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Modernes Schulkonzept

Schüler lernen Geschichte, Geographie und Sport auf Englisch

Tettnang / Lesedauer: 4 min

An der Realschule Tettnang werden einige Fächer nicht auf Deutsch, sondern auf Englisch unterrichtet. Der erste Abschlussjahrgang dieser bilingualen Klasse zieht Bilanz.
Veröffentlicht:01.02.2024, 17:00

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Mit ganzen 131 Neuanmeldungen für das Schuljahr 2023/24 hat die Realschule Tettnang sogar das Montfort Gymnasium hinter sich. Die 65 Anfragen auf einen der begehrten Plätze im bilingualen Zug bedeuteten dabei eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr.

Schulrektor Jürgen Stohr freut sich zwar über die Zahlen, stellt aber auch klar: „Es geht hierbei nicht darum, wer wen übertrifft, sondern darum, für jedes Kind den richtigen Platz zu finden.“

Gerade im Fall des bilingualen Zugs hätte dies einen gesonderten Stellenwert, meint Andreas Kneer, Fachschaftsleiter des bilingualen Konzepts. Die Entscheidung über eine Zulassung für jedes Kind komme jedes Jahr mit einer großen Verantwortung daher, so der Lehrer weiter.

Das Auswahlverfahren sei deshalb sehr aufwendig, ergänzt Stohr. Interessierte Kinder müssen neben Anforderungen wie dem Grundschulzeugnis oder der Grundschulempfehlung auch kommunikative Fähigkeiten in einem direkten Gespräch beweisen.

Wie lautet das Fazit der Lehrer?

Aufgrund des Andrangs wurde eine zweite bilinguale Klasse für die fünfte Klassenstufe eingerichtet. „Die beiden Klassen wurden mit je 27 Schülern besetzt, was zeigt, dass wir die Klassen nicht bis zu den 30 möglichen Plätzen voll besetzen, sondern versuchen die richtige Entscheidung für jedes einzelne Kind zu treffen“, so Stohr.

Im vergangenen Schuljahr 2022/23 wurde die Einrichtung des bilingualen Zugs aus dem Jahr 2017 mit dem Abschluss der ersten bilingualen Schüler komplettiert. Dieter Knitz war in diesem Jahrgang Lehrer in den bilingualen Fächern und zieht sein Fazit: „Ich habe ein unglaubliches Fachwissen festgestellt. Englisch konnte man dabei als Steckenpferd der Schüler klar erkennen.“

Ergänzend fügt Andreas Kneer an: „Die bilingualen Klassen und besonders diese als erster Jahrgang wissen ein wenig um ihre Rolle als bunter Hund. Die Schülerinnen und Schüler kommen aufgrund des Vertrauensvorschusses der Lehrer und Eltern mit sehr viel Rückenwind in den Unterricht und zeigen unglaubliche Bereitschaft bei der Umsetzung von Projekten.“

Den letztjährigen Ansturm erklärt sich der Rektor unter anderem so, dass der bilinguale Zug der Realschule Tettnang im Bodenseekreis gemeinsam mit der Realschule Markdorf ein Alleinstellungsmerkmal ist. Außerdem fördernd sieht Jürgen Stohr das Anschlusskonzept. So sind die Optionen auf dem Weg zum Abitur mit Schulen in Wangen, Friedrichshafen und Ravensburg nach dem Realschulabschluss sehr vielfältig. Knitz fügt nüchtern an: „Wir bieten halt einfach G9 an.“

Schüler zieht positive Bilanz

Doch nicht nur dies macht das Bilinguale Konzept so interessant. Auch die Art und Weise, wie Bildung in dieser Unterrichtsform vermittelt wird und was am Ende für den Schüler als Renommee steht. Gerade an den weiterführenden Schulen schmückt sich die bilinguale Unterrichtsform mit Lorbeeren.

„Bis jetzt fällt mir Englisch relativ leicht“, meint Mats von Dewitz, der letztes Jahr mit dem ersten bilingualen Zug den Realschulabschluss gemacht hat und nun die Oberstufe in Ravensburg besucht. „Auch der vermeintlich schwierige Einstieg in den bilingualen Unterricht war keine große Herausforderung“, stellt der Absolvent fest und verweist auf die tatkräftige Unterstützung durch Kneer.

Die Normalzüge können problemlos mithalten.

Jürgen Stohr

Rückblickend sagt der Schüler: „Generell bin ich ein Riesenfan von dem Konzept des bilingualen Zuges.“ und ergänzt: „Ja, ich würde sicherlich genau dieselbe Entscheidung noch einmal treffen.“

Beim Blick auf die Leistungen der Klassen der Realschule Tettnang relativiert sich der Bilinguale Zug jedoch etwas. So handelt es sich keineswegs um reine Überflieger-Klassen - „Die Normalzüge können problemlos mithalten“, hält Stohr fest.

Schüler entwickeln Selbstvertrauen bei Englisch

Einziger Unterschied in dieser Hinsicht ist eine Art Mentalitätsbildung. Kneer erklärt: „Sprache ist immer verbunden mit Kultur und Kultur ist immer verbunden mit Sprache. Durch die Öffnung unserer bilingualen Schüler der englischen Sprache gegenüber, öffnen sie sich auch der Kultur.“ So lässt sich die etwas globale Ausrichtung der Bilingualen Schüler erklären, sind sich alle drei einig.

Ebenfalls zu beobachten ist laut Dieter Knitz: „Eine Selbstverständlichkeit, sich mit der englischen Sprache auseinanderzusetzen.“ Durch den ständigen Gebrauch von Englisch entstehe nicht nur ein hohes Sprachniveau, sondern bei den Schülern auch ein großes Selbstvertrauen in der Anwendung.

Wir brennen und geben den Funken weiter.

Dieter Knitz

Einordnend meint Stohr: „Der bilinguale Zug ist schon eine tolle Sache. Das ganze System funktioniert jedoch nur, da die Fachschaft es trägt. Es bedeutet für jeden Beteiligten mehr Arbeit und mehr aufzubringende Energie, um dieses Angebot zu stemmen.“ Aufgrund der Neueinführung des Unterrichtprogramms waren anfangs weder Bücher noch Arbeitsblätter vorhanden, alles musste von den Fachschaftslehrern eigenständig ausgearbeitet werden.

„Ohne Leidenschaft für sein Fach geht da nichts. Durch die Fächerkombination jedoch entsteht sogar eine Art Doppelleidenschaft“, stellt Andreas Kneer klar. Knitz schließt ab: „Wir brennen und geben den Funken weiter.“