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Tettnang

600 Jahre alte Montfortlieder erklingen im Rittersaal

Tettnang / Lesedauer: 2 min

Mit Liedern des Grafen Hugo XII. von Montfort-Bregenz blickte das Kammerorchester bis ins 15. Jahrhundert zurück. Und ukrainisch-russische Freundschaft ist auch zu sehen.
Veröffentlicht:08.11.2023, 11:00

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Langen, herzlichen Applaus hat das Kammerorchester Tettnang am Sonntagabend im gut besetzten Rittersaal für sein festliches Jubiläumskonzert geerntet. Mit Liedern des Grafen Hugo XII. von Montfort-Bregenz blickte das Konzert zum 30-jährigen Bestehen des Vereins bis ins 15. Jahrhundert zurück.

Am Anfang stand allerdings erst einmal das Konzert d-Moll BWV 1043 für zwei Violinen, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach.

Ukrainisch-russisches Miteinander

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt war es eine besondere Freude, die Geigerin Anna Mishkutenok aus St. Petersburg und den ukrainischen Geiger Jaroslav Menzinsky im pastoralen Largo in innigem Miteinander der Stimmen zu erleben, in einem Zusammenspiel gleicher Partner, die sich den Ball zuspielten, wobei das Orchester den harmonischen Hintergrund lieferte. Stürmisch vital strebte das Konzert im Allegro dem Ende zu.

Solist Locher spürt den Texten des Grafen nach

Mit Spannung wurden die Lieder des Montfort-Grafen erwartet. Bescheiden hörte von hinten der Augsburger Musiker und Musikforscher Norbert Johann Sebastian Mayr zu, der die vierstimmige Harmonie dazu geschaffen hat, die es den Streichern erlaubte, Hermann Lochers Solostimme zu begleiten.

Orchesterleiterin Manuela Klöckner war begeistert, wie Locher mit beweglichem Bass den Texten nachspürte, wie Sänger und Orchester zusammen atmeten und die Stimmungen miterleben ließen, die der 1423 verstorbene Graf zu Papier gebracht hatte.

Sünde und Reue, Schiffbruch und ein Liebeslied

Aus dunkler Nacht führte das erste Lied mit dem Schöpfergott zum Licht und klagte über den sündigen Menschen. Reue und Buße bewegten einen Seemann, dessen Schiff zu sinken drohte, im zweiten Lied. In geistreichem Dialog lockte Frau Welt im dritten Lied einen widerstrebenden Gesellen zu Weib und Tanz.

Zärtlich führte Manuela Klöckner am Cembalo zum letzten Lied, einem Liebeslied auf des Grafen junge Frau. Eine schöne Idee war es, die Lieder in vier Sätze des barocken Concerto Grosso d-Moll von Domenico Scarlatti einzubetten, das der englische Komponist Charles Avison für Streicher eingerichtet hat. Wie nahe sich doch hier die Jahrhunderte waren.

Inniges Duo beendet das außergewöhnliche Konzert

Mit einem Zeitsprung in die Romantik zum schwungvollen ersten Satz aus Felix Mendelssohn Bartholdys Streichersinfonie Nr.9 verabschiedete sich das Kammerorchester mit Bravour. Für die Orchesterleiterin spielten die beiden Geiger zuletzt ein betörend inniges Duo eines ukrainischen Romantikers.

Dann wurde der 30. Geburtstag des Kammerorchesters gefeiert und die Bratschistin Friedel Biermann geehrt, die seit Anfang mitspielt.