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Entlassungswelle

Nach der Entlassungswelle in Neukirch: Chinesen haben Aweco gekauft

Neukirch / Lesedauer: 2 min

Nach der Entlassungswelle in Neukirch: Chinesen haben Aweco gekauft
Veröffentlicht:22.11.2012, 14:35

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Mitte des Jahres hat das Unternehmen die Produktion am Stammsitz in Neukirch geschlossen (was über 100 Mitarbeitern den Job gekostet hat), jetzt kommt der nächste Paukenschlag: Der chinesische Konzern Zhejiang Sanhua Ltd hat Aveco Appliance Systems diese Woche gekauft. Günter Kamissek, von den Banken eingesetzter Geschäftsführer und Unternehmenssanierer, hat die Nachricht am Donnerstag den Mitarbeitern verkündet. Kamissek, „zunächst auf einen Sanierungsauftrag ausgerichtet“, wird auf Wunsch der Chinesen das neustrukturierte Unternehmen führen.

Die Ära des Familienunternehmens Schrott (von Hugo Schrott gegründet) ist zu Ende. Verkauft wurde Aweco Deutschland mit dem Werk in Amzell und die geschrumpfte Zentrale in der Neukircher Hüttenseestraße. Den Chinesen gehören genauso die Aweco-Töchter wie Blackmann (Österreich) sowie Aweco Polska, Slowakia und China. Veräußert wurde nach Worten von Kamissek auch das „wesentliche Anlagevermögen“.

Die Aweco KG alt hingegen bleibt komplett in Händen des bisherigen Unternehmenschefs Harald Schrott . Konkret geht es um die Liegenschaften an der Schulstraße mit rund 9000 Quadratmeter Produktions- und Logistikflächen.

Für einen Teilbereich der Anlage gibt es nach Worten des Unternehmenssanierers „schon erste Interessenten“. Dass Harald Schrott zumindest auf Teilflächen selbst produziert, ist laut Kamissek „nicht ausgeschlossen“. Harald Schrott habe eine unternehmerische Idee, die allerdings werde den Standort an der Schulstraße nicht füllen. Deshalb: „Wir haben das allergrößte Interesse, auch andere Nutzer zu finden“. Apropos Nutzer. Angeklopft hat offensichtlich auch schon die Gemeinde – im Zusammenhang von Turnhallenplanungen in der Gemeinde.

Mit dem Verkauf an Sanhua, so Kamissek gegenüber der SZ, hätte das Unternehmen wieder eine langfristige Perspektive. Diese gelte für die Mitarbeiter genauso wie für die Kunden. Der Name Aweco bleibt auch unter chinesischer Regie erhalten.

Das börsennotierte Unternehmen Zhejiang Sanhua ist in China Marktführer bei Bauteilen für stationäre wie mobile Klimaanlagen. In Berührung mit Aweco sind die Chinesen schon während der Umstrukturierungszeit der Neukircher gekommen. Aweco nämlich hat damals den Produktbereich Kälteventile für Kühlschränke an die Chinesen verkauft. Da sind diese offensichtlich auf den Geschmack gekommen, haben sich mit Blick auf ihren Expansionsdrang an ein Alleinstellungsmerkmal des Neukircher Unternehmens erinnert: an einen Produktbereich, der Pumpen, Heizung und Hydrauliksysteme vereinigt. Das passte offensichtlich ins Portfolio des Konzerns. Die Gespräche zwischen Chinesen und Günter Kamissek nahmen ihren Lauf.

Aweco in Chinesenhand führen Günter Kamissek und Udo Siebert (bislang schon in der Geschäftsführung). Harald Schrott wird dem Vernehmen nach einen Beratervertrag bekommen.