäre es aber, nun endlich ins Tun zu kommen. Verbote auszusprechen und Endpunkte zu setzen ist das eine, einen Technologiewandel gemeinsam zum Erfolg zu führen etwas ganz anderes. Viel Zeit bleibt nicht mehr.