Danksagung

Geschichtsträchtiges Terrain bei St. Johann

Tettnang / Lesedauer: 6 min

SZ-Serie blickt in den November 1968 zurück – zum Ehrentag anlässlich von 100 Jahren Altersheim
Veröffentlicht:30.11.2018, 17:23
Aktualisiert:22.10.2019, 14:00

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Eine „Danksagung für 100 Jahre Altersheim St. Johann“ ist vor einem halben Jahrhundert erfolgt. So titelte SZ-Redakteur Karl Selinka über die Jubiläumsfeier, bei der die Franziskanerinnen von Reute im Mittelpunkt standen. 100 Jahre Schwesternstation in St. Johann, den Bezug bot, dass 1868 erstmals Schwestern im Spital ankamen, nachdem im September 1866 die ersten Franziskanerinnen überhaupt nach Tettnang gekommen waren. Bis zur Abberufung aus St. Johann 1987 sollten 112 Franziskanerinnen vielfältigen Dienst tun – zuletzt Evangelista, Hortensia, Wendelina und Faustina.

In der St.-Johann-Kapelle nahm der „Ehrentag von St. Johann“ damals seinen Ausgang – dies am Tag vor dem Buß- und Bettag, der ja bis 1995 Feiertag war. Monsignore Ludwig Jung (Superior von Kloster Reute bis 1986) hielt die Festpredigt und rief die „totale Hingabe an den Herrn“ in Erinnerung, wie sie in der franziskanischen Bewegung bis zum heutigen Tag gelebt werde. In diesen 100 Jahren Spital sei etwas lebendig geworden, was man herzhaft zur Geschichte der Liebe und der Kirche hinzurechnen dürfe.

Weiter ging es damals im Foyer der Stadthalle, wo Bürgermeister Rudolf Gnädinger in seiner Ansprache 1968 mit 1868 verglich: „Nichts damals von Unrast und Hektik wie in unserer Zeit. Aber Alter, Krankheit und Tod hatten auch früher schon ihren festen Platz, und Armut, Hunger und verlassene alte Menschen auch. Für sie war St. Johann eine Stätte der Zuflucht, der Geborgenheit, ein Hort der Nächstenliebe und praktischen Hilfe.“

Gnädinger würdigte die familiäre Atmosphäre des Hauses in all der Zeit. Ein Haus, das sich über Jahre hinweg nicht nur der Alten und Kranken annahm, sondern auch Geburten. Deren 200 wurden um 1960 noch im Jahr gezählt. Das beliebte Entbindungsheim verlor seinen Status 1964: Das staatliche Gesundheitsamt hatte von der Weiterführung des Kleinkrankenhauses im alten Sinne abgeraten, nachdem das Kreiskrankenhaus (angesiedelt im heutigen Grundschul-Pavillion) aus der unmittelbaren Umgebung verzogen war.

Was St. Johann als „Altersheim“ mit Haus, Garten, Landwirtschaft und Spitalwald beließ – vor 50 Jahren mit sechs Schwestern, einer handvoll Helferinnen und 36 Bewohnern, wobei fünf Betten frei waren. Nicht zu vergessen: der St.-Johann-Weiher, der damals noch nicht zugeschüttet war. An seine Stelle ist heute ein kleiner Park mit Brunnen getreten.

Den „Ehrentag von St. Johann“ rundeten damals ein Vortrag von Alex Frick, eine Busfahrt nach Walzenhausen/Schweiz (hier hatte die Firma Jöstrich zu Kaffee und Kuchen eingeladen) sowie ein Dankgottesdienst in St. Johann ab.

Frick blickte zurück ins 14. Jahrhundert, zu den Ursprüngen von St. Johann. Erstmals erscheint die Kapelle ja 1364 urkundlich – der heutige Bau wurde 1659 geweiht. „Bevor es ein Spital in Tettnang gab, war hier aber bereits ein Leprosorium, ein Siechenhaus“, entnimmt die SZ damals aus Fricks Rede als Information.

Die heutige Gestalt nahm das Quartier in den 90er Jahren an. 1993 wurde das Altenheim im Stiftungsvertrag von der Stadt an die Stiftung Liebenau übergeben, im Jahr darauf vom Gemeinderat das Ausbauprogramm St. Johann. Wieder ein Jahr später erfolgte der Spatenstich für die Lebensräume für Jung und Alt. Sie entstanden in Kooperation und in Trägerschaft von Stadt und Stiftung Liebenau. 1996 konnten hier 60 Menschen die Wohnungen beziehen. Mit dem Übergang an die Stiftung wurde auch ein Wechsel vom Alten- zum Pflegeheim eingeläutet. Im Januar 1999 ließ sich das Kaplaneihaus als Service-Zentrum für die Bewohner der Lebensräume für Jung und Alt, aber auch als Begegnungsstätte in Betrieb nehmen.

Im März 2017 erfolgte dann – zwischen dem Bestand und der Grundschule – der Spatenstich für das neue Haus der Pflege der Stiftung Liebenau. Soll hier ab Frühjahr 2019 Platz für 45 pflegebedürftige Bewohner sein, so sind es im bisherigen Heim St. Johann 81 Dauer- und zwei Kurzzeitpflegeplätze.

Was sonst noch los war

Tettnang

  • 100 Jahre Pflegeanstalt Pfingstweid, das wird im Gedenken an die Gründung des Trägervereins am 7. November 1868 gefeiert. Die heutige Diakonie Pfingstweid bot vor 50 Jahren unter Heimleiter Deierling Platz für 110 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 74 Jahren – und gehörte noch bis 1972 zur Gemeinde Kehlen.
  • Der Homepage zufolge reichen die Anfänge noch weiter zurück: „Erwerb der Pfingstweide durch die Basler Mission 1849“ heißt es da und „Beginn mit drei Missionsbrüdern von St. Chrischona (Basel) 1850“.
  • Die Kreislandwirtschaftsschule startet ins Wintersemester mit insgesamt 81 Schülern. Die „Burschen“ sind mit 65 weit in der Überzahl.
  • Allerorten kommen die Gemeinderäte nach den Wahlen zu ersten Sitzungen zusammen. Als Bürgermeister-Stellvertreter wird in der Gemeinde Langnau Josef Dingler gewählt, in Tannau Josef Sprenger.
  • Der erste Spatenstich an der B 467 erfolgt bei Reutenen am 11.11. – kein Witz. Der erste Abschnitt sieht den Ausbau durch die Firma Kirchhoff bis Gießenbrücke vor.

Kressbronn

  • Ist dort bereits Baubeginn, so beschäftigen die Trassenführungen für B 467 und B 31 am See noch immer die Gemüter (dies seit 15 Jahren). Der Gemeinderat will erst die Bauern hören. Sie entscheiden sich nach einer mehrstündigen Versammlung für die Flurbereinigung als gemeinsames Verfahren und dagegen, die benötigten Flächen im freihändigen Verkauf abzugeben.
  • Ein „Renner“ ist der erste internationale Zeppelin-Lauf. Zu ihm lädt die Jedermann-Abteilung des TV Kressbronn ein. 3500 Teilnehmer lassen den Berichterstatter von einer „Invasion“ sprechen.

Neukirch

  • Vier neue Gemeinderäte werden verpflichtet, es sind dies Dr. Ernst-Albrecht Gelb, Josef Heine, Konrad Dreher und Robert Brück. Bei den Aufgaben für die nächsten Jahre schienen unter anderem der Bau eines Kindergartens und einer Kläranlage auf.

Meckenbeuren

  • Stellvertreter von Bürgermeister Müller sind (in dieser Reihenfolge) Alfons Weishaupt, Rolf Merk und Alois Bucher.
  • Auch für Obermeckenbeuren wird die Einführung der staubfreien Müllabfuhr beschlossen. Damit endet die Ablagerung von Unrat auf privaten Plätzen.

Kehlen

  • Als Bürgermeister-Stellvertreter werden Franz Maier und Bonifaz Hertkorn bestätigt.
  • „Umgehungsstraße für Kehlen geplant“ heißt es in der Zeitung. Angemeldet wird sie gegenüber dem Landkreis. Ziele sind, gefährliche Verkehrspunkte auszuräumen (Bahngleis, B 30-Einmündung) und den Durchgangsverkehr zu vermindern.

Brochenzell

  • Da Pfarrer Gerd Mainka in Ruhestand getreten ist, gibt es Überlegungen zu einer „überpfarrlichen Seelsorge“. Angedacht wird im Modellversuch für die Diözese der Schwenk weg von der „Einmann-seelsorge“ zur „Gebietsseelsorge“. Dabei spiele auch der Standort des Pfarrers keine solche Rolle mehr, heißt es.