Helferkreis

Oberteuringen: Helferkreis Asyl gebildet

Oberteuringen / Lesedauer: 3 min

Wie eine Willkommenskultur gelingen kann – Luitgard Caspari koordiniert die Aktivitäten
Veröffentlicht:11.09.2014, 10:40
Aktualisiert:24.10.2019, 10:00

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Terror, Krieg, Elend und andere Katastrophen treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Millionen von Afrikanern, Syrern, Irakern, Ukrainern, Afghanen, Pakistani und Menschen aus anderen Kriesenregionen der Welt sind in Lagern gestrandet und suchen einen Ausweg aus ihrer oft verzweifelten Lage. Viele von ihnen zieht es nach Europa, wobei Deutschland eines der bevorzugten Ziele ist. Doch hier ist man auf den Zustrom nicht vorbereitet. Weder im Großen noch im Kleinen.

Die zentralen Aufnahmestellen sind überlastet. Leer stehende Kasernen, Schulen und Hallen dürften bald nicht mehr ausreichen. Landkreise und Kommunen müssen - ob sie wollen oder nicht - herhalten. Den Fremden ein Zuhause zu geben – zumindest vorübergehend – und gut miteinander auskommen, wird die Herausforderung für alle.

Das weiß man auch in Oberteuringen . Anstatt abzuwarten, was da auf uns zukommt, ist die Gemeindeverwaltung aktiv geworden. Erst vor wenigen Wochen ist es ihr gelungen, ein Ausgedinghaus in Unterteuringen anzumieten. Dort lebt inzwischen eine Familie aus Syrien. Es ist noch Platz für eine zweite Familie. Damit ist es aber nicht getan. Auf bis zu 40 Asylbewerber werde sich die rund 4500 Einwohner zählende Gemeinde einstellen müssen, sagte jüngst Bürgermeister Karl-Heinz Beck.

Dass ein bloßes Dach über dem Kopf für die Fremden nicht ausreicht, ist für den Teuringer Schultes klar. Deshalb hat er Luitgard Caspari beauftragt, einen Helferkreis Asyl zu bilden und dessen Arbeit zu koordinieren. Sie kümmert sich in den Lebensräumen für Jung und Alt bei der Mühle um die Gemeinwesenarbeit. Dort fand am Dienstagabend ein erstes Treffen des Helferkreises Asyl statt. Elf Interessenten, darunter neun Frauen, haben sich eingefunden, um sich zu informieren, wie sie sich einbringen können.

Erste Kontakte sind geknüpft

Einige der Teilnehmerinnen haben bereits Kontakt zu den Flüchtlingen geknüpft. Die Nachbarn verstehen sich gut mit ihnen, berichtete Angelika Flaith-Hau. Sie und Katharina Richter haben mit den Syrern einen Ortsrundgang gemacht und ihnen die wichtigsten Einrichtungen gezeigt. Der zehnjährige Sohn habe an den Ferienspielen teilgenommen und würde gerne in den Fußballverein gehen. Er spreche gut Deutsch und werde hoffentlich in die örtliche Grundschule gehen können. Die Grundlagen der so viel beschworenen Willkommenskultur sind in Oberteuringen gelegt. Damit die Bemühungen nicht nebeneinander her laufen und Energie verpufft, gelte es, das Ganze abzustimmen und zu koordinieren. Es sei nicht mit einer Rufbereitschaft oder einem gelegentlichen Besuchsdienst getan, sagte Caspari. Wie vielfältig die Aufgaben sind, die es zu bewältigen gibt, zeigte Caspari schwarz auf weiß auf einem Flipchart: „Behördengänge, Anträge, Aktivitäten, Vereine, technische Ausstattung, Fahrräder, Sprachlotsen und Deutschkurse, Familienpatenschaften“ waren nur einige Stichworte, die sie zusammen mit ihrer Kollegin Renate Hold vom Mehrgenerationenhaus in Markdorf gesammelt hat. Hold, die in Oberteuringen wohnt und ihre berufliche Erfahrung einbringt, organisiert derzeit unter dem Thema „Interkulturelle Kompetenz“ eine dreiteilige Weiterbildungsreihe für Ehrenamtliche. Die Ideen sprudelten nur so an dem Abend. Von einer mehrsprachigen Broschüre für Neubürger war die Rede, von einer Möbelbörse, einem Schüler-Projekt, Festen und Sprachkursen. Doch die Umsetzung ist nicht einfach. Man braucht nicht nur Einfühlungsvermögen in die Menschen und ihre Kultur, sondern Grundkenntnisse im Asylrecht, muss Kontakte herstellen und Vertrauen schaffen. Per E-Mail will Caspari die Interessenten auf dem Laufenden halten. Außerdem wurde vereinbart, sich einmal im Monat zu treffen.