Kunstszene

Internationale Kunstszene in Tettnang: Galerist sieht genauso viel Potenzial wie in Berlin

Tettnang / Lesedauer: 5 min

Florian Schmid hat in der Karlstraße einen neuen Kunst-Showroom eröffnet – Langfristig soll der Standort Berlin ablösen
Veröffentlicht:07.07.2022, 10:00
Aktualisiert:07.07.2022, 11:50

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Von außen würde man nicht erahnen, dass sich im zweiten Obergeschoss des Gebäudes in der Karlstraße 16 echte Hochkaräter der modernen Kunstszene verbergen. Der Eingang ist unscheinbar, ebenso das Teppenhaus. Erst beim Betreten des neuen, geräumigen Showrooms von „FS.Art“ fühlen sich die Besucher plötzlich in ein Museum für moderne Kunst katapultiert. „FS.Art“-Gründer Florian Schmid hat diesen Standort ganz bewusst gewählt – wohl wissend, dass Tettnang nicht unbedingt der Nabel der Kunstwelt ist.

Gegründet hat Schmid sein Kunst-Unternehmen im Jahr 2005 ursprünglich in Berlin . Dort betreibt er bis heute einen Kunst-Showroom, eine Art Galerie. Einen weiteren Standort hatte er bis zum Frühjahr 2021 in Tettnang in den ehemaligen Räumen des Verlagshaus Senn, die inzwischen abgerissen wurden. Den Standort am Bodensee aufzugeben kam für Schmid jedoch nicht in Frage – im Gegenteil, künftig möchte er den Schwerpunkt dorthin verlagern und den Showroom in Berlin mittelfristig vielleicht sogar aufgeben, sagt er.

Ich bin jetzt viele Jahre immer zwischen Berlin und dem Bodensee gependelt, nun ist es Zeit, hier richtig anzukommen,

so Schmid. Er ist gebürtiger Tettnanger und in der Montfortstadt tief verwurzelt. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Langenargen. In der Karlstraße 16 eröffnete er am ersten Juliwochenende seinen neuen Showroom. Aus den ehemaligen Büroräumen wurde dank einiger Umbauarbeiten eine großzügige und einladende Kunstgalerie. Die erste Ausstellung dort läuft noch bis Ende Juli und ist an zwei Tagen pro Woche für den Publikumsverkehr geöffnet.

Netzwerk ist enorm wichtig

Werke von sechs Künstlerinnen und Künstlern sind dabei zu sehen: Katrin Bremermann, Terry Haggerty, Caroline Kryzecki, Gerold Miller, Klaus-Martin Treder und Herman de Vries . Alle sechs haben sich bereits international einen Namen gemacht. Florian Schmid studierte selbst Kunst, wechselte jedoch schon bald die Seiten und widmete sich der Kunst-Vermarktung. Doch durch seinen eigenen Hintergrund sei es ihm nach wie vor wichtig, einen engen Draht zu den Künstlern zu haben, die er bei Ausstellungen zeigt. Deshalb mache er regelmäßig auch Atelierbesuche, sagt er.

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Kontakte und ein gutes Netzwerk seien in seinem Beruf essenziell. Denn den größten Teil der Kunst verkaufe er nicht an Laufkundschaft in den Showrooms, sondern über seinen festen Kundenstamm, den er mittlerweile hat. „Die meisten meiner Kunden kommen aus Süddeutschland“, erklärt Schmid. Langfristig soll der Standort in Tettnang auch die Türen zum Dreiländereck öffnen und internationale Kunden anziehen. Seine Kunden, das seien sowohl Privatpersonen, die schöne Kunst für ihr Zuhause suchen, als auch Kunstsammler und Geschäftskunden, erklärt Schmid. Touristen, die beim Bummeln zufällig durch seine Galerie schlendern, sind nicht sein Zielpublikum.

In diesem Preissegment liegen die Kunstwerke

Die Kunst, die Schmid in seinen Showrooms zeigt, ist durchaus höherpreisig, mit einem Schwerpunkt auf Malerei und Konzeptkunst. Die günstigsten Kunstwerke würden bei rund 1500 Euro beginnen, nach oben hin reiche das Preisspektrum bis in den mittleren sechsstelligen Bereich, verrät Schmid. Neben dem Verkauf von Kunst bietet Florian Schmid als weiteren Bereich auch Beratungsleistungen an. Das umfasse beispielsweise die Beratung und Vorbereitung bei Auktionen oder auch Empfehlungen für bestimmte Künstler oder Werke je nach Vorliebe der Kundschaft.

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Viele seiner Kunden kommen zu privaten Terminen in seine Showrooms, sagt der Kunstexperte. Auch Firmenkunden habe er für Bürohängungen häufig zu Gast. Dennoch sei es ihm wichtig, seine Galerie auch für die Öffentlichkeit zu öffnen. „Jeder ist willkommen“, betont Schmid. Der Austausch mit den Menschen sei etwas, das ihm mit am meisten Freude mache an seiner Arbeit.

Ich habe auch kein Problem damit, wenn jemand kommt und sagt, dass er mit der Kunst überhaupt nichts anfangen kann – das sind oft die besten Gespräche, die sich ergeben,

meint er. Wer zu den Öffnungszeiten in den Showroom komme, erhalte bei Bedarf natürlich auch Informationen über die Werke und könne eine Führung bekommen. Auch Termine für interessierte Gruppen außerhalb der regulären Öffnungszeiten biete er an, so Schmid.

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Die aktuelle Ausstellung trägt den Titel „Curator’s Choice“ und widmet sich bewusst nicht einem speziellen Thema, sondern bringt die Werke verschiedenster hochrangiger Künstlerinnen und Künstler zusammen. Zu sehen sind dabei ausschließlich ungegenständliche Arbeiten. So etwa abstrakte Malereien oder auch eine Serie von Erdausreibungen von Herman de Vries, der Erde von verschiedensten Fundorten auf der Welt sammelte und diese anschließend als Farbflächen auf Papier brachte. Auch zwei Objekte sind Teil der Ausstellung.