Strauch

Ende Juni ist die beste Zeit, Hecken zu schneiden

Tettnang / Lesedauer: 4 min

Landschaftsarchitekt Florian Frank gibt Tipps, damit der Strauchschnitt gelingt
Veröffentlicht:30.05.2016, 07:10
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

Von:
Artikel teilen:

Derzeit sprießt und blüht alles in der Natur und in den heimischen Gärten. Auch Hecken, Sträucher und Bodendecker wachsen reichlich. Im Rahmen der SZ-Serie rund um den Garten hat SZ-Mitarbeiterin Angelika Banzhaf bei Landschaftsarchitekt Florian Frank, Bauleiter im Landschafts- und Gartenbau der Firma Zwisler in Tettnang, Biggenmoos, nachgefragt, wie der Hobbygärtner mit dem üppigen Wuchs umgehen soll und was zu tun ist, damit er an den Pflanzen lange Freude hat.

Herr Frank, im Wonnemonat Mai zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite. Gleichzeitig werden Hecken, Sträucher und Bodendecker zu großem Wachstum angeregt. Können diese Pflanzen jetzt geschnitten werden?

Die meisten Pflanzen lassen sich grundsätzlich das ganze Jahr schneiden. Es gibt aber Ausnahmen wie die Walnuss, die nur einen Sommerschnitt verträgt. Hecken und Sträucher lassen sich jetzt gut schneiden, besser wäre jedoch erst Ende Juni wenn der Frühjahrstrieb abgeschlossen ist. Dies gilt speziell für geschnittene Hecken, die bleiben dann länger, mitunter bis zum Herbst in Form. Bodendecker werden üblicherweise im Herbst oder im Frühjahr geschnitten, damit die Blüten für die Sommersaison erhalten bleiben.

Wann ist generell der beste Zeitpunkt, diese Pflanzen zu schneiden und warum?

Ende Juni, nach Abschluss des Frühjahrsaustriebes und Ende September/Anfang Oktober sind für Formgehölze am Besten. Gartensträucher werden sinnvollerweise im Herbst oder im zeitigen Frühjahr geschnitten. Im Sommer ist es grundsätzlich auch möglich, für die Pflanze ist das wegen der Wundversorgung sogar sehr gut möglich. Das liegt am Saft in den Leitungsbahnen. Man muss sich das vorstellen wie die Wundversorgung beim Menschen: Wenn Blut fließt werden Keime ausgeschwemmt, die Wundversorgung funktioniert dann einfach besser. Jedoch will man den Garten im Sommer nutzen, dann sollte man darauf achten, dass die Blüten nicht abgeschnitten werden, ansonsten steht der Strauch nur grün da.

Ist es ratsam, die Pflanzen nur einmal im Jahr zu schneiden oder ist ein Schnitt öfters nötig?

Für Hecken und Sträucher gilt: zweimaliger Schnitt. Für Bodendecker gilt das nur, wenn sie zu stark wuchern, Solitärsträucher auch mal gar nicht schneiden, sondern wachsen lassen. Falls sie zu groß werden durch kleinwüchsigere Pflanzenarten ersetzen.

Welches Werkzeug sollte verwendet werden?

Am Besten für den Heckenschnitt eine Heckenschere, die gibt es mit Elektro- oder Motorantrieb. Für kleine Formgehölze geht es auch manuell mit der Heckenschere. Für Strauchschnitte wird bei kleineren Ästen eine Rebschere verwendet, bei größeren Ästen eine Astschere.

Wie wird richtig geschnitten?

Viele Blütengehölze blühen am zweijährigen Holz, das heißt einjährige Triebe stehen lassen, damit sie im nächsten Jahr gleich wieder blühen. Oder man lässt an der Basis ältere Triebe stehen und leitet dann auf einjährige Triebe um, damit sie im nächsten Jahr wieder blühen.

Wie verhindere ich, dass Hecken und Sträucher verholzen?

Rechtzeitiger und regelmäßiger Rückschnitt verhindert die Vergreisung von Gehölzen.

Müssen die Pflanzen gedüngt und gespritzt werden?

Eine Düngung ist in älteren Gärten manchmal hilfreich, wenn lange nichts mehr gemacht wurde. Von Spritzmittel würde ich generell abraten, dies ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Dazu sollte man allerdings eine Fachberatung wie beispielsweise Landschaftsgärtner hinzuziehen.

Können die drei Pflanzarten jetzt noch gepflanzt oder versetzt werden?

Alles was in Containern angeliefert wird, kann das ganze Jahr gepflanzt werden, Ballenware und wurzelnackte Ware geht je nach Witterung von November bis April.

Welche Bodendecker sind aus Ihrer Sicht empfehlenswert?

Das kommt auf die örtlichen Gegebenheiten an. Aber Storchschnabel, Bodendeckerrosen, Frauenmantel und kleinwüchsige Gräser sehen auch flächig fantastisch aus. Bei großen Flächen, die eher zuwachsen und pflegeleicht angelegt werden sollen, würde ich zu Spierstrauch und Heckenkirsche tendieren.

Und welche Heckenpflanzen?

Auch hier kommt es auf die Gegebenheiten an. Schön sind aber immer Kirschlorbeer, Liguster, Hainbuche und großwüchsige Spiersträucher.

Ihre Empfehlung für Sträucher?

Schneeball, Hartriegel, buntlaubige Ahornarten und Hortensien dürfen in keinem Garten fehlen.

Um Vögeln Unterschlupf zu bieten, dürfen Hecken nicht immer geschnitten werden. Ist das richtig?

Kleinere Hecken, wie sie im Garten wachsen, dürfen Sie immer schneiden. In der freien Landschaft gelten andere Regeln, ansonsten sind die Schnittregeln nur Sollbestimmungen kein Muss.

Gibt es Ausnahmegenehmigungen, damit geschnitten werden darf? Ich denke an ein Grundstück, das gekauft wurde und die Hecke wuchert.

Wenn eine Baugenehmigung vorliegt für ein Grundstück und die zu rodenden Gehölze in der Bauanfrage gekennzeichnet wurden, haben Sie immer Fällrecht. Wenn Bäume beispielsweise gefährdet sind, umzustürzen, und Gefahr droht, können Sie fällen. Ansonsten warten Sie lieber ab bis in die Wintermonate von November bis März, da ist keine Vogelbrutzeit.

Bei wem muss diese Ausnahmegenehmigung eingeholt werden?

Beim Landratsamt.