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Arbeitszeitmodell

Der Generation Z sind flexible Arbeitszeitmodelle wichtig

Salem / Lesedauer: 4 min

40. Salemer Gespräche der Wirtschaftsjunioren Bodensee-Oberschwaben zum Thema Fachkräftemangel
Veröffentlicht:13.10.2019, 15:27

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Bei den 40. Salemer Gesprächen, die erneut an alter Stätte in der Schloss-Schule Salem stattfanden, war am Freitagabend der Fachkräftemangel Thema der Podiumsdiskussion. Zum Einstieg bemerkte Generationenforscher Lorenz Schlotter zur heutigen Generation Z, sie sei nicht weniger leistungsbereit als ihre Vorgänger, allerdings weniger karriere- und dafür mehr freizeitorientiert. Deren Forderungen seien früher undenkbar gewesen.

Der Soziologe und Personalberater, der bundesweit Studien zum Thema erhob, bemerkte, die Arbeitsbedingungen sind besser geworden – und die Ansprüche höher. Gefragt seien heute die Möglichkeit der eigenen Selbstentfaltung, genössen Spaß und Freizeit einen höheren Stellenwert. Moderator Rolf Benzmann von Regio TV wusste später von einem Unternehmer zu berichten, der auf der Suche nach einem Jung-Schreinermeister mit Gehaltsforderungen von 110 000 Euro, einem Dienstwagen und der gleichzeitigen Einstellung dessen „Kumpels“ konfrontiert wurde.

Bewerber wie Kunden behandeln

Schlotter streifte die so genannten „Helikopter-Eltern“ und die Ansprüche an heutige Personaler, die wissen müssen, wie sie mit Ansprüchen heutiger Bewerber umzugehen haben. Sein Rat: Mit ihnen umzugehen wie mit einem Kunden. Oft materiell bestens abgesichert, kenne die digital geprägte Generation Z keine Welt ohne Internet, weiß er von Kindern, die zu „wischen“ lernen (und das dann am Fernseher versuchen) bevor sie sprechen können. Die Generation Z sei aber auch unsicher, beispielsweise dann, wenn sie vor der Frage stehe, aus 19 000 Studiengängen den passenden auszuwählen. „Die Menschen wollen für einen Zweck arbeiten, nicht nur für einen Lebensunterhalt“.

Personaler Norbert Christlbauer von der Elobau GmbH & Co. KG in Leutkirch nannte in der Diskussion jährliche Mitarbeitergespräche „Unsinn“. Bewerber müssten vom ersten Tag an spüren, ernstgenommen zu werden. Er weiß, dass die neue Generation echte Verantwortung sucht, weshalb „mit offenem Visier“ aufeinander zugegangen werden solle, empfahl er Kollegen.

Joachim Wolf, Leiter der Sonnenlugerschule in Mengen, berichtete von seinem Projekt „startklar“, das vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ins Leben gerufen wurde. Nach einer ausgewerteten Kompetenzanalyse, die die Stärken der Schüler ausgewertet hat, sei man das Ziel angegangen, „Schüler in ihren Stärken zu stärken“. Begeisterung und Motivation seien das Ergebnis gewesen.

Alexandra Mebus, seit einem Jahr Personalvorstand der Friedrichshafener Zeppelin GmbH, hält mehr Flexibilität in den Arbeitszeitmodellen für nötig. Normal müsse werden, dass auch der Mann in Teilzeit arbeite oder Elternzeit in Anspruch nehme. Das erwarte die Generation Z, die viele Erwartungen in ihre Unternehmen setze und von Führungskräften Loyalität erwarte. Vor dem Hintergrund einer nicht mehr so ausgeprägten Bindung an die Firma sagte sie, „wir müssen enger an den Jüngeren dran sein – und nicht nur einmal im Jahr das Mitarbeitergespräch suchen“.

Erfolgserlebnisse bleiben aus

Rainer Kapellen von der heutigen Kapellen Consulting, in Friedrichshafen als ehemaliger Ortsvorsteher von Ailingen bekannt und späterer Bürgermeister und Erster Bürgermeister im Oberschwäbischen, nannte den öffentlichen Dienst einen „trägen Tanker“, in dem die Verantwortlichen aufgrund von Vorgaben nicht alles umsetzen könnten, was sie möchten. Erfolgserlebnisse blieben deshalb ein Stück weit aus.

Friedrich Striegler von der IG Metall, für Helene Sommer aufs Podium gesprungen, sieht seine Gewerkschaft wie die Gesellschaft im Umbruch und in einer Selbstfindung. Die Unternehmer im Saal bat er, Marktwirtschaft nicht nur von einer Seite zu betrachten. Auch er arbeite für seinen und seiner Familie Lebensunterhalt, nachdem er keine reichen Eltern hatte, die ihm Mietshäuser vererben konnten. Als einen Fehler nicht nur der Gewerkschaft nannte er, viele Berufe akademisiert zu haben. Das habe sich umgekehrt und dazu geführt, dass heute viele mit einem Studienabschluss als Sachbearbeiter „verharren“.

Eingangs der Salemer Gespräche hatte der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsjunioren, Frank Burkert, begrüßt, und Schulleiter Bernd Westermann seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, dass die Wirtschaftsjunioren zum zweiten Mal in Folge – nach einem Zwischenspiel in Weingarten – wieder nach Salem gekommen sind, wo sie hingehören.