Bachacker

„Jeder muss seinen Teil beitragen“

Oberteuringen / Lesedauer: 5 min

Gemeinde stellt drei Häuser für Flüchtlinge zur Verfügung – Drei Millionen-Projekte sorgen für viel Geschäft
Veröffentlicht:02.09.2015, 15:36
Aktualisiert:23.10.2019, 23:00

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Oberteuringen ist eine Gemeinde mit einer ungeheuren Dynamik. Nach Pfaffenberg-Süd wächst mit Bachäcker bald das nächste Neubaugebiet aus dem Boden. Mit dem Lebensraum-Campus wird es etwas ganz Besonderes. Wie alle anderen Städte und Gemeinden beschäftigt Karl-Heinz Beck aber zunehmend das Thema Flüchtlinge. Darüber hat Anton Fuchsloch mit dem Bürgermeister gesprochen.

Wie viele Flüchtlinge leben zurzeit in Oberteuringen?

Zurzeit haben wir 22 Asylbewerber in zwei von der Gemeinde angemieteten Häusern in Unterteuringen und Bitzenhofen. Es handelt sich vorwiegend um syrische Familien.

Dabei wird es nicht bleiben?

Nein, und wer die Nachrichten verfolgt, darf sich nicht wundern, dass es immer mehr werden, die vor Krieg, Verfolgung und bitterer Armut bei uns Zuflucht suchen. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass wir diese Herausforderung bewältigen. Im Hinblick darauf, dass wir weitere Menschen aufnehmen müssen, haben wir in Neuhaus ein Haus mit drei Wohnungen gekauft, das wir in den kommenden Monaten sanieren. Darüber hinaus wird eine ehemalige Fabrikhalle im Gewerbegebiet in Neuhaus derzeit vom Landkreis als Erstaufnahmeeinrichtung für rund 50 Asylbewerber ausgebaut. Im Gegensatz zu den Wohnungen, die die Gemeinde zur Verfügung stellt, werden die Menschen dort aber nicht dauerhaft bleiben.

Gibt es Einsprüche gegen die Nutzung?

Natürlich. Die Gewerbetreibenden in der Nachbarschaft machen geltend, dass die Lärmemissionen ihrer Firmen eine reine Wohnnutzung dort nicht erlauben. Verhindern werden sie die Einrichtung dennoch nicht können, denn durch die Änderung der Landesbauordnung sind entsprechende Vorschriften außer Kraft gesetzt.

Wie bereiten Sie sich auf die neue Situation vor?

Wir haben bereits einen aktiven Helferkreis Asyl. Der wird aber nicht alles schultern können. Deshalb sind wir gerade dabei, einen Beirat zu gründen, um alle relevanten Kräfte – Vertreter aus dem Gemeinderat, den Kirchen, der Schule, den Vereinen, des DRK und des Landratsamtes – an einen Tisch zu bringen und zu schauen, was zu tun ist. Wir haben im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen ja wenig Erfahrung.Aber wir lernen jeden Tag dazu. Es reicht ja nicht, die Leute nur zu versorgen. Wir müssen sie einbinden, ihnen Perspektiven eröffnen, aber auch mögliche Konflikte frühzeitig erkennen. Am Ende geht es darum, den Frieden in der Gemeinde zu bewahren.

Sind sie darüber besorgt?

Nicht wirklich, aber wir dürfen die Sache nicht laufen lassen oder auf jene hören, für die Asylpolitik nur noch ein Scherbenhaufen ist. Keiner hat die Dimension voraussehen können, die der Exodus aus Afrika, dem Nahen Osten und dem Balkan angenommen hat. Das ist eine ganz neue Herausforderung, zu deren Bewältigung jeder seinen Teil beitragen kann. Natürlich müssen die Verfahren beschleunigt und in den Erstaufnahmestellen entschieden werden, bevor die Menschen in Städte und Gemeinden kommen. Aber wenn sie hier sind, müssen wir ihnen Perspektiven geben.

Mit dem Bebauungsplan Bachäcker, der Sanierung der Turnhalle und dem Ausbau der Schule hat Oberteuringen drei Großprojekte am Start. Wie weit sind Sie damit und wie wollen Sie das alles bewältigen?

Tatsächlich sind wir mit den genannten Themen gut beschäftigt. Für den Lebensraum-Campus mit Kindertagesstätte, Mediathek, Familientreff, einer Fördereinrichtung für behinderte Menschen und 20 Wohnungen sind wir im Endstadium der Planung. Anfang 2016 soll es mit dem Bau losgehen. Das Ganze kostet etwa zwölf Millionen Euro, wobei die Gemeinde etwa die Hälfte zu tragen hat. Weil wir personell für ein Projekt dieser Größenordnung nicht gerüstet sind, haben wir einen externen Controller engagiert. Die Generalsanierung der Turnhalle für rund zwei Millionen Euro ist beschlossen. Wir wollen Ende des Jahres mit der Ausschreibung der Arbeiten beginnen, damit wir bis Herbst 2016 fertig sind. Um die Schule für den Ganztagsbetrieb fitzumachen, müssen wir voraussichtlich 2,5 Millionen Euro investieren. Aus dem Wettbewerb ist das Ailinger Architekturbüro Hildeband und Schwarz als Sieger hervorgegangen. Bei einer Bürgerversammlung am 28. September wollen wir die Ergebnisse vorstellen. Der Gemeinderat wird im Oktober entscheiden. Ich gehe davon aus, dass wir im Lauf des nächsten Jahres mit dem Bau beginnen können.

Bekommen Sie das alles im Haushalt unter?

Wir werden für die genannten Maßnahmen die Baulanderlöse aus Pfaffenberg-Süd und Bachäcker einsetzen. Darüber hinaus erwarten wir auch Zuschüsse vom Land. Sollte das nicht ausreichen, haben wir immer noch die Möglichkeit, Kredite aufzunehmen, ohne uns zu übernehmen. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Schulden nämlich so gut wie abgebaut.

Und die Folgekosten?

Die laufenden Ausgaben im Verwaltungshaushalt werden natürlich steigen, vor allem die Personalkosten im Betreuungsbereich. Aber mit den Neubaugebieten bekommen wir auch neue Einwohner, die wiederum die Steuerkraft der Gemeinde erhöhen.

Wie steht es mit der Verkehrsberuhigung in der Ortsdurchfahrt?

Mit der Fertigstellung der Raiffeisenstraße und des Kreisverkehrs an der bisherigen Kreuzung Eugen-Bolz/Richard-Wagner-Straße werden wir den Schwerlastverkehr aus dem Ort verbannen und Tempo 30 verordnen. Zusätzliche Impulse erwarte ich im Zuge der Umsetzung des Beabuungsplans Oberteuringen-Mitte und der Baumaßnahmen an der Schule.