Cocktailzeit

„Abends an der Bar sind alle Menschen glücklich“

Meersburg / Lesedauer: 4 min

Barkeeper Claudio Castrucci von der “Droste” in Meersburg verrät die Zutaten für geniale Cocktails
Veröffentlicht:31.05.2013, 16:25
Aktualisiert:25.10.2019, 00:00

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Sommerzeit ist Cocktailzeit: Ein Sundowner in lauer Luft, Gläserklirren, Nüsse an der Bar, tiefe Ledersessel, sanft beleuchtete Flaschen. Zum Zauber von Cocktails haben wir einen wahren Könner seines Fachs befragt: Claudio Castrucci, der gemeinsam mit seinem Vater Giovanni seit einem Jahr die „Droste“ an der Uferpromenade in Meersburg betreibt. SZ-Mitarbeiterin Valerie Gerards sprach mit ihm über die Geheimnisse des Cocktail-Mixens.

Herr Castrucci, wie sind Sie eigentlich Barkeeper geworden?

Mein Vater hatte 20 Jahre lang die „Möwe“ hier in Meersburg, ich habe ihm ständig beim Cocktailmixen zugeschaut. Mit 15, 16 Jahren habe ich angefangen, selbst Cocktails zu mixen. Eigentlich macht man eine Ausbildung zum Restaurantfachmann und dann eine Weiterbildung zum Barkeeper.

Was lieben Sie an ihrem Beruf?

Ich finde die Philosophie, das Zusammensein an der Bar, toll. Am Abend an der Bar sind alle Menschen glücklich, und das liegt nicht am Alkohol. Glücklichmachen mit dem Geschmack, das ist der springende Punkt. Ich mache gern bunte Kreationen mit Früchten fürs Auge und für die Zunge. Ich kann damit ausdrücken, wie ich mich fühle, genau wie ein Koch.

Wie geht das, einen genialen Cocktail zaubern?

Man muss ein offenherziger Mensch sein, die Leute verstehen, die vor einem sitzen. Ich beobachte die Menschen und höre zu. Wenn eine Frau zehn Minuten lang die Erdbeeren anschaut, weiß ich, worauf sie Lust hat. Ich schlage ihr dann genau die passenden Cocktails vor.

Wenn man nach einem Cocktailrezept die Zutaten mischt, und es schmeckt trotzdem nicht: Was muss ich noch lernen?

Man muss verstehen, was man tut. Ich stelle mir den Cocktail vor, wie er hinterher schmecken soll. Dafür muss man die Cocktails kennen.

Worauf kommt es bei guten Cocktails an?

Nehmen wir zum Beispiel einen Long Island Icetea. Da sind nur zwei Zentiliter Cola und ein Spritzer Zitrone drin, aber alle klaren Spirituosen: Tequila, Wodka, Rum und Gin. Die Kunst ist, ihn so zu machen, dass die Leute ihn mit Genuss trinken. Das ist es, was viele missverstehen: Man soll nicht den Alkohol merken, sondern jeden Schluck genießen.

Wie machen Sie das?

Man muss mit dem Herzen und dem Kopf dabei sein, wenn man einen Cocktail herstellt.

Was darf in keiner Cocktailbar zu Hause fehlen?

Die drei Hauptzutaten sind Rum, Gin und Wodka.

Bacardi oder Havanna Club?

Havanna Club.

Sapphire oder Gordon´s Gin?

Sapphire.

Und welchen Wodka?

Absolut, aber da gibt es viele gute und kaum schlechte.

Was ist der Unterschied zwischen Grand Marnier, Triple Sec und Cointreau?

Im Prinzip sind alles die gleichen Produkte (holt die Flaschen aus der Bar). Der Klassiker an der Bar ist Triple Sec, den brauch man zum Beispiel für den Cosmopolitan. Triple Sec wird aus der weißen Schale unter der Orangenschale gewonnen, da steckt sehr viel Aroma drin. Der Grand Marnier ist auf Cognacbasis, der Cointreau ist der klassische Orangenlikör. Der Cointreau wird aus der Frucht gewonnen und ist sehr süß, der Grand Marnier wird aus der Schale gewonnen.

Was ist Ihr Lieblingscocktail?

Ich mag wirklich alle Cocktails, von A bis Z.

Wenn Sie sich entscheiden müssten …?

Der Prince Of Whales (mit Brandy, Cointreau, Angostura und Prosecco). Eine Piña Colada ist toll, dann Planters Punch und Long Island Icetea.

Geben Sie uns drei Tipps, wie man einen perfekten Cocktail zubereitet?

Man muss Lust darauf haben, genau wie beim Kochen, dann schmeckt das auch. Davon bin ich überzeugt.

Nummer zwei?

So fruchtarm wie möglich. Orange und Ananas, das kann schmecken, ist aber keine Kunst. Wenn ich das mit zwei Spirituosen mache und es schmeckt, dann ist das toll, das ist Liebe.

Und der letzte …

Gin. Machen Sie alles mit Gin, das passt zu vielem besser als Wodka.