StartseiteRegionalBodenseeÜberlingenFriedensaktivisten prangern Rüstung am See an

Friedensfahrradtour

Friedensaktivisten prangern Rüstung am See an

Überlingen / Lesedauer: 3 min

Friedensaktivisten prangern Rüstung am See an
Veröffentlicht:08.08.2012, 16:40

Von:
  • Schwäbische.de
Artikel teilen:

Der Fischer fischt im Bodensee nach Frieden und ein Sensenmann präsentiert sich als „Tod vom Bodensee“: Mit fast 40 Radlern der Friedensfahrradtour 2012, veranstaltet von der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), machten die beiden gestern auf dem Landungsplatz Station. Überlingen ist Sitz der Firma Diehl.

„Auf Achse für Frieden, Abrüstung und ein ziviles Europa“, so lautet das Motto der diesjährigen Radtour des bayerischen DFG-VK-Landesverbandes. 450 Kilometer hatte die von fünf Begleitfahrzeugen eskortierte Gruppe seit ihrem Start am 1. August in München bereits zurückgelegt. Die Route führte sie über Schrobenhausen, Augsburg, Kempten, Lindau und Friedrichshafen nach Überlingen , der vorletzten Station ihrer Reise.

Bereits kurz nach 7 Uhr trafen die Radler vor der Firma Diehl Defence ein. Dort begrüßten Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, Mitglieder des AWC (Vereinigung der Weltbürger) sowie andere lokale Unterstützer die Gäste aus Bayern mit einem Bio-Frühstück. Klaus Borchers-Ziowro, früher Pfarrer der Auferstehungskirche, spendete dazu den Segen.

Die gemeinsame Mahlzeit der rund 60 Teilnehmer sollte, so die Organisatoren, „ein Zeichen der Friedfertigkeit gegen die menschenverachtende und todbringende Produktion des Überlinger Rüstungsbetriebs setzen“.

Zum geplanten Gespräch mit Mitarbeitern des familiengeführten Konzerns kam es jedoch nur vereinzelt. Der Grund: Betriebsferien. Auf dem Landungsplatz, wo der Tross kurz nach 9 Uhr eintraf, hatten die Friedensradler mehr Erfolg. Rund 50 Personen verfolgten dort interessiert die Kundgebung.

Schon vor deren offiziellem Beginn kam es zu Gesprächen zwischen Passanten und Teilnehmern. In einem dieser Dialoge erklärte der „Sensenmann“: Flugbomben nenne man hier intelligente Flugkörper, es gebe aber weit intelligentere Möglichkeiten, Konflikte zu lösen.

Ingrid Schittich begrüßte die Friedensradfahrer auf dem Landungsplatz mit den Worten: „Ihr seid unterwegs mit dem Ziel, Bewusstsein zu schaffen für die dunkle Seite unserer schönen Landschaft.“ Hier, so die Präsidentin der deutschen Sektion des AWC (Association of World Citizenship), Sektion Deutschland, würden todbringende Waffen produziert und in alle Welt verkauft. Der Wohlstand der Region gründe sich „weitgehend auf Geschäfte und Gewinne, die anderswo Zerstörung und Leid verursachen“.

Sie appellierte an die Zuhörer, „immer wieder und überall deutlich zu sagen: Die Kriege der Mächtigen sind nicht unsere Kriege“.

Nach einer Performance, begleitet von einem PUR-Song – „Kein Krieg ist heilig, kein Krieg ist gerecht“ – ergriff Thomas Rödel vom DFG-VK aus München das Wort. Er informierte über die bei Diehl Aerospace, Diehl Defence, Diehl Aerosystems und Diehl Remscheid produzierten Rüstungsprodukte. Mit Blick auf die Weltpolitik warnte er: „Europa soll eine Militärmacht werden.“ Deutschland komme dabei eine Schlüsselrolle zu.

Vor der Weiterfahrt der Gruppe nach Konstanz konnten sich Interessierte mit Broschüren der beteiligten Friedensorganisationen eindecken. Darunter die vom Bildungswerk der DFG-VK herausgebrachte Publikation „Diehl – Portrait einer deutschen Waffenfabrik“.