Glücksfall

Oberteuringen sagt Adieu zu Karl-Heinz Beck

Oberteuringen / Lesedauer: 6 min

„Sein Wirken war ein Glücksfall für die Gemeinde“ – Grundlagen für eine hervorragende Entwicklung gelegt
Veröffentlicht:29.10.2017, 17:19
Aktualisiert:23.10.2019, 00:00

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„Das Wirken von Karl-Heinz Beck war ein Glücksfall für die Gemeinde“, sagte Franz Keller am Freitagabend im Saal des Gemeindezentrums „Die Post“. Vor zirka 500 Bürgern und Gästen überreichte der ehrenamtliche Stellvertreter des Bürgermeisters am Schluss der fast dreistündigen Abschiedsfeier dem scheidenden Bürgermeister die Ehrenbürgerurkunde. Beck tritt damit in die Fußstapfen von Xaver Kreuzer, der bei seinem Abschied vor 31 Jahren ebenfalls Ehrenbürger wurde. Zusammen leiteten sie 63 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde.

Beck habe sich hervorragend und in vorbildlicher Weise für das Wohlergehen der Bürger eingesetzt. Deshalb sei man sich im Gemeinderat einig gewesen, in Anerkennung und Dankbarkeit seiner großen Verdienste, ihm diese Ehre zuteil werden zu lassen, sagte Keller. Bravo-Rufe und minutenlanger, stehender Applaus folgten der Übergabe der Urkunde. Beck zeigte sich tief gerührt und versicherte, er werde versuchen, sich der Ehre würdig zu erweisen. „Wir werden nicht auseinandergehen. Diese Auszeichnung wird mich auf Dauer an Oberteuringen binden“, sagte Beck.

So bewegend die Feier zu Ende ging, so entspannt hatte sie begonnen. Die Bürgerkapelle unter Leitung von Fabian Zürn sorgte, während die Gäste ankamen, vor Beginn des offiziellen Programms für gute Stimmung. Franz Keller begrüßte mit Hoher, Hahn, Müller und Zeller vier Landtagsabgeordnete, zwei Oberbürgermeister – Andreas Brand, Friedrichshafen und Jan Zeitler, Überlingen, zwei Dutzend amtierende und 16 ehemalige Bürgermeister und alles, was Rang und Namen in oder Beziehung mit Oberteuringen hat.

31 Jahre Karl-Heinz Beck sei ein Segen für die Gemeinde gewesen, sagte Landrat Lothar Wölfle in seiner Laudatio. In dieser Zeit seien die Grundlagen für eine hervorragende Entwicklung gelegt worden. Wölfle nannte unter anderem das „Jahrhundertprojekt Lebensraum-Campus“, mit dem Oberteuringen neue Wege des Zusammenlebens der Generationen gehe. Mehr als 50 Jahre im öffentlichen Dienst, 31 Jahre Bürgermeister und seit 1994 Kreisrat. Beck sei immer ein vertrauensvolles Miteinander wichtig gewesen, aber er sei nie einen Kuschelkurs gefahren. Er habe die Dinge auf den Tisch gebracht und den demokratischen Wettstreit gesucht.

Lokalpolitiker aus Leidenschaft

Für die Bürgermeister des Bodenseekreises sprach Reinhold Schnell. Zwischen den Polen „Beginn der Mumifizierung“ und „Tür zur Zukunft“ ordnete der Schultes aus Neukirch den Abschied an. Als Bürgermeister, aber auch als Vertreter in Gremien des Gemeindetags Baden-Württemberg, des Regionalwerks Bodensee oder des Kreistags, habe sich Beck mit Herzblut, Engagement und Kompetenz eingebracht. Ein Kommunalpolitiker aus Leidenschaft, dem die Sorgen der Menschen am Herzen lagen und dem das Miteinander wichtig war, sei Beck.

Hohe Wertschätzung und großen Dank brachten dem Scheidenden auch die Bürgermeister der Partnergemeinden entgegen. Michael Göttle, Gemeindepräsident von Tübach/Schweiz, sagte „Chapeau, was du geleistet hast“ und erinnerte sich, dass er Beck als 20-jähriger Azubi zum ersten Mal begegnet sei und für einen Empfang ein Abéro organisiert habe. Dabei sei es nicht geblieben, denn fünf Jahre später sei er Gemeindepräsident geworden. „Formelle Kontakte mit kulturellem Tiefgang“, beschrieb Göttle die Partnerschaft. Für Jörg Mildner, Bürgermeister der sächsischen Gemeinde Lohmen, ist aus der Partnerschaft Freundschaft geworden – nicht nur zwischen ihnen, sondern zwischen Vereinen, Feuerwehr und Bürgern.

Pfarrer Rainer Baumann dankte auch im Namen seines katholischen Kollegen Robert Müller, der bei der Einsetzung von Ralf Meßmer sprechen wird. Das Miteinander funktioniere in Oberteuringen eben gut, wovon auch die Ökumene der Kirchen profitiere. „Wir hätten’s auch über Kreuz machen – das sind wir gewohnt“, sagte Baumann. Beck habe seinem Nachfolger einen grünen Ort mit vielen Knospen hinterlassen, die sich noch entfalten können.

Feinsinniger Diplomat

Einen mehr als 100 Seiten starken Erinnerungsband, in dem in Wort und Bild die 31 Beck’schen Jahre dokumentiert sind, überreichte Rainer Groß. Der Hauptamtsleiter dankte seinem Chef im Namen von mehr als 80 Mitarbeitern. Der Führungsstil von Beck sei geprägt gewesen von Vertrauen. Auf sein Wort sei Verlass, er sei ein Visionär mit großer Ausstrahlung, feinsinniger Diplomat und verbindlich im Miteinander gewesen, stets gut informiert und mit einer scharfsinnigen Menschenkenntnis ausgestattet. Er habe Beck als fröhlichen Menschen kennengelernt, dessen Gesichtausdruck sich allerdings auf Bildern aus dem Landratsamt zuweilen verdüsterte – je nach dem, ob er vorher geblitzt worden war. Mit einem virtuellen Rundflug per Drohne gab Franz Keller am Ende der Abschiedsfeier einen Rückblick über die Ära Beck und was sich in den 31 Jahren verändert hat. Dabei nannte er zunächst die Einwohnerzahl, die von 2800 auf heute 5000 gestiegen ist. Etwa 100 Bebauungspläne seien bearbeitet und hohe Investitionen getätigt worden. Durch eine geregelte Baulandpolitik und das Ausschöpfen von staatlichen Förderprogrammen habe man das alles ohne größere Verschuldung hinbekommen. Oberteuringen sei unter Beck ein liebens- und lebenswerter Ort geblieben und habe sich zum Positiven weiterentwickelt.

Auch Kinder sagen ade

Mit dem auf die Melodie von „Auf dr Schwäb’schen Eisabahne“ gereimten Lied „Heute sagen wir auf Wiedersehen“, sangen Kinder und Erzieherinnen des Rotachkindergartens ihrem „Chef“ ein Ständchen. Für einen Überraschungsbeitrag sorgte die Beck’sche Haus-Combo mit Hagen Binder, Volker und Sabine Beck, sowie deren Ehemann Matthias Petry. Die ehemalige Gemeinderätin Marie-Luise Sprenger zeigte mit ihren schwäbischen Reimen auf Karl-Heinz Beck die menschlichen Seiten des Geehrten auf und sorgte für manches Schmunzeln.

„Politik lebt vom Mitmachen“

Am 12. Oktober 1986 war Wahltag, am 27. Oktober 2017 ist Schluss. Diese Zeitspanne sei für ihn nicht mit einem Arbeitsverhältnis zu beschreiben, sondern sei wesentlicher Teil seiner Biografie, sagte Karl-Heinz Beck in seinen Schlussworten. Diese spiegelten seine Art wider, an die Dinge hinzugehen: Überlegt, gründlich, aber nicht verbissen, mit Tiefgang und dennoch pragmatisch.

Robinson tauge vielleicht für Romane, aber nicht für den Alltag. Der Mensch sei ein Gemeinschaftswesen, „allein auf sich gestellt, ist er auf verlorenem Posten“. Viele müssen sich jedoch beteiligen, damit das zum Tragen komme. So lebe Politik vom Mitmachen ganz unterschiedlicher Akteure – Vereine, Kirchen, Organisationen und dem Gemeinderat. Sechs Gremien hat Beck erlebt und mit ihnen konstruktiv und mit Mut neue Wege beschritten und Vorhaben entwickelt. Doch alle Beschlüsse blieben graue Theorie, wenn sie nicht umgesetzt werden, sagte Beck. Die Bewertung der Arbeit eines Bürgermeisters hänge deshalb entscheidend von der Qualität der Mitarbeiter ab. Er hätte sich’s nicht besser wünschen können, sagte Beck und beschrieb die Seinen als motiviert, kenntnisreich und loyal.

Sein Dank galt auch den Landräten, ihren Dezerneten, seinen Bürgermeisterkollegen, den Planern und Vertretern aus den Partnergemeinden. Ein nicht hoch genug zu schätzender Rat und Regulativ sei sein Freundeskreis gewesen.

„Bürgermeister sein ist kein familienfreundlicher Beruf“, leitete Beck das letzte Danke ein. „Frau und Kinder werden zwar nicht gewählt, müssen aber viel Verständnis aufbringen und die Lasten mittragen“, sagte Beck.

Die Vereidigung und Verpflichtung des neu gewählten Bürgermeisters Ralf Meßmer findet am Mittwoch, 8. November, um 19 Uhr, im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung ebenfalls im Saal der Post statt.