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Der Joker sticht

VfL Brochenzell macht den Klassenerhalt klar

Neukirch / Lesedauer: 6 min

Vor 1300 Zuschauern in Neukirch hat sich Brochenzell den Verbleib in der Fußball–Bezirksliga gesichert. Im Relegationsspiel gegen die SG Kißlegg genügte ein Treffer.
Veröffentlicht:25.06.2023, 15:58

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„Wir wollen den Yasin sehen‟, skandierten die Fans des VfL Brochenzell am Samstag nach dem 1:0-Sieg in der Relegation gegen die SG Kißlegg. Und Yasin Erdem trat auch hervor und nahm die Anerkennung entgegen. Damit wurde der 32-Jährige noch nicht genug gefeiert: Das Team warf den Cheftrainer danach in die Luft. Erdem wird von allen Seiten beim VfL ein ganz großer Teil am erfreulichen Ausgang der Saison zugeschrieben. In der entscheidenden Relegationsbegegnung gegen die SG Kißlegg vor rund 1300 Zuschauern in Neukirch bewies er auch ein goldenes Händchen und wechselte den Siegtorschützen ein. Brochenzell bleibt damit in der Fußball-Bezirksliga und Brochenzell II tritt somit weiter in der Kreisliga A2 an. Kißlegg verpasste den sofortigen Wiederaufstieg und muss weiter in der Kreisliga A3 ran.

„Er hat uns richtig gepusht. Seit er da ist, spielen wir offensiv, das wollten wir schon immer“, lobt VfL–Spieler Nicolae–Georgian Serbanescu den Trainer. Erdem übernahm, als das Team kaum noch etwas auf die Reihe bekam. Bei Brochenzell ging es nach einer starken Hinrunde (Platz vier) total bergab, der Abstieg drohte — einen Spieltag vor Saisonende folgte die Trennung des Trainerduos Christian Regler und Philipp Meier. Beim Debüt von Erdem gewann der VfL mit 2:1 beim SV Maierhöfen–Grünenbach. Ganz frei von Nervosität war Brochenzell in der Relegation gegen Kißlegg aber nicht. Der Bezirksliga–13. leistete sich einige leichte Abspielfehler, dadurch gab es in der gesamten Partie wenig Torchancen. Aber der VfL spielte taktisch diszipliniert und profitierte von der Klasse des eingewechselten Serbanescu.

Nicolae–Georgian Serbanescu trifft kurz nach seiner Einwechslung

Der 27–Jährige Mittelfeldmann stand beim Sieg gegen Maierhöfen–Grünenbach noch in der Startelf, musste aber auf der Bank Platz nehmen. Serbanescu verstand die Entscheidung, so war er aus beruflichen Gründen in den vergangenen eineinhalb Wochen nicht im Training. Und er lieferte sofort ab, als er in der 69. Minute für Jörg Baumann hereinkam. Er dribbelte, tunnelte einen Kißlegger, hatte dann gegen Jonas Thanner das Ballglück und traf aus rund 20 Metern mit einem Schuss unter die Latte zum 1:0 für den VfL (71.). „Dribbling und Geschwindigkeit sind meine größte Stärke“, betont Serbanescu. Er bezeichnet den Sieg als Lohn für den Einsatz. „Überragend, wir haben die letzten drei Wochen richtig hart gearbeitet“, sagt er. „Ich bin froh, im richtigen Moment reingekommen zu sein.“

Das Resultat geht in Ordnung. Brochenzell war über weite Strecken die gefährlichere Mannschaft, beispielsweise schoss Konrad den Ball aus rund acht Metern übers Tor (60.). Erdem zeigte sich mit der Leistung zufrieden: „Wir haben ein gutes Spiel gemacht und zu 80, 90 Prozent das umgesetzt, was wir wollten“, so Erdem. Für ihn bedeutete die Partie gegen Kißlegg nach deren zwei Relegationssiegen gegen den VfB Friedrichshafen II (3:1) und den SV Haisterkirch (2:1) eine große Herausforderung. „Die hatten das Momentum, die Euphorie“, meint Erdem. Aber unter anderem mit der Idee, Kißleggs Kapitän Simon Praschak am Spielaufbau zu hindern, hielt Brochenzell den Gegner in Schach.

Mega–Chance vergeben: Esben Jannis Schöbel als Unglücksrabe

Zumindest weitestgehend, denn in der 64. Minute bot sich Esben Jannis Schöbel die große Chance zum 1:0 für die Allgäuer. Einen langen Ball von Daniel Kieble verlängerte Kißleggs Toptorjäger Thomas Maas auf den aktiven Maik Aschenbrenner und er fand Schöbel am langen Pfosten, der allerdings aus fünf Metern über das leere Tor schoss. „Wir sind ein richtig gutes Team und werden ihm helfen, es zu vergessen. Esben wird aufgebaut, wir fangen es gemeinsam ab“, sagt Kißleggs Trainer Bastian Plocher.

„Wenn man so unterstützt wird, ist es schade, dass man sich nicht belohnt hat und nicht das i–Tüpfelchen draufsetzen konnte“, sagt Aschenbrenner. Viel muss sich Kißlegg nicht vorwerfen. Der beste A–Liga–Vizemeister hat vollen Einsatz gezeigt, im Vergleich zu den ersten Relegationsspielen hakte es gegen Brochenzell aber doch etwas im Offensivspiel. „Wir waren zu ängstlich und haben zu inkonsequent agiert“, meint Aschenbrenner, was aus seiner Sicht aber nachvollziehbar ist: „Wir sind eine junge Truppe, für viele ist das neu.“ Nichtsdestotrotz kann Kißlegg erhobenen Hauptes aus der Runde gehen und aus den Relegationsspielen Selbstvertrauen ziehen. „Wir haben eine gute Saison gespielt und sind eine coole Mannschaft. Es gibt keinen Grund, traurig zu sein. Kopf hoch, nächstes Jahr wieder angreifen. Kißlegg gehört einfach in die Bezirksliga“, so Aschenbrenner.

Kißlegg greift mit den Nachwuchssmeistern wieder an

Es wird ein paar Veränderungen geben. Kieble und Praschak werden aufhören. Die Abgänge „tun weh“, meint Plocher, ist aber dennoch optimistisch „Ich denke, mit dem was extern kommt und als Team können wir es auffangen. Der Kader wird eher breiter“, sagt Kißleggs Trainer. Zwei externe Neuzugänge stehen schon fest, dazu gibt es Verstärkung aus dem Nachwuchs. Von den A–Junioren, die am Samstag mit einem 2:1–Sieg gegen den TSV Tettnang Meister der Leistungsstaffel wurden, rücken sieben Akteure nach oben. David Wessle durfte in dieser Saison schon reinschnuppern. Plocher hofft, dass die SG die Begeisterung aus den letzten Wochen konserviert. „Wir müssen das abschütteln, das Positive rausziehen und die Kulisse, das Erlebnis mitnehmen“, sagt Plocher.

Kißlegg feierte daher genauso wie der VfL Brochenzell, der nach dem Spiel in Neukirch noch Abstecher ins eigene Vereinsheim sowie zu den Sommerfesten in Ettenkirch und Kehlen plante. An kommende Saison verschwendete Brochenzell bisher noch sehr wenig Gedanken. „Wir haben uns tatsächlich auf die Relegation konzentriert“, betont Erdem. Ein paar erfahrene Spieler des Teams überlegen aufzuhören, „sie sind sehr wertvoll, ich hoffe, sie spielen noch ein Jahr“, sagt Matchwinner Serbanescu. Allzu große Ambitionen sind nicht angebracht. „Bei uns geht es immer nur um den Klassenerhalt. Wir müssen unsere Werte widerspiegeln“, skizziert Erdem. Am Samstag hatte der VfL sein Ziel erfüllt und sich ein weiteres, sechstes Bezirksliga–Jahr gesichert.


Relegationsspiel zur Bezirksliga: SG Kißlegg – VfL Brochenzell 0:1 (0:0). – Tor: 0:1 Nicolae-Georgian Serbanescu (71.) – Schiedsrichter: Dominik Adis – Zuschauer: 1300 – SG: Greinacher, Blümel, Gernert, Müllerschön, Kieble, Thanner, Schöbel (76. Bank), Aschenbrenner, Maas, Praschak, Dentler (81. Weber) – VfL: Beck, Keller, Klein (85. Kovatschevitsch), Konrad, Baumann (69. Serbanescu), Cetiner (80. Yazici), Burkhart, Schwier, Pfister, Marschall (69. Sterk), Hirscher.