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Bedenken

Kiesabbau: Tettnanger in Sorge um Grundwasser

Tettnang / Lesedauer: 4 min

Im Tettnanger Wald soll auf 23 Hektar Fläche in die Tiefe gegraben werden – Petition richtet sich dagegen
Veröffentlicht:11.12.2017, 19:02

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In Sachen Nassabbau von Kies im Grundwasser des Tettnanger Waldes hat der Petitionsausschuss des Landtags gestern in der Aula des Montfort-Gymnasiums Beteiligte angehört. Im Kern ging es darum, welche Auswirkung der Nasskiesabbau auf die Wasserversorgung in der Region haben wird und ob dem geplanten Baggersee ein Gefahrenpotenzial innewohnt.

Der Tettnanger Hartwig Roetzel hatte sich eingehend mit dem Antrag und dem Thema beschäftigt und in einer Einzelpetition Sorgen geäußert. Diese wurde angenommen. Die Landtagsabgeordneten Petra Krebs (Grüne) und Jürgen Keck (FDP) waren als Berichterstatter vor Ort, um den Sachverhalt zu hören. Am Ende der Prüfung wird eine Beschlussempfehlung stehen, über die der Landtag noch befinden muss.

Ein 23 Hektar großer Baggersee

Roetzel beschrieb seinen Eindruck aus Offenlegungen und Gemeinderatssitzungen, dass die betroffenen Gemeinden gegen den Nassabbau gewesen seien, die Einsprüche im Verfahren aber ohne Relevanz gewesen seien. Bisherige Vorstöße in Richtung Nassabbau seien auf heftigen Widerstand gestoßen. Frühere Gutachten hätten lediglich den Trockenabbau, nicht aber den Nassabbau empfohlen. Den Baggersee, der auf einer Fläche von 23 Hektar im bisherigen Kiesabbaugebiet entstehen soll, bezeichnete Roetzel als Danaergeschenk: Damit würden die Betreiber die Kosten ans Land Baden-Württemberg weitergeben.

Tettnangs Bürgermeister Bruno Walter wies darauf hin, dass der Kiesabbau ein jahrzehntelanges Thema in Tettnang sei. Die Grenzen hätten sich immer wieder verschoben. Gutachten habe die Stadt nicht widerlegen können: Es seien auch keine eigenen in Auftrag gegeben worden. Die Langenargener Gemeinderätin Silke Falch (Grüne) beschrieb aus dem Publikum heraus, dass es eine „massive Verunsicherung“ gegeben habe, dass aber auch im Gemeinderat der Seegemeinde „relativ klar“ gewesen sei, dass der Nasskiesabbau aufgrund der Gutachten kommen werde. Der ebenfalls im Publikum sitzende Simon Vallaster, Geschäftsführer des Zweckverbands Wasserversorgung Unteres Schussental, äußerte Verständnis für das manchmal etwas seltsame Bauchgefühl bei einigen. Finanziell sei ein Gegengutachten nicht zu stemmen, auch habe es aus seiner Sicht keine zwingenden Anhaltspunkte dafür gegeben.

Egon Wetzel vom Amt für Wasser- und Bodenschutz des Landratsamts Bodenseekreis verwies darauf, dass es keine Gefährdung bestehender Brunnen im Wasserschutzgebiet Argen-Delta gebe. Bisherige Gutachten seien schlichtweg mit dem Schwerpunkt auf Trockenabbau erstellt worden, beim Nassabbau sei der Fokus ein anderer.

Schuster: Damals andere Ausgangslage

Der Einwendung Roetzels, dass es eine Selbstverpflichtung gebe, in einem Gebiet wie dem Tettnanger Wald keinen Nassabbau zu betreiben, entgegnete Friedrich Klein vom Regierungspräsidium Tübingen, dass die Gutachten den Nachweis erbracht hätten, dass eben diese Gefährdungslage im Tettnanger Wald nicht vorhanden sei.

Irmtraud Schuster vom Dezernat Umwelt und Technik des Landratsamts verwies darauf, dass es in den letzten Jahren neue Erkenntnisse etwa im Bereich Artenschutz und Naturschutz gegeben habe. Deswegen sei auch das Landschaftsschutzgebiet Tettnanger Wald erweitert worden. Hartwig Roetzel zitierte in seiner Petition frühere Verordnungen – hier sagte Schuster, die Ausgangslage sei damals eine andere gewesen.

Die Versorgungssicherheit des östlichen Bodenseekreises sei ohne den Abbau im Tettnanger Wald zudem nicht sichergestellt, so Wetzel, mit reinem Trockenabbau seien die Vorkommen in vier bis fünf Jahren erschöpft. Deswegen soll es jetzt in die Tiefe gehen, sagte Wolfgang Schettler vom Büro Eberhard und Partner. Es gehe darum, den Rohstoffvorrat „möglichst optimal zu nutzen“.

Mohr: Regionaler Markt mit Umkreis von 25 bis 30 Kilometern

Rolf Mohr, Geschäftsführer von Meichle und Mohr, sagte, das Absatzgebiet umfasse den östlichen Bodenseekreis und Teile des Landkreises Lindau: „Es geht kein Pfund davon ins Ausland.“ Der Kiesmarkt sei ein regionaler Markt in einem Umkreis von 25 bis 30 Kilometern. Die hydrogeologischen Gutachten zeigten, so Wetzel, dass das Grundwasser nicht gefährdet sei. Der Geophysiker Werner Michel von der Firma Hydro-Data verwies in diesem Zusammenhang auf langjährige Messreihen und belastbare Daten.

Der Sorge Roetzels, dass Fremdmaterial unter Grundwasserspiegel eingebracht werden könne, widersprach Egon Wetzel: Im Randbereich des Baggersees werde Sediment eingebracht, das bei der Kiesgewinnung mit abgebaut worden sei. Unbelasteter Fremdboden werde ausschließlich für die Rekultivierung der Trockenabbauflächen genutzt.