Ehrenbürger

2017 in Oberteuringen: Von Ehrenbürger bis Ökostrom

Oberteuringen / Lesedauer: 9 min

2017 in Oberteuringen: Von Ehrenbürger bis Ökostrom
Veröffentlicht:29.12.2017, 17:02
Aktualisiert:22.10.2019, 23:00

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Schwäbische.de blickt zurück auf die wichtigsten Ereignisse 2017 in Oberteuringen. Die wichtigsten Nachrichten aus Wirtschaft, Politik und Kultur aus Oberteuringen.

Ralf Meßmer wird neuer Bürgermeister

Oberteuringen hat in Ralf Meßmer einen neuen Bürgermeister. Der 43-jährige Kämmerer der Gemeinde Horgenzell/Kreis Ravensburg wird am Sonntag, 24. September, mit einem Stimmenanteil von 65,1 Prozent zum Nachfolger von Karl-Heinz Beck gewählt. Sein Mitbewerber Reinhard Friedel, Leiter des Amtes für für Bildung, Familie und Sport der Stadt Friedrichshafen, erhält 34,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung liegt bei 79,3 Prozent und ist um vier Prozent niedriger als bei der Bundestageswahl.

Beifall und Bravo-Rufe gibt es, als Karl-Heinz Beck das Ergebnis vom Rathausbalkon verkündet und Ralf Meßmer zum Wahlsieg gratuliert. Er wünscht ihm eine glückliche Hand und „immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“. Sein Dank gilt auch Reinhard Friedel, mit dessen Kandidatur es eine echte Wahl geworden sei.

Von einem „unglaublichen Ergebnis“ spricht Ralf Meßmer. Er verspricht, in den nächsten acht Jahren alles zu geben, um das in ihn gesetzte Vertrauen „unbedingt zu rechtfertigen“. Er dankt seinem Mitbewerber Reinhard Friedel für einen „äußerst fairen Wahlkampf“. Mit dem Marsch „Mir sein die Kaiserjäger“ und weiteren Musikstücken begleitet die Trachtenkapelle den anschließenden Gratulationscorus auf dem Martinsplatz.

Neben dem Vorsitzenden der Bürgermeisterriege des Bodenseekreises, Reinhold Schnell aus Neukirch, haben sich auch zahlreiche Kollegen aus der Nachbarschaft eingefunden, unter ihnen Georg Riedmann aus Markdorf, Achim Krafft aus Langenargen, Sandra Flucht aus Wilhelmsdorf und Ortsvorsteher Michael Nachbaur aus Kluftern. „Ich gratuliere ihnen zum zweiten Sieger“, diesen Trost hört Reinhard Friedel an diesem Abend häufig. Er könne mit dem Ergebnis leben, sagt Friedel, und gehe am Montag gerne wieder ins Rathaus nach Friedrichshafen . Zwei Faktoren seien wohl ausschlaggebend gewesen: Als Einheimischer habe er den schwereren Stand gehabt, und auch seine Mitgliedschaft in der CDU habe ihm nicht geholfen.

Mit dem Wahlausgang zufrieden zeigt sich Franz Keller. Der ehrenamtliche Stellvertreter des Bürgermeisters wertet das Wahlergebnis als klaren Vertrauensbeweis für Ralf Meßmer und eine gute Ausgangsbasis für sein Amt. „Mit ihm haben wir einen erfahrenen Mann“, so Keller. Das wäre auch Reinhard Friedel gewesen. Ausschlaggebend für dessen Niederlage sei wohl der Wunsch der Wähler nach einem Mann an der Spitze gewesen, der von außen kommt.

Die Teuringer sind sich in ihrem Wahlverhalten über mehr als 30 Jahre treu geblieben und haben nicht den Lokalmatador, sondern einen „von außen“ bevorzugt. Das war bereits bei der Wahl von Karl-Heinz Beck am 12. Oktober 1986 so. Bei einer Wahlbeteiligung von 80 Prozent entfielen damals auf Beck (Hauptamtsleiter im Rathaus Markdorf) 73 Prozent der Stimmen, auf seinen Mitbewerber Helmut Nau (Hauptamtsleiter im Rathaus Oberteuringen) 21 Prozent und einen weiteren Bewerber fünf Prozent.

Am 8. November tritt Ralf Meßmer die Stelle des Bürgermeisters von Oberteuringen an. Vor mehr als 300 Gästen spricht er im Saal des Gemeindezentrums „Die Post“ den Amtseid und tritt damit seinen Dienst für die nächsten acht Jahre an. (Von Anton Fuchsloch)

Karl-Heinz Beck wird Ehrenbürger von Oberteuringen

„Das Wirken von Karl-Heinz Beck war ein Glücksfall für die Gemeinde“, sagt Franz Keller am Freitagabend, 27. November, im Saal des Gemeindezentrums „Die Post“. Vor zirka 500 Bürgern und Gästen überreicht der ehrenamtliche Stellvertreter des Bürgermeisters am Schluss der fast dreistündigen Abschiedsfeier dem scheidenden Bürgermeister die Ehrenbürgerurkunde. Beck tritt damit in die Fußstapfen von Xaver Kreuzer, der bei seinem Abschied vor 31 Jahren ebenfalls Ehrenbürger wurde. Zusammen leiteten sie 63 Jahre lang die Geschicke der Gemeinde.

Beck habe sich hervorragend und in vorbildlicher Weise für das Wohlergehen der Bürger eingesetzt. Deshalb sei man sich im Gemeinderat einig gewesen, in Anerkennung und Dankbarkeit seiner großen Verdienste, ihm diese Ehre zuteil werden zu lassen, sagt Keller. Bravo-Rufe und minutenlanger, stehender Applaus folgen der Übergabe der Urkunde. Beck zeigt sich tief gerührt und versichert, er werde versuchen, sich der Ehre würdig zu erweisen. „Wir werden nicht auseinandergehen. Diese Auszeichnung wird mich auf Dauer an Oberteuringen binden“, sagt Beck.

31 Jahre Karl-Heinz Beck sei ein Segen für die Gemeinde gewesen, sagt Landrat Lothar Wölfle in seiner Laudatio. In dieser Zeit seien die Grundlagen für eine hervorragende Entwicklung gelegt worden. Wölfle nennt unter anderem das „Jahrhundertprojekt Lebensraum-Campus“, mit dem Oberteuringen neue Wege des Zusammenlebens der Generationen gehe. Mehr als 50 Jahre im öffentlichen Dienst, 31 Jahre Bürgermeister und seit 1994 Kreisrat. Beck sei immer ein vertrauensvolles Miteinander wichtig gewesen, aber er sei nie einen Kuschelkurs gefahren. Er habe die Dinge auf den Tisch gebracht und den demokratischen Wettstreit gesucht. Für die Bürgermeister des Bodenseekreises spricht Reinhold Schnell. Zwischen den Polen „Beginn der Mumifizierung“ und „Tür zur Zukunft“ ordnet der Schultes aus Neukirch den Abschied an. Als Bürgermeister, aber auch als Vertreter in Gremien des Gemeindetags Baden-Württemberg, des Regionalwerks Bodensee oder des Kreistags, habe sich Beck mit Herzblut, Engagement und Kompetenz eingebracht. Ein Kommunalpolitiker aus Leidenschaft, dem die Sorgen der Menschen am Herzen lagen und dem das Miteinander wichtig war, sei Beck.

Hohe Wertschätzung und großen Dank bringen dem Scheidenden auch die Bürgermeister der Partnergemeinden entgegen. Michael Göttle, Gemeindepräsident von Tübach/Schweiz, sagt „Chapeau, was du geleistet hast“ und erinnert sich, dass er Beck als 20-jähriger Azubi zum ersten Mal begegnet sei und für einen Empfang ein Abéro organisiert habe. Dabei sei es nicht geblieben, denn fünf Jahre später sei er Gemeindepräsident geworden. „Formelle Kontakte mit kulturellem Tiefgang“, beschreibt Göttle die Partnerschaft. Für Jörg Mildner, Bürgermeister der sächsischen Gemeinde Lohmen, ist aus der Partnerschaft Freundschaft geworden – nicht nur zwischen ihnen, sondern zwischen Vereinen, Feuerwehr und Bürgern.(Von Anton Fuchsloch)

Gesellschaft für Teuringer Geschichte gibt auf

Die Gesellschaft für Teuringer Geschichte ist Geschichte. In einer außerordentlichen Versammlung beschließen die Mitglieder am 26. Januar die Auflösung des Vereins.

Der Verein hatte sich 1997 aus dem Freundeskreis Teuringer Talbahn gebildet. Von Anfang an fehlte es an Mitgliedern – mehr als 30 waren es nie –, an Initiativen und nicht zuletzt an Expertise. Man sammelte anfangs unter anderem Relikte aus alten Mühlebetrieben und Dokumente zur Teuringer Talbahn, erfasste die Dinge aber nie archivarisch und stellte sie auch nicht aus. Einiges landete im Kulturhaus Mühle, wo es zur eher dekorativen Zwecken im Keller hängt. Anlässlich der 1250-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 2002 organisierte der Geschichtsverein eine Kalligrafie-Werkstatt und lud zu historischen Führungen ein, Aufwind brachte das Engagement nicht. Als der Vorsitzende und Initiator, Raimund Thöne, und mehrere Vorstandsmitglieder 2014 nicht mehr antraten, ging es mit dem Verein weiter bergab. (Von Anton Fuchsloch)

Edeka- und Raiffeisenmarkt werden größer

Seit dem 20. Juni können die Teuriger im neuen und wesentlich erweiterten Edeka-Markt in der Raiffeisenstraße wieder einkaufen. Fast 20 Monate haben Umbau und Erweiterung gedauert. „Fremd gehen“ mussten die Kunden nur an zwölf Tagen. In der übrigen Zeit behalf man sich mit Provisorien.

Die Bezugs- und Absatzgenossenaft (BAG), die neben dem Raiffesenmarkt auch Edeka betreibt, investierte in das Vorhaben zirka 5,5 Millionen Euro.

Die Verkaufsfläche des Edaka-Marktes hat sich von 800 auf 1400 Quadratmeter vergrößert, die des Raiffeisenmarktes um 100 Quadratmeter. Beide sind jetzt miteinander verbunden. Vor dem Markt stehen für die Kundschaft 70 Parkplätze zur Verfügung, 40 weitere Stellplätze befinden sich hinter dem Gebäude.

Auch die Verwaltung der BAG hat sich örtlich verändert. Sie ist von ihrem Stammsitz gegenüber in das Obergeschoss des Edeka-Marktes umgezogen. (sz)

Gemeinde stellt auf Ökostrom um

Seit dem 1. Januar 2017 setzt Oberteuringen konsequent auf Ökostrom und bezieht nicht nur für ihre eigenen Gebäude und Liegenschaften wie Rathaus, Kindergarten und Grundschule, sondern auch für die öffentlichen Straßenbeleuchtungen und das Klärwerk ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien. Dafür erhält die Gemeinde im Februar 2017 das Ökostrom-Zertifikat des Regionalwerks Bodensee. Der Strom wird ausschließlich aus Wasserkraft erzeugt. Insgesamt verbraucht die Gemeinde pro Jahr zirka 470 000 Kilowattstunden. Die durch Ökostom erreichte CO2-Einsparung beziffert der Bürgermeister auf 182 568 Kilogramm pro Jahr. Die Umstellung auf erneuerbaren Strom sei also kein symbolisches Feigenblatt, sondern „eine sinnvolle Ergänzung unserer Klimaschutzbemühungen“, sagt der Bürgermeister. (Von Anton Fuchsloch)

Sporthalle ist jetzt wie neu

Mit einem Tag der offenen Tür wird die runderneuerte Sporthalle am 8. Juli eröffnet. Sechs Monate sind die Handwerker zu Gange und bringen die fast 40 Jahre alte und viel genutzte Sportstätte wieder auf Vordermann.

Bis auf die Betonstruktur wird das Gebäude entkernt, neu gedämmt und mit einer vorgehängten Putzfassade versehen. Innen wird die gesamte Haustechnik erneuert, inklusive Lüftung, Beleuchtung, Hallenboden und Wandverkleidungen. Das Flachdach mit den Lichtkuppeln war undicht und wird komplett neu aufgebaut. Mehr als 2,5 Millionen Euro investiert die Gemeinde in die Generalsanierung. Dank des Verkaufs von Grundstücken im Baugebiet Bachäcker kann die Finanzierung ohne Neuverschuldung geschultert werden. (Von Anton Fuchsloch)

Der Lebensraum Campus wächst

Am größten Bauprojekt, das Oberteuringen je gesehen hat, wird am 14. Mai Richtfest gefeiert. Der Lebensraum-Campus ist seit der Grundsteinlegung im August 2016 in die Höhe und Breite gewachsen.

Mehr als 13 Millionen Euro investiert die Gemeinde in den Neubau mit 20 Wohnungen nach dem von der Stiftung Liebenau betreuten und vielfach bewährten Modell „Lebensräume für Jung und Alt“. Unter dem gleichen Dach befinden sich ferner eine kommunale Kindertagesstätte, eine öffentliche Mediathek, der Familientreff, ein Tagescafé sowie eine Förderstelle für geistig behinderte Menschen.

Die Bauarbeiten liegen inzwischen in den letzten Zügen. Einweihung des Lebensraum-Campus ist Anfang nächsten Jahres geplant. (Von Anton Fuchsloch)

Banken fusionieren

Die Raiffeisenbank Oberteuringen und die Genossenschaftsbank Meckenbeuren wollen fusionieren. Das haben die Vorstände beider Banken am 24. November öffentlich gemacht, nachdem zuvor die Mitarbeiter über die Pläne informiert worden waren.

„Wir bündeln die Kräfte, damit wir auch in Zukunft die Bank vor Ort mit den schnellen Entscheidungen sein können“, sagt der Sprecher des Vorstandes der Genossenschaftsbank Meckenbeuren, Dieter Wild. Betriebsbedingte Kündigungen schlossen Wild und sein Oberteuringer Kollege Gerhard Janke aus.

Die Aufsichtsräte beider Banken haben der Fusion zugestimmt. Das letzte Wort haben allerdings die Mitglieder. In jeweils zwei Versammlungen Anfang 2018 werden die Vorstände den Mitgliedern Rede und Antwort stehen und die Beweggründe ihrer Entscheidung erläutern, teilen die Banken mit. (Von Anton Fuchsloch)