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Landesjagdgesetz

Die Jäger blasen zum Protest

Tettnang / Lesedauer: 3 min

Novellierung des Landesjagdgesetzes missfällt – Postkartenaktion soll Unmut ausdrücken
Veröffentlicht:10.09.2013, 07:50

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Das Landesjagdgesetz soll novelliert werden. „Die Landesregierung und die Regierungsfraktionen streben ein vollumfassendes eigenständiges Jagd- und Wildtiermanagementgesetz für Baden-Württemberg an“, heißt es dazu seitens der Grünen. „Gejagt werden muss und soll auch in Zukunft“, so die jagd- und tierschutzpolitischen Sprecher Reinhold Pix (Grüne) und Thomas Reusch-Frey ( SPD ). Aber: Das Gesetz soll „stärker ausgerichtet werden an den heutigen Erkenntnissen der Wildökologie und am Natur- und Tierschutz“.

Die Jäger im Kreis Tettnang blicken mit Sorge auf die Änderungen im Jagdgesetz, sehen ihre Felle bisweilen davonschwimmen. In einer außerordentlichen Versammlung in Prestenberg, bei der auch Jäger aus Ravensburg und Überlingen sowie Bauernvertreter dabei waren, machten sie ihrem Unmut Luft. Erhard Jauch , Hauptgeschäftsführer des Landesjagdverbands mit Sitz in Stuttgart, informierte die annähernd 100 Anwesenden im Gasthaus Löwen über die geplanten Änderungen.

Schon beim Beteiligungsverfahren im Vorfeld, bei dem Interessensvertreter der Jäger, Bauernverbände, die Forstkammer, Grundbesitzer, Kommunen, Umwelt- und Tierschutzverbände mitgewirkt haben, sei deutlich geworden, dass mehr Dissens als Konsens bestehe.

„Bürokratismus pur“

Auch wenn ein Zitat von Wolfgang Reimer, Direktor des Ministeriums für den ländlichen Raum, glaubhaft machen wolle, dass die Akzeptanz der Jäger in einer „zunehmend naturfernen Gesellschaft“ abnehme, steht für Jauch fest: „Auf dem Land sind die Leute noch froh, dass es Jäger gibt und können sie noch schätzen.“ Gleich mehrere störende Punkte im zu erneuernden Jagdgesetz prangerte Jauch an. So zum Beispiel die Regelung zur Mindestpachtdauer, die einen begründungsfreien Vertragsausstieg der Beteiligten mit einer halb- bis dreivierteljährigen Kündigungsfrist vorsieht. Hier macht Jauch „Bürokratismus pur“ aus. Der Landesjagdverband will stattdessen an einer möglichst langen Mindestpachtdauer festhalten. Auch bei der Wildfütterung, „einer ganz heißen Kiste“, besteht Dissens. Während die Novelle vorsieht, Wildfütterung gänzlich zu verbieten, plädiert der Jagdverband dafür, das Fütterungsrecht zu erhalten. Uneinigkeit herrscht auch beim Jagdschutz, konkret bei der Regelung zum Abschuss von wildernden Hunden und streunenden Katzen. Jauch wollte keinem der Anwesenden „verantwortungslosen Umgang mit der bisherigen Regelung“ vorwerfen, machte aber auch deutlich: „Es gibt Situationen, da lässt sich sowas nur mit einem gezielten Schuss lösen.“

Und eine ganze Reihe weiterer geplanter Änderungen stößt bei den Weidmännern auf Missfallen. Die Flinte ins Korn will man zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht werfen. Im Gegenteil: „Wir sind bereit, uns nicht alles gefallen zu lassen.“ Das will man den verantwortlichen Politikern im Vorfeld der Bundestagswahl auch unmissverständlich klar machen. Deshalb reagiert der Jagdverband mit einer Postkartenaktion, die „sehr gut angelaufen“ sei, und mit der 30000 Jäger im Land ihre Meinung zum geplanten Jagdgesetz kundtun. 200000 Karten habe man anfertigen lassen, die nicht nur an Ministerpräsident Kretschmann, sondern auch an andere einflussreiche Landespolitiker adressiert sind. Denn schließlich gehe es um „eine Sache, die jeden Jäger betrifft“.

Für Kreisjägermeisterin Andrea Gmeinder, die ankündigte, für die Sache der Jäger zu kämpfen, stand am Ende des Abends fest: „Die grün-rote Landesregierung hat Hausaufgaben zu machen und muss nicht auf Nebenkriegsschauplätzen herumfroschen.“ Schließlich sei man nicht nur ehrenamtlich aktiv, man zahle auch noch dafür. Laut Gmeinder ein Aspekt, der gern außer Acht gelassen werde.