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Serie: Frauen in der Politik

Tettnangs erste Bürgermeisterin: Frauen bringen eigene Stärken mit

Tettnang / Lesedauer: 4 min

Im Video-Interview erklärt Regine Rist, wie sie ihre Rolle erlebt, was Frauen anders machen als Männer - und wie sie mehr Frauen in die Gremien bekommen will.
Veröffentlicht:09.12.2023, 05:00

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Der 2. April 2023 war für Tettnang ein historischer Tag: Zum ersten Mal in der Stadtgeschichte ist eine Frau in das Bürgermeisteramt gewählt worden. Regine Rist bedeutet dieser Umstand viel - und sie hofft, dass sie als erste Bürgermeisterin als Vorbild dienen und vielleicht noch mehr Frauen motivieren kann, sich in der Kommunalpolitik einzubringen.

Dass Tettnang seit der offiziellen Vereidigung am 1. Juni eine Bürgermeisterin hat, ist alles andere als selbstverständlich: In 90 Prozent der Kommunen in Deutschland, so ergab eine Auswertung des Magazins Kommunal im Jahr 2020, sind Männer an der Spitze.


Auch im Bodenseekreis ist Tettnang die Ausnahme: Nachdem die Meckenbeurer Bürgermeisterin Elisabeth Kugel im Jahr 2022 ihren Rücktritt verkündet hatte, gab es mit Jacqueline Alberti in Daisendorf zwischenzeitlich nur eine weitere Amtsinhaberin im Landkreis.

Gremien sollen Vielfältigkeit der Bevölkerung abbilden

„Mir bedeutet es viel, dass die Tettnangerinnen und Tettnanger mir das zugetraut haben - gerade auch als Frau“, sagt Regine Rist. „Das ehrt mich unglaublich und ermutigt mich.“ Letztlich gehe es bei einem Amt wie dem der Bürgermeisterin natürlich um Fachlichkeit - „und ich bin überzeugt davon, dass Frauen das auch können“, meint Rist.

In manchen Bereichen, etwa der Kommunikation, gebe es sicher Unterschiede zwischen der Vorgehensweise von Männern und Frauen. „Ich glaube, wir Frauen haben da unsere ganz eigenen Befähigungen“, so die Bürgermeisterin.

Es ist schon so, dass der weibliche Blick in manchen Belangen anders ist.

Regine Rist

Entsprechend wichtig wäre es laut Rist, dass diese Befähigungen auch in politische Gremien wie Gemeinde- und Ortschaftsräte einfließen. „Es ist gut, wenn die gesamte Bevölkerung in ihrer Vielfältigkeit abgebildet ist“, findet sie. In Tettnang ist das in der aktuellen Besetzung des Gemeinderats nicht unbedingt der Fall: Mit Sylvia Zwisler ist lediglich eine Frau im Gremium vertreten. Die Hoffnung vieler liegt daher auf den Kommunalwahlen im kommenden Frühjahr.

Rist will Frauen Mut machen

Auch Regine Rist möchte Frauen Mut machen, für den Gemeinde- oder Ortschaftsrat zu kandidieren. Da gelte es nun, die Hemmschwelle abzubauen und zu signalisieren, dass die Gremienarbeit machbar sei. Das wolle sie auch vorleben. Neben dem Zeitfaktor seien es oft gewisse Selbstzweifel, die gerade Frauen davon abhalten würden, sich für ein politisches Amt aufstellen zu lassen.

„Am Zutrauen soll es nicht scheitern“, ist Regine Rist überzeugt. Man bekomme viele Hilfestellungen von verschiedensten Seiten, sodass ein Ehrenamt als Ratsmitglied absolut zu stemmen sei - sowohl in Bezug auf Inhalte als auch auf den Aufwand. „Wer etwas bewegen möchte, ist unbedingt richtig in einem Gemeinderat“, sagt sie.

Mitbringen müsse man nur „sich selbst, seinen eigenen Verstand und gegebenenfalls sein Netzwerk“. So würde Rist es sehr begrüßen, wenn nach der Kommunalwahl 2024 etwas mehr Frauen am Tettnanger Ratstisch Platz nehmen.

Wo sich der weibliche Blick unterscheidet

Denn ihrer Einschätzung nach könne der Anteil an Frauen in einem Gremium durchaus einen Unterschied bei der Entscheidungsfindung machen. „Es ist schon so, dass der weibliche Blick in manchen Belangen anders ist. Vielleicht manchmal ein bisschen gefühlvoller, vielleicht auch mit mehr Fokus auf das Familiäre“, sagt sie.

Ebenso sieht sie es als wichtig an, dass auch verschiedene Altersgruppen in einem Gremium vertreten sind. Mit der Wahl im kommenden Jahr geht hier eine Neuerung einher: Durch eine Reform des Wahlrechts dürfen erstmals auch schon Jugendliche ab 16 Jahren kandidieren.

Stadt plant Veranstaltungen

Ob sich tatsächlich junge Menschen hierfür motivieren lassen, müsse sich zeigen. „Mir ist eine Partizipation der Jugend extrem wichtig, dieser Blick muss unbedingt in der Politik ankommen“, betont Rist.

Ich glaube, unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, nur von älteren Menschen bestimmt zu werden.

Regine Rist

„Ich glaube, unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, nur von älteren Menschen bestimmt zu werden“, so die Bürgermeisterin weiter. Neben dem Ortschafts- und Gemeinderat gebe es in Tettnang ja auch noch den Campusrat als Möglichkeit, sich einzubringen.

In den kommenden Monaten plant die Stadt Tettnang noch verschiedene Veranstaltungen, auch gesondert für die Jugend. Dabei soll über die Arbeit der Gremien und auch Formalitäten rund um eine Kandidatur informiert werden. Die Botschaft, die Rist allen mitgeben möchte, die mit dem Gedanken an eine Kandidatur spielen: „Trauen Sie sich.“