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Ein Konzert als Donaureise ‐ „Harmonic Brass“ kommt gut an

Tettnang / Lesedauer: 3 min

Das Bläserquintett hat sich für das Konzert im Tettnanger Schloss ein besonderes Konzept einfallen lassen.
Veröffentlicht:20.11.2023, 16:18

Von:
  • Christel Voith
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Schon oft hätte man sich bei einem Internationalen Schlosskonzert in Tettnang einen vollen Rittersaal gewünscht ‐ am Sonntag ist es wahrgeworden und der brillante Auftritt des Bläserquintetts „Harmonic Brass“ hat die Zuhörer grenzenlos begeistert.

Als musikalische Donaureise von Ulm bis ans Schwarze Meer haben die Musiker ihr Programm aufgebaut und auch optisch mit Schiffswand, Steuerrad und Wimpeln und choreografisch mit Promenaden und Platzwechseln gestaltet. Humorvoll führte Hornist Andreas Binder als geschichtenerzählender „Kapitän“ der Donaudampfschifffahrtsgesellschaft durch die Stationen der 2845 Kilometer langen Reise, doch im Mittelpunkt stand immer die Musik.

Musiker können mit Soli überzeugen

Die Musiker sind klassisch ausgebildet, sie stammen ursprünglich aus renommierten Orchestern und sind heute als Dozenten begehrt. Auf ihrer musikalischen Reise begegnen sie Komponisten wie Beethoven, Bach, Bruckner und Mozart, erst im Balkan feiern sie das Volkstümliche. Die Trompeter Hans Zellner und Elisabeth Fessler haben eigene, hervorragend auf ihr Quintett zugeschnittene Bearbeitungen geschaffen, welche die Vorlagen nicht selten an Klangfarbe übertreffen.

Noch eine Besonderheit: Wie in Mussorgskijs Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“ verbinden von Andreas Binder komponierte „Promenaden“ das Programm. Dazwischen ist vom Quintett, das Alexander Steixner an der Posaune und Karl-Wilhelm Hultsch an der Tuba ergänzen, ausdrucksstarkes Spiel mit atemberaubenden Soli zu erleben.

„Sie wissen schon, auf was Sie sich heute Abend eingelassen haben ‐ haben Sie ihre Schwimmwesten dabei?“, fragt augenzwinkernd Erzähler Andreas Binder am Beginn der „furiosen Reise“. Und schon strömt der Klang der festlichen barocken „Ouverture à 5“ von Theodor Schwartzkopff aus Ulm in den Rittersaal. Das Stück entwickelt einen unwiderstehlichen Sog und vermittelt den Eindruck, dass es fast den Raum sprengen könnte.

Zum Abschluss gibt’s doch noch einen Walzer

Beethovens auf Donauwellen schwimmende „Elise“ wird zum „besonders hübschen Regensburger Fisch“, ehe die Reisenden in Passau Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 in einer Klanggewalt und Farbe erleben, die bestens mit der Orgel konkurrieren kann.

Vom Barock geht es in Linz zu Bruckners „Locus iste“ ‐ hier spielt das Quintett so einfühlsam, dass eine kurze Stille folgt, ehe der Applaus einsetzt. Ein grandioses Feuerwerk zündet darauf Elisabeth Fessler als Solistin im Rondo aus Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert. Immer neue Klangkaskaden lässt der Erste Trompeter Hans Zellner in Mozarts Türkischem Marsch folgen. Einen neuen Bravosturm erntet Karl-Wilhelm Hultsch, als er mit schier unendlichem Atem und ebensolcher Virtuosität Vittorio Montis Csárdás auf der Tuba bläst.

Alle Sinneseindrücke auf dieser Donaureise hat Elisabeth Fessler in ihrem dreisätzigen „Concerto Danubio“ zusammengefasst: den Zauber der Landschaft ebenso wie die wechselnden Stimmungen des Flusses und das Stimmengewirr der Reisenden.

In Serbien angelangt, hört das Publikum bunte, folkloristische Fiesta-Klänge, einen rasanten rumänischen Tanz und zuletzt die überschwängliche Begrüßung des Reiseziels am Leuchtturm von Sulina. Was bei dieser Donaureise keineswegs fehlen durfte, kam zuletzt als Zugabe in Frack und Zylinder: ein schwungvoll gespielter und getanzter Donauwalzer.